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29.04.2017 - 22:38
Foto: AP

Dubai – Stadt mit 1001 Gesichtern

20.03.2017, 10:07

Kofferträger, Kamelreiter oder Kapitalisten - inmitten der Wüste kommen sie alle zusammen. Von drei Dingen gibt es in der Luxusmetropole schier unendlich: Geld, Platz und Personal.

Ich könnte schwören, ich habe sie gerochen. Gleich als ich über die Gangway des Riesenvogels, des A380, hinab auf die Erde Dubais gestiegen bin: die heiße Wüste, vermischt mit dem Duft von gegrilltem Fleisch. Vielleicht war es ja eine Fata Morgana. Aber zweifelsohne eine, von der ich mich mit größtem Vergnügen täuschen lasse.

Stadt ohne Vergangenheit

Groß, goldig, heiß - das ist Dubai, die Stadt ohne Vergangenheit, dafür mit strahlenden Zukunftsvisionen. Drei Dinge gibt es hier im Übermaß oder besser gesagt wie Sand in der Wüste: Geld, Platz und Menschen. Dabei prägen nicht die Emiratis diese Metropole der Superlative, sondern die "Expats", wie sie hier genannt werden. Gastarbeiter. Sie waren es, die Dubai mit ihren Händen aufgebaut haben und bis heute beeinflussen. Die meisten von ihnen stammen aus den ärmsten Ländern der Welt. Bei so viel Reichtum erscheint dieser Fakt geradezu bizarr.

Vom indischen Taxler über den pakistanischen Bauarbeiter bis hin zum südafrikanischen Butler ist fast alles vertreten, was über Manieren und halbwegs gute Englischkenntnisse verfügt. Für jeden Handgriff gibt es Personal: Einen Kofferträger, einen Chauffeur, einen Türöffner und sogar jemanden, der uns beim Vorbeifahren einfach nur freundlich zunickt.

Foto: AP

Von allen Einwohnern beträgt der Anteil an Emiratis gerade einmal 15 Prozent. Das macht das edle Wüstenvolk zu einer Minderheit in seinem eigenen Land. Inmitten der Hunderttausenden Fremden wirken sie in ihren schneeweißen Kandoras, den gepflegten Füßen in braunen Ledersandalen, dem Kopf uch (Ghutra) und den verspiegelten Pilotenbrillen genauso exotisch wie die Destination an sich. Und sind dennoch ein Ebenbild dessen, was Dubai letztlich ist: ein Cocktail aus Tradition und Moderne, verfeinert mit einem Schuss hochprozentigen Luxus.

Wo sich viel bewegt bleibt auch einiges stehen

Luxus. Die Emiratis könnten ihn erfunden haben. An den sechsspurigen Autobahnen kleben Dutzende millionenschwere Bürotürme, die Metro fährt völlig autonom, ja sogar die Bushaltestellen werden klimatisiert. In der Nacht kann man die Motoren der teuren Sportwagen heulen hören, untertags quälen sie sich mit den beige- roten Taxis durch den Berufsverkehr, vorbei an den schimmernden Fassaden der 5- Sterne- Hotels. Stau ist eine typische Begleiterscheinung bei boomenden Städten - wo sich viel bewegt, da bleibt eben auch einiges liegen. Spätestens wenn Dubai die fliegenden Drohnen- Taxis einführt, könnte sich dieses Problem wahrlich in Luft auflösen. Erste Testflüge sollen bereits im Juli starten.

Foto: AP

Alles hier scheint gigantisch groß

Es wäre nur eine von vielen Luxusspielereien. Weil Geld bei den Emiratis "keine Rolex" spielt, machen sie sich die Welt widewide wie sie ihnen gefällt. Sie besitzen den Burj Khalifa, den höchsten Wolkenkratzer der Welt. Ein Gigant so groß, dass er sich aus der Nähe gar nicht mehr mit dem Fotoapparat einfangen lässt. Sie holten sich die erste Indoor- Skipiste in die Wüste. Damit sie nicht nur auf Sanddünen, sondern auch auf Kunstschnee boarden können. Sie besitzen das größte Shoppingzentrum, die Dubai Mall. Der Komplex umfasst so viele Quadratmeter, dass man sich dort zwei Tage lang aufhalten könnte, ohne ein Geschäft zwei Mal betreten zu müssen. Und als ob das nicht reichen würde, bauen sie nun auch noch das größte Riesenrad der Welt!

