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26.03.2017 - 23:04
Kaiserin Marie Louise verbrachte einige Sommer in Baden.
Foto: Martin Jöchl

Die Gartenmanie der Habsburger

11.07.2016, 09:16

Unter diesem Titel findet zurzeit in der Kurstadt Baden eine anschauliche Ausstellung statt, bei der Besucher auf Zeitreise durch die Jahrhunderte wandern. Und der Beweis erbracht wird, dass auch so mancher Kaiser einen "grünen Daumen" hatte.

Grobe Schuhe, robuster Jancker mit gelben Metallknöpfen - auf dem Kopf ein schlichter Filzhut. So konnte man Franz I., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Kaiser von Österreich, in zahlreichen Sommermonaten zwischen 1793 bis 1834 in Baden antreffen. Der Blumenkaiser - wie er vom Volk auch liebevoll genannt wurde - verbrachte viel Zeit in der Botanik, erwarb sich ein umfangreiches Wissen über Flora und Fauna. Im Schloss Schönbrunn legte er sogar persönlich einen Alpengarten an.

Kaiser Franz I. verbrachte hier den Sommer.
Foto: Martin Jöchl

"Garten- Revolution" im Biedermeier

Generell galt die Epoche des Biedermeier als "Garten- Revolution". Das Interesse an der Botanik wuchs, Pflanzen - zum Teil auch exotische, die aus der ganzen Welt importiert wurden - fanden zunehmend Anhänger. Die Sammler- Leidenschaft war am Lodern. Der Kaiser gab das "Garten- Gen" auch an seine Kinder weiter. Vor allem Erzherzogin Maria Louise, die zweite Ehefrau von Napoleon, konnte sich der Natur hingebungsvoll widmen. Zahlreiche detailgetreue Blumenbilder zeugen davon.

Napoleon wollte in Baden sterben

Napoleon selbst besuchte Baden 1809. Blickte über die prächtige Anlage mit den Worten: "Dieser Platz ist so schön, hier müsste man sterben dürfen!" Und der gute Mann wusste, wovon er sprach. War doch sein Lieblingswohnsitz Schloss Malmaison bei Paris - wo die erste Ehefrau Josephine die berühmteste Rosensammlung ihrer Zeit unterhielt - 250 verschiedene Sorten steckten dort ihre duftenden Köpfe gen Himmel. Ironie der Geschichte: Erzherzog Carl von Österreich- Teschen, der Napoleon bei Aspern die erste militärische Niederlage zufügte, konnte Jahre später auch den "Rosenkrieg" für sich entscheiden. Der geniale Militärreformer trumpfte mit seinem Rosarium im Helental auf, in dem sich weit über tausend Sorten befunden haben sollen.

Napoleon war - ob der Aussicht - beeindruckt.
Foto: Martin Jöchl

Der Kaiser ging hier spazieren

Auch Kaiser Franz Joseph verbrachte so manchen Sommer in der mediterran anmutenden Kurstadt. Der spätere Thronfolger besuchte seinen Onkel schon als Kind - um hier unbeschwerte Tage mit seinem Cousin Wilhelm zu verbringen. In seinem Tagebuch vermerkte er: "Wir gingen auf die Weilburg, wo wir mit Wilhelms Esel, welcher an einen kleinen Wagen gespannt war, herumfuhren und herumtobten. Auch hatte ich das Glück, einige schöne Schmetterlinge zu fangen . . ." Jahrzehnte später sollte der Kaiser in die Gegend seiner unbeschwerten Kindheitstage zurückkehren. War doch Lebensfreundin Katharina Schratt eine gebürtige Badnerin, die ausgedehnte Spaziergänge mit Franz Joseph in ihrer Heimat unternahm.

Beethoven war Stammgast

Aber auch große Künstler haben im Kurpark ihre Spuren hinterlassen. Meint man doch immer noch die Musik von Joseph Lanner, Carl Michael Zierer oder Johann Strauß beim Flanieren zu vernehmen. Beethoven selbst galt als wahrer - wenn auch nicht sehr beliebter - Stammgast. Mindestens 13 Sommeraufenthalte verbrachte er in Baden. Verfasste hier zahlreiche Meisterwerke der Musik - darunter auch die 9. Symphonie mit der berühmten "Ode an die Freude". Wenig Freude hatten hingegen seine Quartiergeber: Er komponierte laut Klavier spielend mitten in der Nacht, marschierte stampfend sowie klatschend auf und ab - und benutzte mangels Komponier- Papier auch schon mal die Fensterläden. Wo er auch seine "Gedankenbunterlei" notierte.

Die wunderschöne Gartenanlage in Baden
Foto: Martin Jöchl

Marienkäfer schützen Rosarium

Aber auch wir haben noch einiges zu notieren bei unserem Besuch im größten Rosarium unseres Landes, nur einen Steinwurf vom Kurpark entfernt: nämlich dass hier 30.000 Stöcke stehen. 800 Sorten vertreten sind. Diese rein biologisch bearbeitet werden. Und, so der schöne Satz von Obergärtner Stefan Ferschich zum Abschied: "Der Marienkäfer ist der Schutzpatron der Rosen - und das wussten schon die Habsburger!"

INFO

www.tourismus.baden.at , www.gartensommer.info 

11.07.2016, 09:16
Ingrid Altermann, Kronen Zeitung
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