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07.12.2016 - 19:34
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Inselabenteuer im ewigen Sommer: Die Kapverden

02.03.2013, 17:00
Sonniges Archipel voller Kontraste: Abseits der Touristenströme mitten im Ozean, gar nicht so weit weg von Europa, spornen die Kapverdischen Inseln den Entdeckerdrang reiselustiger Wanderer und Wassersportler an.

"Oh, die Kapverden, schön! Aber wo genau ist das?" Die vor der Abreise häufigste Frage ist leicht zu beantworten – wenn man dort war. Vor der westafrikanischen Küste Senegals ragen im Atlantik aus Vulkangestein geformte Inseln empor, wie aufgefädelt an einer zum weiten Ozean hin geöffneten Perlenkette. Auf neun davon sind etwas mehr als eine halbe Million Einwohner verstreut. Ab Lissabon per Flugzeug relativ rasch erreichbar, ist der sonnenverwöhnte Archipel im Fremdenverkehr dennoch beinahe Neuland. Eher schaffen es noch die Inseln Sal und Boa Vista – Letztere mit 460 Kilometern Distanz dem Kontinent am nächsten – in die Kataloge der Reiseveranstalter. Goldgelbe Sandstrände wie aus dem Bilderbuch locken Badegäste, im Sog eines stetigen Passatwindes zieht es geübte Surfer dorthin.

Dabei wirkt Sal für viele nicht auf Anhieb wie ein Urlauberparadies. Allzu karg präsentiert sich das flache Eiland aus der Vogelperspektive vor der Landung auf dem Airport Amílcar Cabral, benannt nach dem Nationalhelden und Wegbereiter der Unabhängigkeit von Portugal. Denn ausgerechnet das, was die Insel in unermesslicher Fülle umgibt, ist auf ihr selbst kaum zu finden: Wasser.

Vegetation hat es schwer, Bäume sind Einzelkämpfer. Auch zählen keine eindrucksvollen Baudenkmäler, keine historischen Stätten zu den Sehenswürdigkeiten. Vielmehr sind es Launen der Natur wie die aus einst glühender Lava bizarr gegossene Bucht von Buracona. Durch eine Kluft in der Klippe zwängen sich kraftvoll tosende Wellen, branden auf und befüllen unentwegt mit der Gischt steinerne Becken über dem Meeresspiegel wie Swimmingpools.

Ganz in der Nähe lässt das "blaue Auge" tief blicken. Unter einem Loch in der Felsdecke plätschert der Atlantik und schillert in Blautönen bei direktem Lichteinfall. Einen Streich spielt die Natur dem menschlichen Auge an einer besonderen Stelle im wüstenhaften Landstrich: Der Horizont gaukelt eine Nonstop- Fata- Morgana vor.

Wellness in der Salzgräberstadt

Einer filmreifen Geisterstadt gleicht Pedra de Lume. Hier wird auf den Spuren des "weißen Goldes" gewandelt. In einem Vulkankrater breiten sich natürliche Salzgärten aus, 200 Jahre lang wurden die Salinen industriell genutzt. Nach dem Ende des "Goldrausches" verfiel der Ort, der Inselname Sal (Salz auf Portugiesisch) erinnert daran. Heute ist vor der geschichtsträchtigen Kulisse Wellness angesagt. Sogar bei geringem Wasserstand lässt es sich in der Sole "federleicht" baden wie im Toten Meer. "Danach nicht sofort duschen!" Den Rat der Einheimischen befolgten wir. Die Haut dankte es, tagelang blieb sie weich und geschmeidig. Kleine Ausflüge bieten sich noch an, doch das war's dann auch schon.

Aber nach Sal und dem touristischen Hotspot Santa Maria im Süden kommen die Gäste ohnehin aus einem anderen Grund: Das ganze Jahr ist Badesaison, ohne Gedränge um freie Plätze an der Sonne. Gourmet- Tipp: das Restaurant Chez Pastis. Am Herd schwingt der Wirt den Kochlöffel enthusiastisch wie ein Dirigent, nach dessen Taktstock frische Meeresfrüchte und feine Gewürze zur kulinarischen Ouvertüre verschmelzen. Keiner sollte das Lokal verlassen, ohne das Tunfisch- Carpaccio probiert zu haben. Eine Delikatesse!

