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05.12.2016 - 04:06

Sind Sie ein Sparefroh, Herr Schelling?

13.09.2014, 19:51
Macho? Eitel? Der neue Finanzminister Hans Jörg Schelling (60) bestreitet das. Mit Conny Bischofberger spricht er über Geld, Risiko und seine alemannische Seele.

Johannesgasse 5, ehemaliges Palais Questenberg- Kaunitz. Hans Jörg Schelling scheint sich im fürstlichen Ambiente des Finanzministeriums mit seinen prachtvollen Deckenfresken schon pudelwohl zu fühlen. "Kommen Sie!" ruft er und bittet uns in ein Besucherzimmer, von dem eine Flügeltür in sein Büro führt. Der 1,91 Meter große Schnurrbartträger mit den dunkelbraunen Augen nimmt im hellen Ledersessel Platz. Das frische Pink seiner Krawatte – irgendwie erinnert es an die NEOS - findet sich im Pastellbild hinter ihm und in den Farben des Rosenstraußes auf dem Glastisch wieder. So als hätte eine unsichtbare Hand das alles arrangiert.

Hans Jörg Schelling im "Wort-Duell" mit Conny Bischofberger
Foto: Kristian Bissuti

Hier gibt's fünf Hörproben von Hans Jörg Schelling: über die Steuerreform , über Vorteile und Nachteile , über die Familie Putz , über seine Kindheit  und über Diskonte und Spritpreis .

Im Gespräch über seine ersten beiden Wochen als Finanzminister, die steile Karriere in der Möbelbranche und sein Verhältnis zu Luxus und Geld lässt er das Vorarlberger "R" so richtig rollen. Manchmal geht sein Temperament mit ihm durch; dann wirft er mit den Händen um sich und seine Krawatte sitzt bald ganz schief.

"Krone": Herr Minister, Sie sind Millionär und könnten Ihre Pension genießen. Warum tun Sie sich das an?
Hans Jörg Schelling: Nachdem ich die Pensionen selbst mitverhandelt hab', muss ich schon darauf achten, dass nicht gerade ich ein schlechtes Beispiel wäre. (lacht) Ich bin 60, also hab' ich noch fünf Jahre Zeit. Nein, im Ernst: Für mich ist das eine Riesen- Herausforderung. Man kann nicht immer nur von außen kritisieren, was falsch läuft und dann nicht bereit sein, von innen Veränderungen herbeizuführen.

"Krone": Lieben Sie Herausforderungen umso mehr, je größer sie sind?
Schelling: Ja, das kommt hin. Mir war schon als junger Bub - als Vorarlberger, was macht man da? Skifahren! - die steilste Piste gerade recht. Auch wenn es einen einmal in den Schnee hineingewuzelt hat, muss man sich schnell aufrappeln und die Abfahrt fortsetzen. Dieses Bild begleitet mich.

"Krone": Dann ist das Finanzministerium sozusagen die Streif...
Schelling: Das wird sicher nicht leicht. Ich glaube aber, ich komme da ohne blaue Flecken raus.

"Krone": Woran wird man Sie messen?
Schelling: Ich bin jemand, der klare Ansagen macht. Daran möchte ich auch gemessen werden. Also: Konsolidierung des Budgets, Entlastung der Steuerzahler, Wachstum und Beschäftigung.

"Krone": Und wenn Sie scheitern?
Schelling: Als ich in der Privatwirtschaft gesagt habe: Wir haben die Kraft, die Nummer eins zu werden - obwohl die damalige Nummer eins fünfmal so groß war - haben sich auch viele gefragt: ist der nicht ein bisschen vorlaut? Ich hätte auch scheitern können. Meine Mutter, sie ist leider schon verstorben, hat mir da einen sehr bedeutsamen Spruch mit auf den Weg gegeben: Es gibt keinen Vorteil ohne Nachteil. Aber auch keinen Nachteil ohne Vorteil. Wer erfolgreich sein will, muss im Nachteil den Vorteil erkennen.

"Krone": Seit Sie mit XXXLutz Ihren ehemaligen Arbeitgeber Leiner übertrumpft haben, gelten Sie als genialer Marketing- Experte - auch in eigener Sache. Wie werden Sie sich selbst positionieren?
Schelling: Als Finanzminister, der den Steuerzahlern verpflichtet ist, die müssen verstehen, was ich sage und was ich tue. Deshalb halte ich überhaupt nichts von diesen gekünstelten Ausdrucksweisen. Und auch nichts von Genies, die sich nicht ausdrücken können.

"Krone": Aber Ihr Lieblingswort ist "prozessorientiert"...?
Schelling: Dazu komme ich gleich. - Was ist der Grundbegriff des Marketings? Es orientiert sich an den Bedürfnissen des Marktes, der Menschen, nicht mehr und nicht weniger. Warum ich "prozessorientiert" verwende, das würde zu lange dauern, so viel Platz haben Sie gar nicht.

