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03.12.2016 - 02:16
Foto: APA/EPA/HANS KLAUS TECHT, krone.at-Grafik

Trauen Sie sich alles zu, Herr Kurz?

17.12.2013, 16:00
Der Aufstieg von Sebastian Kurz (27) zum jüngsten Außenminister Europas sorgt international für Aufsehen. Mit Conny Bischofberger sprach der "Rising Star" (BBC) über seine Jugendlichkeit, das glatte diplomatische Parkett und eine Krawattensammlung für mehrere Leben.

Dienstagmorgen, 7 Uhr: Im Außenministerium am Minoritenplatz 8 hat Sebastian Kurz schon seine Mitarbeiter um sich versammelt. Man sitzt in einem kleinen Besprechungsraum, Michael Spindelegger muss sein Büro erst räumen.

Noch nicht einmal 24 Stunden im Amt, ist der neue Außenminister schon mit Interview- Anfragen aus ganz Europa konfrontiert. "Wunderwuzzi" nennt ihn der Spiegel, "ganz schön fesch" findet ihn die Süddeutsche Zeitung. Für die britische BBC ist er gar ein "Rising Star"...

Wie immer trägt Kurz einen dunklen Anzug, dazu ein weißes Hemd und - erstmals seit der Angelobung am Montag - Krawatte. Eine Art Zugeständnis an die Welt der Diplomatie. Vor ihm auf dem Tisch liegen ein paar unbeschriebene Blätter Papier. Er braucht keine vorformulierten Statements - weder zum Konflikt Ukraine- Russland noch zur Frage des österreichischen Ansehens in der Welt.

"Krone": Herr Außenminister, wie klingt das für Sie?
Sebastian Kurz: Es ist nur ein Titel... Aber hinter dem Titel verbirgt sich eine große Aufgabe. Trotzdem ist mir "Sebastian Kurz" noch immer am liebsten.

"Krone": Mit Ihren 27 Jahren sind Sie nicht nur das jüngste Regierungsmitglied, sondern auch der jüngste Außenminister Europas. Sind Ihnen nach dem Angebot auch Zweifel durch den Kopf gegangen?
Kurz: In mir sind zwei Dinge vorgegangen, einerseits ein starkes Interesse, weil ich auch im Integrationsbereich schon sehr viel international gearbeitet habe. Und zweitens auch ein irrsinniger Respekt vor dieser Aufgabe - insofern war es für mich schon ein großer Schritt.

"Krone": Einen Ratschlag haben Sie sicher öfter gehört: Lassen Sie sich nicht verheizen...
Kurz: Ich glaube, dass jede politische Aufgabe eine Herausforderung ist. Fehler kann man überall machen, unabhängig vom Alter und auch unabhängig von der Funktion. Ich glaube, die Arbeit im Integrationsbereich ist auch eine sehr sensible, und in der Außenpolitik ist es ähnlich.

"Krone": Nicht böse sein, aber was profiliert Sie für diese Funktion?
Kurz: Von "profilieren" möchte ich gar nicht sprechen. Man kann nur ganz ehrlich sagen, was man mitbringt und was nicht. Ich bringe kaum diplomatische Erfahrung mit, ich bringe aber eine starke Begeisterung mit, einen großen Gestaltungswillen und vor allem einen jungen Blickwinkel. Ich werde sicher die eine oder andere neue Idee in meine Arbeit einfließen lassen, vielleicht auch die eine oder andere unkonventionelle Herangehensweise.

"Krone": Trauen Sie sich demnach alles zu?
Kurz: Nein, überhaupt nicht. Ich habe aber in den letzten Jahren zahlreiche internationale Termine im In- und Ausland absolviert und bin von den Beamten hier im Ministerium immer großartig vorbereitet und begleitet worden. Da gibt es hochprofessionelle Diplomaten, die mich mit geballtem Wissen und viel Erfahrung unterstützen. Wenn es mir gelingt, dieses Wissen zu nutzen und gleichzeitig meine Energie einzubringen, dann kann das eine gute Kombination sein.

