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30.04.2017 - 18:51
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Kalabrien: Wo die Götter das Leben genossen

31.05.2014, 17:00
Seit der Steinzeit schätzen die Menschen Kalabrien. Das Klima am Land, das vom Tyrrhenischen und vom Ionischen Meer umspült wird, lockte auch die Griechen an. Vielleicht hat der Gelehrte Pythagoras, der von Samos nach Kroton ausgewandert war, seinen berühmten Satz inmitten der abwechslungsreichen Landschaft von Kalabrien entdeckt. Später errichteten die Römer an der Stiefelspitze Italiens ihre Thermen, die Normannen eroberten das fruchtbare Land, die Spanier herrschten dort, die Albaner suchten Schutz im Schatten der Zitrusbäume. Alle Götter genossen in Kalabrien das Leben. Und wir tun es ihnen heute gleich.

Weiße Sandstrände, nicht ewig lang, sondern in schützenden Buchten, scheinen zu rufen: "Schalt dein Handy aus! Komm her, hier ist das echte Leben!" Sie tragen so liebliche Namen wie Jasminküste, Zitronenküste, Orangenküste, Violette Küste oder Götterküste.

Bei Capo Vaticano – vom Lateinischen Vaticinium, was Orakel bedeutet – lebte einst eine Wahrsagerin. Erst wenn sie eine ungefährliche Fahrt vorausgesagt hatte, legten die Seeleute ab. Denn wo das Tyrrhenische und das Ionische Meer zusammenkommen, wo der nur wenige Kilometer entfernt auf Sizilien gegen den Himmel ragende Ätna deutlich zu erkennen ist, sind die Wasser gefährlich. Schon Homer beschrieb das sechsköpfige Ungeheuer Skylla, das mit Charybdis zu Odysseus' Zeiten die Straße von Messina kontrollierte und unzählige Seeleute in die Tiefe des Meeres riss.

Idyllisches Fischerdorf: Scilla

Das nach Skylla benannte Fischerstädtchen Scilla hingegen ist ein äußerst idyllischer Ort: Enge Gässchen scheinen sich ihren Weg durch die kleinen mit Blumen geschmückten Häuser des Fischerviertels Chianalea zu suchen. Die Nonna hängt die Wäsche auf das Seil an der Fassade. Dann öffnet sich die Häuserfront wieder, gewährt über ein kleines Fischerboot hinweg den Blick auf einen vom Meer umspülten Felsen und die Möwen. In den Abendstunden erscheint dort das Meer violett.

Unter dem Castello Ruffo liegt ein Schiff für die Schwertfischjagd in der Marina: Mutige wagen sich auf den Masten, um dem auf dem weit übers Wasser ragenden "Laufsteg" stehenden Fischer mit der Harpune  die Beute anzuzeigen. Doch auch wer nicht bei dieser urtümlichen Fischerei dabei war, kann sich den köstlichen Schwertfisch schmecken lassen.

Stattliche Felspaläste in Tropea

Nicht so pittoresk wie Scilla, sondern stolz präsentiert sich Tropea: Die Palazzi thronen auf dem hohen Felsen (siehe Bild), darunter räkeln sich die Sonnenhungrigen am Strand, umsorgt von Melonen- und Schmuckverkäufern.

Zwischen den Trattorien in der Altstadt laden Geschäfte zum Bummeln ein: Schals aus den kalabresischen Webereien, Schmuck aus Seesternen und Silber oder Keramikarbeiten bieten sich als Mitbringsel an. Auf dem Markt machen frische Fische und Gemüse Hunger, darunter die roten Zwiebeln, auf die die Kalabresen besonders stolz sind. Sie schmecken süß und finden sich auch in Bruschetta- Aufstrichen.

Altertümliche Kultur im Archäologiemuseum

Das fruchtbare Land bringt auch den wichtigsten Duftstoff für die Parfums hervor: Die Bergamotte gedeiht ausschließlich an einem schmalen Küstenstreifen in der Provinz Reggio di Calabria. Ihr Öl wird zur duftenden Essenz für unsere Duftwässerchen. Keinesfalls versäumen sollte der Kalabrien- Urlauber einen Besuch des Museo Nazionale Archeologico: Im frisch renovierten Haus in Reggio sind die Bronzestatuen von Riace zu bewundern. Beim Schnorcheln etwa 300 Meter vor der Küste von Riace stieß 1972  ein Urlauber auf die beiden Krieger.

Sie wurden im fünften Jahrhundert vor Christus gegossen, wirken aber wie echte, äußerst fesche Männer: Nicht nur die Muskeln, selbst die Adern der Soldaten sind zu erkennen. Augen aus Elfenbein, Zähne aus Silber und Lippen in einer andersfärbigen Legierung haben sie vom antiken griechischen Künstler bekommen. Nach 2.000 Jahren im Wasser sind sie nun restauriert und empfangen die zuvor in der Luftkammer vom Staub befreiten Betrachter.

Griechische Stadt im italienischen Stil

Reggio, einst wichtige Stadt der Griechen, wurde durch zwei große Erdbeben samt Tsunami zerstört und im italienischen Jugendstil wieder neu aufgebaut. Neu dort angesiedelte Bauern aus den Bergen brachten ihre Schmankerln mit, beispielsweise 'Nduja, eine scharfe Streichwurst. "Nutella für Erwachsene", erklärt "la guida" Rossella lachend.

Außerhalb der Altstadt, in der Palazzi, der Dom, die fast zwei Kilometer lange Flaniermeile mit herrlichem Blick übers Meer nach Messina gefallen, finden sich private "Geister- Wohnhäuser": Ein Balkon mit Schirm, Möbeln und Wäsche belebt, die drei weiteren Wohneinheiten schon viel zu lange im Rohbau.

"Bei uns zählt die Familie sehr viel"

"Bei uns zählt die Familie sehr viel. Die Eltern bauen ein großes Haus, für jedes Kind eine Wohnung. Doch nicht jeder kommt nach dem Studium zurück, die Wohnungen bleiben leer. Leider", so Rossella, die in Tübingen studiert hat und zurückgekehrt ist, um uns ihre Heimat näherzubringen.

Und wie ist das mit der berühmten 'Ndrangheta? Nun, die Mafia wird immer mehr zurückgedrängt – von Politik und Kalabresen. Dennoch verlassen sich viele Bewohner des göttlichen Landstriches auf die Mafiosi: Was die 'Ndrangheta macht, funktioniere auch – ob Müllabfuhr oder Nachbarschaftsstreit. Doch uns, die wir wie die Götter das Leben in Kalabrien genießen, berühren ohnehin nur die Küsten, die Kulinarik, die Kunst und Kultur.

31.05.2014, 17:00
Christina Natascha Kogler, Kronen Zeitung
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