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21.01.2017 - 02:55
Foto: Eduardo Abad/EPA/picturedesk.com

In Sevilla lebt und bebt der Flamenco

21.02.2015, 17:00
Klatschende Hände, stampfende Füße, mitreißende Gitarren und herzerweichende Klagen – im südspanischen Sevilla lebt und bebt der Flamenco an allen Ecken und Enden.

Der Flamenco ist die Seele Andalusiens – heißt es – und wo ist man dieser Seele näher als im Zentrum der Region, der Hauptstadt Sevilla. Eine lebendige, pulsierende Stadt, die höchstwahrscheinlich von den Phöniziern gegründet wurde, eine erste Blüte unter den Römern erlebte, eine weitere unter maurischer Herrschaft vom 8. bis ins 13. Jahrhundert und schließlich zur katholischen Hochburg mutierte. Bis heute wird die Semana Santa, die Karwoche, exzessiv gefeiert. Die Umzüge mit den Kapuzenmännern sind weltberühmt.

Prächtige Bauwerke, verwinkelte Gässchen

Der prächtige Alcazar, ein Palast, in dem auch König Felipe mit seiner Familie auf Stippvisiten abzusteigen pflegt, zeugt von der Kunstfertigkeit maurischer Baumeister. So wie die Giralda gleich nebenan, ein Turm aus hellem, reich verziertem Sandstein – der Überrest der Alten Moschee. Seine Spitze besteigt man ohne Treppen über eine Rampe. Gerüchten zufolge fand es der Muezzin einfacher, mit dem Pferd die 97 Meter zu erklimmen. Seit einigen Jahrhunderten schon dient die Giralda als Glockenturm der benachbarten Kathedrale, einem prachtvollen spätgotischen Bauwerk, prall gefüllt mit Kunstschätzen.

Das eigentliche Sevilla allerdings liegt rund um die Kathedrale: Die lebendige Altstadt des Viertels Santa Cruz mit den unzähligen verwinkelten kleinen Gässchen, die noch ganz den Charakter einer arabischen Medina haben. Tagsüber wirken diese Gassen mit den alten Häusern, deren Fundamente nicht selten von eingemauerten Mühlsteinen gestützt werden, idyllisch und pittoresk, nachts steppt hier der Bär. Unzählige Cafés und Bars, in denen die Tapas- Kultur hochgehalten wird, sind bis in die frühen Morgenstunden Magnete für Einheimische und Touristen. Hier wird gefeiert, als gäbe es kein Morgen.

Feurige Flamenco- Klänge hallen durch die Straßen

Und überall hört man die feurigen Klänge des Flamenco. In diesem Viertel liegt übrigens auch das einzige Flamenco- Museum – gegründet von der Tänzerin Christina Hoyos, die in Carlos Sauras Filmen "Bluthochzeit" und "Carmen" weit über die spanischen Grenzen berühmt wurde. Dort erfährt man nicht nur viel über die Roma- Herkunft dieser heute so urspanischen Musikform, ihre Einflüsse und bekannten Vertreter, dort kann man auch selbst Unterricht im Flamenco nehmen. Ob man es allerdings je bis zur Meisterschaft schafft und seinem Publikum eine minutenlange Gänsehaut beschert, sei dahingestellt. Flamenco gilt als das pure Gefühl, er ist Leidenschaft und Schmerz, Aufbegehren und Resignation, Freude und Traurigkeit.

Sein Herz liegt übrigens im Viertel Triana, jenseits des Flusses. Dort, wo einst die vielen Keramikwerkstätten und Fabriken lagen, haben sich die Roma niedergelassen, dort gibt es heute noch die urigen Flamenco- Cafés, in denen Musik und Tanz ganz den alten Traditionen entsprechend zelebriert werden. Der Flamenco in Sevilla ist aber auch jung und modern. Alle zwei Jahre findet hier im Sommer die Biennale statt (das nächste Mal 2016), mit unzähligen Konzerten, wo junge Künstler zeigen, dass Flamenco auch ganz gut mit Jazz und anderen Musikformen harmoniert. Und sich ein hippes Publikum dafür ebenso begeistern kann wie die große Roma- Gemeinschaft.

Ein "Pilz" als Symbol der Moderne

Übrigens hat auch das alte Sevilla eine ganz moderne Seite: Der Metropol Parasol des deutschen Architekten Jürgen Mayer steht heute sinnbildlich dafür – eine gewagte Holzkonstruktion, die Schattenspender, Aussichtsplattform, Museum, Restaurant und Treffpunkt der Jugend ist. An den Kosten des 2011 eröffneten Bauwerks hat die Stadt zwar noch eine Zeit lang zu knabbern, dennoch sind die meisten Bewohner von Sevilla mittlerweile sehr stolz auf ihren "Pilz".

21.02.2015, 17:00
Michaela Reichart, Kronen Zeitung
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