"Krone": Glauben Sie wirklich, dass der gesamte Beamtenapparat hinter Ihnen steht?
Kurz: Vielleicht hat der eine oder andere sich auch seinen Teil gedacht, das ist ja menschlich und auch legitim. Vorbehalte sind aber nicht nur eine Frage des Alters... Ich habe mich immer unterstützt gefühlt und wünsche mir diese Unterstützung auch für meine neue Rolle.

"Krone": Haben Sie sich gefreut, dass Ihnen der Herr Bundespräsident im "Krone"- Sonntagsinterview einen Vertrauensvorschuss attestiert hat?
Kurz: Sehr. Immerhin ist er der oberste Repräsentant dieses Landes. Er hat seine außenpolitischen Aufgaben, ich habe meine. Ich bin sicher, dass wir professionell zusammenarbeiten, werde aber durchaus ergänzend meine eigenen Schwerpunkte einbringen.

"Krone": Apropos "ergänzend": Sie sind ja auch weiterhin für Integration zuständig. Was machen Sie nebenbei, den Außenminister oder die Integration?
Kurz: Ich mache gar nichts nebenbei, ich werde einen ordentlichen Bogen zwischen diesen Themen spannen. Integration, Europa und äußere Angelegenheiten, das passt sehr gut zusammen. Integration bedeutet zunächst, dass Neuzuwanderer schon im Herkunftsland die deutsche Sprache lernen, dass sie sich schon bei der österreichischen Botschaft im Ausland mit den österreichischen Werten auseinandersetzen sollen. Da ist vor allem der Westbalkan eine entscheidende Region. Dort sind wir wirtschaftlich sehr erfolgreich und wir haben in Österreich viele Menschen mit Migrationshintergrund aus dieser Region. Da gibt es also viele Synergien.

"Krone": Zuletzt hat sich Österreich im Ausland eher blamiert, etwa durch die Nichtanwesenheit bei den Trauerfeierlichkeiten für Nelson Mandela. Wäre Ihnen so was auch passiert?
Kurz: Der Bundespräsident hat einen wichtigen Termin wahrgenommen, der zeitgleich stattgefunden hat. So etwas kommt vor. Ich habe mich gestern bemüht, als erste Amtshandlung meine Wertschätzung für Nelson Mandela zum Ausdruck zu bringen, indem ich mich in das Kondolenzbuch an der südafrikanischen Botschaft eingetragen habe.

"Krone": Das war jetzt keine Antwort auf die Frage.
Kurz: Auf eine Was- wäre- wenn- Frage kann man schwer antworten.

"Krone": Eine der großen außenpolitischen Fragen lautet: Was will Österreich in der Welt? Wie würden Sie diese Frage beantworten?
Kurz: Wir sind keine Supermacht und wir müssen auch keine Staatsverträge mehr aushandeln, aber wir sind sehr wohl ein Land, das Schwerpunkte setzen kann. Etwa indem wir Nachbarländer, wie das jüngste EU- Mitgliedsland Kroatien, auf dem Weg in die Europäische Union begleiten. Ich möchte drei Schwerpunkte setzen: Erstens das Ministerium noch mehr als bisher zu einer Servicestelle für alle 500.000 Auslandsösterreicher machen. Zweitens Österreich noch mehr zu einem aktiven Teilhaber der europäischen Union werden lassen. Und drittens: Ein modernes, weltoffenes Bild Österreichs im Ausland vermitteln. Ich glaube, das ist in einer globalisierten Welt ganz entscheidend.

"Krone": Wofür steht Österreich?
Kurz: Ich glaube, Österreich wird sehr viel Sympathie von der Welt entgegengebracht, wir werden als Land kulturell sehr hoch geschätzt, und wenn wir es schaffen, neben der großen Geschichte auch das moderne Österreich zu präsentieren, dann kann es spannend werden.

"Krone": Wie gewinnt man das Vertrauen der Menschen in die EU zurück?
Kurz: Durch viel Ehrlichkeit! Ich sehe da eine gewisse Parallele zum Integrationsthema. Auch beim Thema EU gibt es zwei Gruppen, die Hetzer und die Träumer. In beiden Bereichen - Integration und EU - muss man Probleme offen ansprechen. Nur wenn man diese Ehrlichkeit aufbringt, kann man wieder Begeisterung schaffen.

