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09.12.2016 - 20:07
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Genießer- Archipel: Zu Besuch auf den Kanalinseln

25.01.2014, 17:00
"Ein Stück Frankreich, das ins Meer gefallen ist und von England aufgesammelt wurde", so beschrieb der französische Schriftsteller Victor Hugo die kleine Inselgruppe, auf der er viele Jahre seines Lebens im Exil verbrachte und bei gutem Wetter bis in seine Heimat blicken konnte.

Der Autor von "Der Glöckner von Notre- Dame" und "Les Miserables", der bei vielen Franzosen als einer ihrer größten Autoren gilt, wenn nicht sogar als der größte, ist in St. Peter Port auf Guernsey allgegenwärtig. Heute kommen Verehrer aus aller Welt in das Hauteville House , das er bewohnte und bis ins kleinste Detail selbst gestaltete; allerdings empfiehlt sich eine Anmeldung, da der Andrang groß und die Besucherzahlen streng limitiert sind.

Im Garten wächst übrigens die Eiche Europas, die Victor Hugo (1802–1885), der schon damals für die Vereinigten Staaten von Europa eintrat, gepflanzt hat. Die Begeisterung von unserer Führerin Christel über den großen Humanisten wirkt ansteckend – beim Verlassen des Kleinods habe ich nicht nur das Gefühl, viel gelernt zu haben, sondern nehme mir fest vor, die französischen Klassiker bald zu lesen.

Fünf Steueroasen als Zankapfel der Nationen

Der Archipel besteht aus fünf Inseln – Jersey, Guernsey, Alderney, Sark und Herm. Hier findet man einen unwiderstehlichen Mix aus französischem Savoir- vivre und britischer Eleganz. Lange Zeit ein heiß umkämpfter Zankapfel der Nationen – davon zeugen noch malerische Castles, Martellotürme und Wehrmachtsbunker –, und nun ein Paradies mit Sonderstatus. Sie unterstehen nicht London, sondern der Queen direkt; gehören nicht zur EU (Zollgebiet der EU!) und haben ihre eigenen Gesetze und Gerichtsbarkeit.

Die Steueroasen im Ärmelkanal sind aber nicht nur politisch begünstigt, sondern durch den Golfstrom auch klimatisch im Vorteil. Es gedeihen 1.500 wild wachsende Pflanzenarten, und der Farbenteppich der Natur ändert sich mit der Jahreszeit. Malerische Buchten, breite Sandstrände, steile Klippen, türkisfarbenes Meer und eine unglaubliche Blütenpracht fügen sich zu einem impressionistischen Gesamtgemälde zusammen, wie es auch Auguste Renoir zum Schwärmen brachte. Er kam 1883 als Feriengast und verewigte den Blick auf die Moulin Huet Bay in mehreren Gemälden.

Guernsey hat es aber nicht nur berühmten Literaten und Malern angetan, sondern auch Anni Bichard aus dem Gasteinertal. Die Liebe und die Schönheit der Insel ließen sie in St. Peter Port sesshaft werden, wo sie mit ihrer Familie ein Hotel sowie Restaurants betreibt. Die sportliche Salzburgerin genießt nun nicht nur das angenehme Klima und die gute Inselküche, sondern (fast) täglich auch ein erfrischendes Bad im Meer; denn eine wohlig- warme Badewanne ist der Ärmelkanal selbst im Sommer nicht.

Landschaft lässt Wanderer immer wieder innehalten

Aktive finden entlang der Klippen wunderbare Spazierwege mit traumhaftem Ausblick. Küstenpfade erschließen die schönsten Naturlandschaften von Jersey und Guernsey, aber die verkehrsberuhigten Straßen ("Green Lanes") eignen sich auch nicht schlecht, die Kanalinseln zu Fuß zu erkunden.

Immer wieder mag man gern stehen bleiben, nicht weil die Puste ausgeht, sondern weil sich das Panorama entlang der steilen Klippen zum Fotografieren anbietet, nein, geradezu aufdrängt. Farben und Konturen ändern sich ständig. Es zahlt sich auch aus, besonders schöne Plätze mindestens zweimal zu besuchen, denn durch den unglaublichen Gezeitenunterschied präsentieren sich die Orte sehr unterschiedlich, was wir zum Beispiel in Gorey sehr deutlich erleben.

Meeresgenüsse aus küstennahen Gewässern

Wir kommen früh zum Lunch ins Suma's, ein hübsches Restaurant mit Blick auf die stolze Burg Mont Orgueil Castle. Die Yachten und Boote liegen auf dem Trockenen, als wir unser Mittagessen mit Austern beginnen. Das klingt überaus luxuriös, ist es auch, aber schließlich gehören frischer Fisch, Langusten, Austern, Hummer und Jakobsmuscheln zu den wichtigsten kulinarischen Genüssen, die aus den küstennahen Gewässern kommen.