Wer die seltenen Emiratis in freier Wildbahn beobachten möchte, tut das am besten auf dem City Walk einem Open- Air- Einkaufszentrum im Stil einer amerikanischen Filmkulisse. Bei einem Kaffee mit Kardamom und Safran, eine Dattel naschend, lassen sich die "Ureinwohner" am besten erforschen. Und siehe da: Unter dem Saum der schwarzen Abaya, eines traditionellen Umhangs für Frauen, blitzen High Heels hervor. Den Rücken ziert ein mit Goldfäden gesticktes Armani- Zeichen. Im linken Arm klemmt die Louis- Vuitton- Tasche, die rechte Hand tippt auf dem Smartphone. Es ist eine leise Vorahnung darauf, welchen Reichtum die Emiratis tatsächlich mit ihren teuren Gewändern verschleiern.

Foto: AP

Apropos verborgen: Außerhalb des Stadtzentrums liegt ein wahres Mekka für Hipster. Jene urbane Subkultur aus den USA, in der Männer viel zu enge Hosen, Opabrillen und Bärte tragen. Ja, auch diesen Trend haben sich die Emiratis in ihre Oase geholt. In einer Garagenlandschaft in der Alserkal Avenue mietete sich das vegane Lokal Wild & The Moon ein, stellen die Mirzam Chocolate Makers handgefertigte Schokoladentafeln her, eröffneten Künstler ihre Galerien.

Das Kontrastprogramm zum hippen Hotspot wartet in den historischen Vierteln Deira und Bur Dubai. Die beiden Stadtteile werden von dem berühmten Dubai Creek geteilt, einem Meeresarm des Persischen Golfs. Tipp: Die kleinen Abras Wassertaxis aus Holz bringen Besucher von einem Viertel zum anderen. Gerade einmal zehn Minuten dauert die Überfahrt zum Preis von einem Dirham (umgerechnet 25 Cent). Das orientalische Flair gibt's gratis dazu.

Safran, Gold und Kamelfleisch

An erster Stelle der Touristen- Attraktionen stehen der Gold- und der Gewürzmarkt (Souk). Die bilderbuchhafte Vorstellung von duftenden Safransäckchen, Vitrinen voll glänzendem Goldschmuck und feilschenden Händlern sie erwacht hier tatsächlich zum Leben. Unweit von den Märkten liegt das denkmalgeschützte Quartier Al- Bastakiyya. Neben einigen Museen befindet sich hier auch das Local House Restaurant, in dem mutige Kulinariker Kamelfleisch bestellen können.

Foto: Kamran Jebreili

Das alleine macht einen Touristen aber noch nicht zum Dubai- Versteher. Wer die Stadt mit all ihren Gesichtern begreifen will, den schicken Fremdenführer in die Wüste im wahrsten Sinne des Wortes.

"Wer die Wüste nicht kennt, der kennt Dubai nicht", erklärt Guide Abdul und jagt unseren Jeep eine zehn Meter hohe Düne hinauf. Der Konvoi unserer Safaritour erinnert an Matchboxautos, die durch eine gigantische Sandkiste gleiten. Nicht einmal eine Stunde vom Stadtzentrum entfernt, liegt Abenteurern eine unendliche Landschaft aus beigefarbenem Samt zu Füßen. Hier verstummen die angeberischen Maserati- Motoren, hier regiert das bescheidene Nichts.

Doch was wäre die Wüste, hätten die Emiratis nicht auch hier für ein wenig Luxus gesorgt? Inmitten der Dünen taucht plötzlich ein Camp inklusive Grillstation, Bauchtänzerin und Shisha- Lounge auf. Das ist eben Dubai.

Alexandra Halouska, Kronen Zeitung

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