"Krone": Wie wird Österreichs Haltung zum Machtkampf in der Ukraine sein?
Kurz: Ich werde das mit meinen Spitzenbeamten noch ausführlich besprechen. Aber ich glaube, der logische Weg ist der: Dass es für die Ukraine möglich sein muss, starke regionale Partner zu haben und gleichzeitig eine Annäherung an Europa vorzunehmen. Das ist aufgrund der geographischen Lage naheliegend und wirtschaftlich sinnvoll, ich sehe da überhaupt keinen Widerspruch. Die Frage wird nur sein, wie lange die Lösung dauert.

"Krone": Werden Sie Vitali Klitschko treffen?
Kurz: Als erstes werde ich natürlich mit meinen Amtskollegen in den Nachbarländern Kontakt aufnehmen. Einige haben auch mich schon kontaktiert: Der schwedische Außenminister auf Twitter, UN- Genralsekretär Ban Ki Moon hat mir telefonisch gratuliert. Viele haben versucht, mich zu erreichen, die werde ich möglichst schnell zurückrufen.

"Krone": Vor welchem Treffen macht sich am meisten Nervosität breit?
Kurz: Besonders viel Respekt hatte ich immer, wenn ich mit Religionsführern gesprochen habe. Zum Beispiel mit dem ehemaligen Papst.

"Krone": Wie viele Sprachen sprechen Sie?
Kurz: Neben Deutsch noch Englisch und Französisch. Wobei ich mein Französisch etwas auffrischen sollte.

"Krone": Sprechen Sie auch die Sprache der Diplomatie?
Kurz: Ich bin ein sachlicher und ein höflicher Mensch, trotzdem gibt es da für mich noch viel zu lernen... Auch was das Protokoll angeht, gibt es Gott sei Dank hier im Haus viele, die das perfekt beherrschen. Es wäre anmaßend zu glauben, ich könnte das jetzt schnell nachholen.

"Krone": Werden Sie sich mal mit dem Brockhaus hinsetzen und Geografie studieren?
Kurz: Nein... (lacht) Ich habe mich aber gleich am Donnerstag nach dem Parteivorstand mit dem Generalsekretär des Außenministeriums zusammengesetzt, um mich vorzubereiten und einzuarbeiten. Das ging von 23 Uhr bis 2 Uhr morgens.

"Krone": Herr Kurz, Ihr Markenzeichen war bisher, dass Sie KEINE Krawatte tragen. Warum haben Sie sich am Montag doch eine umgebunden?
Kurz: Ich habe schon in der Vergangenheit bei Auslandsreisen Krawatte getragen. Das ist auch passend. In Österreich werde ich weiterhin so unterwegs sein, wie ich mich persönlich wohl fühle.

"Krone": Mussten Sie sich für den Job als Außenminister ein paar Krawatten anschaffen?
Kurz: Nachdem ich bei meiner letzten Angelobung als Staatssekretär keine Krawatte getragen habe, können Sie sich vorstellen, was danach los war. Zahlreiche Freunde und Parteikollegen haben mich mit dem kreativsten aller Geschenke ausgestattet... Ich habe in diesen zweieinhalb Jahren so viele Krawatten bekommen, dass sie für mehrere Leben reichen.

"Krone": Sind alle so schlicht wie die heutige oder gibt es auch lustige, gewagte, bunte?
Kurz: Lassen Sie sich überraschen...

Seine Karriere

Geboren als Einzelkind am 27.8.1986 in Wien. Mutter Lehrerin, Vater Techniker. Matura mit Auszeichnung, Jus- Studium ab 2005 (hat Kurz ruhend gestellt). 2007 wird er Landesobmann der Jungen ÖVP Wien, 2008 Bundesobmann, im April 2011 Staatssekretär für Integration. Am vergangenen Montag ernennt ihn Bundespräsident Heinz Fischer zum Außen- und Integrationsminister der neuen Regierung. Privat lebt Kurz mit der Wirtschaftspädagogin Susanne zusammen.

17.12.2013, 16:00
Conny Bischofberger, Kronen Zeitung
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