Waren mir Austern bis dato trotz mehrmaliger Kostproben bei verschiedenen Reisen immer ein wenig suspekt, weiß ich nun, dass es durchaus zu den schönen Dingen des Lebens zählt, auf einer Terrasse nicht nur zarte Sonnenstrahlen zu genießen. Die modern- britische Küche, die besser ist als ihr Ruf, verfeinert durch mediterrane Einflüsse und begleitet von französischem Wein, begegnet mir auf Jersey, der größten der fünf Inseln, immer wieder.

Auch die stylische Oyster Box brilliert mit regionalen Spezialitäten, vor der Tür liegt die palmengeschmückte Strandpromenade und der herrlich breite Sandstrand. Das Auge wird nicht müde, den sportlichen Surfern und Wellenreitern in der St. Brelade's Bay zu folgen. Kinder bauen mit Begeisterung unzählige Sandburgen, die sich die Flut dann später am Tag wieder holt. Am Westrand der malerischen Bucht steht das wohl älteste Gotteshaus der Insel, Fisherman's Chapel.

"Flotter Schuppen" auf überschaubarer Insel

Weil wir ja jeden Platz mehrmals besuchen müssen – was dank der kurzen Distanzen auf Jersey auch kein Problem ist (acht Kilometer von Nord nach Süd, 15 Kilometer von Ost nach West) –, gehört nun die Veranda vom The Boathouse auch zu meinen Lieblingsplätzen auf der Insel. Im Reiseführer (Dumont) wird das Lokal als "flotter Schuppen" bezeichnet; das Essen ist so ausgezeichnet wie die Lage.

Um unabhängig zu sein, empfiehlt sich ein Mietauto, umso kleiner, umso besser, denn die Straßen sind eng, die Höchstgeschwindigkeit liegt ohnehin nur bei etwa 65 km/h in Jersey (auf Guernsey 55 km/h). Wer sich auskennt, weiß, dass hier auch kein schnelleres Tempo möglich ist. Ganz im Westen liegt der Leuchtturm Corbière Lighthouse, der seit 1874 die Schifffahrt vor den Untiefen und Riffen an der Südwestspitze von Jersey warnt. Je nachdem ob Flut oder Ebbe vorherrscht, könnte man hinüberwandern, doch gleich vis- à-vis befindet sich – was für ein Glücksfall – ein ausgezeichnetes Restaurant, von dem aus sich der Sonnenuntergang vortrefflich beobachten lässt.

5.500 Jahre Inselgeschichte

Ein magischer Ort ist auch La Hougue Bie, das größte Steinzeitgrab auf den Kanalinseln. Das Ensemble aus Megalithgrab, Kapelle und archäologischem sowie Besatzungsmuseum erweckt ca. 5500 Jahre Inselgeschichte zum Leben. Samarès Manor begeistert vor allem Gartenliebhaber; im Park gilt der runde Taubenturm aus dem 12. Jahrhundert als Kennzeichen normannischer Feudalsitze; früher hießen die Kanalinseln übrigens Normannische Inseln.

Nachdenklich stimmen die zahlreichen Spuren der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs. Tunnelsysteme, Bunkeransammlungen, Forts und Wachtürme erinnern an diese Zeit. Anschaulich dokumentiert die Festungsanlage Elisabeth Castle Militärgeschichte.

Zu erreichen ist die Burg mit einem Amphibienfahrzeug; wer lieber zu Fuß geht, kann das nur bei Ebbe über einen Damm machen. Täglich gibt es übrigens um die Mittagszeit Kanonendonner vom Master Gunner im zeittypischen Kostüm. Die Hauptstadt St. Helier hat jedoch mehr als Elisabeth Castle zu bieten; interessant auch z.B. ein Besuch der Markthallen.

Das milde Klima, die Artenvielfalt der Pflanzenwelt, imposante Herrenhäuser hinter Buchsbaumhecken, die landschaftliche Schönheit und die kulinarischen Köstlichkeiten bilden natürlich starke Anziehungspunkte, aber nicht zu unterschätzen sind auch der Lebensrhythmus, der die Menschen auf den Kanalinseln einfach ein bisschen gelassener macht, lässig- kultiviert wirkt und auch auf Besucher ausstrahlt, die hier schneller zur Ruhe kommen und sich im Urlaubsgefühl verlieren können. Mut zur Langsamkeit macht die Inselidylle perfekt!

25.01.2014, 17:00
Andrea Thomas, Kronen Zeitung
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