Buntes Leben auf Sao Vicente

Für Boa Vista mit traumhaften Dünenlandschaften fehlte uns die Zeit. Stattdessen fanden wir uns nach kurzem Inlandsflug Richtung Westen in einer anderen Welt wieder: Sao Vicente gilt als die kulturelle Hochburg der Inselrepublik. Bunt, quirlig, kreativ. Koloniale Bauten mit farbenfrohem Anstrich prägen das Straßenbild der Hafenstadt Mindelo, dem Zentrum. Die Königin des kapverdischen Musikstils Morna, die verehrte Sängerin Cesária Évora (2011 gestorben), wuchs hier auf. Ihr künstlerisches Erbe und den Rhythmus der Traditionen tragen die Einwohner im Herzen.

Freimütig zeigten sie diese "Saiten" ihres Lebens, nachdem es uns auf der Suche nach einer Gitarre für eine geplante Segeltour in Paulos Shop verschlug. Eigentlich ist es ein Buchladen, CDs und Instrumente gibt es aber auch. Wir entschieden uns für eine simple Ibanez. Für umgerechnet 190 Euro kein Schnäppchen, doch jeden Cent wert. Denn im Nu bat uns Carlos, ein Freund des Hauses, darauf spielen zu dürfen. Ein Geiger und ein Percussionist gesellten sich bald dazu.

Die leidenschaftlichen Lieder lockten immer mehr Passanten ins Geschäft. Inseltypische Melancholie, aber auch Hoffnung schwangen in den Melodien mit. All das spiegelten Carlos' zerknittertes Gesicht und seine rauchige Stimme wider. Ihm und dem Klang unserer Gitarre folgten wir durch die Nacht, durch enge Gassen. Bis wir gemeinsam in einer schlichten Bar landeten, ohne Pause ging die Session mit anderen Virtuosen weiter. Alles in allem ein stundenlanges musikalisches Feuerwerk! "No stress!" Die Aufforderung zum Relaxen, die einem Straßenhändler zurufen oder als Graffiti manche Mauer ziert, begleitete uns seit Sal.

Santo Antao als Paradies für Wanderer

In Porto Novo auf Santo Antao nördlich von Sao Vicente war davon plötzlich nichts mehr zu spüren. Hektik brach aus, als die Fähre anlegte und Chauffeure versuchten, Gäste für Touren im Aluguer (Sammeltaxi) zu begeistern. Auf der Terrasse eines Cafés warteten wir den Trubel ab, um danach in Ruhe Santo Antao zu erkunden. Die gebirgigste der Inseln ist eine Oase für Wanderer. Alte kunstvoll angelegte Pflasterwege schlängeln sich entlang steiler Hänge über schroffe Gipfel, durchkreuzen satt- grüne Täler und idyllische Orte. Zuckerrohr, exotische Früchte und Palmen säumen die Pfade im Nordosten. Paúl, Ribeira Grande und Ponta do Sol unweit des Bergdörfchens Fontainhas ("Kleine Quellen") sind beliebte Ziele zum Verschnaufen.

Echte Seebären ("Cocktail- Segler" nur bedingt) geraten auf dem Ozean ins Schwärmen. Auf unserem zweiwöchigen Törn von Sao Vicente über Santo Antao und Sao Nicolau bis zu den südlichen Ilhas de Sotavento, den "Inseln unter dem Wind", zeigte der ungezähmte Atlantik, wie anspruchsvoll er ist. Und dass der sogenannte ewige Sommer mit wogen- durchnässter Kleidung an Deck fröstelnd- kühl sein kann. Der Lohn für sportliche Mühen: ein riesiges Segelrevier fast für sich allein, Naturerlebnisse sondergleichen, verspielte Delfine und sogar Haie nahe am Boot.

Mit Fußball gegen Armut

Nicht zu vergessen die lebhafte Kontaktfreudigkeit der Bewohner wie auf der abgeschiedenen Insel Brava, die imposante Erscheinung des Vulkans Pico de Fogo (2829 Meter) und der kräftige "Herzschlag" Praias, der von Afrikas Kulturen stark geprägten Hauptstadt des Inselstaates. Auf Santiago setzt übrigens ein Österreicher ein Zeichen gegen die Armut. In Tarrafal, Heimatort seiner Frau Marisa, leitet Florian Wegenstein ein Kinder- und Jugendzentrum (deltacultura.org ). Unter dem Motto "Fußball für Entwicklung" fördert er – unterstützt von der FIFA – über den Sport die Bildung, um dem Nachwuchs Perspektiven nach der Schule zu bieten.

Retour in der Marina in Mindelo, hieß es schließlich Abschied nehmen. Einer jungen britisch- französischen Crew, die sich auf ihr Segelabenteuer in der Inselwelt vorbereitete, überließen wir gerne unsere Gitarre. Mit dem guten Gefühl, ein Stück von uns und der Geist kapverdischer Musiker reist mit.

02.03.2013, 17:00
Karl Grammer, Kronen Zeitung
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