"Krone": Gefällt Ihnen die Bezeichnung XXL- Minister?
Schelling: Besser als Miniminister, oder? Warum soll ich an diesem Image etwas Schlechtes sehen?

"Krone": Sind Sie ein typischer Vorarlberger?
Schelling: Die Vorarlberger haben ja diese "Zack, zack, so ist es und fertig"- Struktur. Zwei und zwei ist vier. In Wien wird manchmal drüber diskutiert, und dann kommt am Ende 3,9 heraus. So gesehen bin ich durchaus ein echter Vorarlberger.

"Krone": Sind Sie auch ein Sparefroh?
Schelling: Ich bin in meinem Herzen ein Kaufmann. Ganz Österreich verhält sich kaufmännisch, nur die Politik nicht. Jeder Mensch, der in Österreich ein Haus baut, überlegt sich, wie er so rasch wie möglich die Schulden zurückzahlen kann. Gib ein bisschen weniger aus als du einnimmst! Das ist ein ganz normales kaufmännisches Verhalten, das habe ich immer schon gehabt. Meine Mutter hat mich auch zu enormer Sparsamkeit erzogen. Manchmal nervt das auch schon meine Frau...

"Krone": Was genau?
Schelling: Ich koche sehr gerne und kaufe die Zutaten persönlich ein. Man sieht mich öfter in Diskontmärkten, die ja sehr gute Qualität zu günstigen Preisen haben. Und wenn ich mit dem Privatauto unterwegs bin und der Tank wird leer, dann habe ich auf dem Handy den Spritpreisrechner.

"Krone": Wirklich wahr?
Schelling: Ja, ich fahre nicht zu irgendeiner Tankstelle, sondern zur günstigsten. Meine Frau lacht schon drüber. Aber ich habe ihr gesagt: Den Spaß machen wir uns.

"Krone": Notwendig hätten Sie es ja nicht. Wievielfacher Millionär sind Sie denn nun?
Schelling: Meine Millionen gehören einer Stiftung. Privat muss ich dieses Kapital nicht angreifen, da lebe ich ohne großen Luxus, einfachst eigentlich.

"Krone": Können Sie nachvollziehen, wie es einer Mindestpensionistin geht?
Schelling: Ja, das kann ich sehr wohl nachvollziehen, weil ich aus bürgerlichen, einfachen Verhältnissen komme. Mein Vater war Volksschullehrer, die Mutter Krankenschwester. Meine Eltern haben trotz Doppeleinkommen ein Leben lang den Kredit für das Haus zurückbezahlt, das sie gebaut haben. Sie haben sich alles abgespart, damit wir Kinder studieren konnten. Ich habe während meiner Studienzeit auch immer gearbeitet - als Portier, Dachdecker, Tankwart, um mir das Geld zu verdienen. Daher verstehe ich, wie schwer es ist , mit dem Geld auszukommen. Auch wenn es aus heutiger Sicher vielleicht nicht so aussieht.

"Krone": Wie viel Geld tragen Sie momentan bei sich?
Schelling: (zieht ein braunes Lederbörserl aus der Hosentasche und zählt nach) So 240 Euro. Und wenn es weg ist, hole ich mir halt wieder was vom Bankomaten.

"Krone": Wofür geben Sie am meisten Geld aus?
Schelling: Privat sicher fürs Kochen.

"Krone": Ihr Markenzeichen ist der Bart. Wie nennen sie ihn?
Schelling: Schnauzer. Meine Frau sagt "Schnurrbart".

"Krone": Hat es Sie nie gestört, dass Oberlippenbärte einen schlechten Ruf als Accessoire für Proleten haben?
Schelling: Kann auch sein, kann auch sein… Andererseits hat Albert Einstein so einen Bart getragen. Ich habe ihn jetzt seit 40 Jahren und es gab nur vier Wochen, wo ich keinen hatte. Dann hab' ich ihn wieder wachsen lassen.

"Krone": Es heißt, Männer mit Bart hätten etwas zu verbergen.
Schelling: Mit Vollbart. Die entstellen das Gesicht, aber bei mir sieht man ja das ganze Gesicht. Ich glaube, das ist so ein Blödsinn wie der Spruch, dass man zu dunklem Fleisch Rotwein und zu Fisch Weißwein trinkt.

"Krone": Herr Schelling, die Grande Dame der österreichischen Innenpolitik- Kommentatoren, Anneliese Rohrer, hat erklärt, Sie seien ein Macho. Hat sie Recht?
Schelling: Sie hat natürlich nicht recht. Da können Sie alle meine Freunde befragen. Sie würden viele Argumente finden, dass die Frau Rohrer einmal mehr nicht Recht hat.

"Krone": Aber als kleiner Bub haben Sie die Küchendienste an die Schwestern delegiert!
Schelling: Das stimmt. Ich habe dafür aber bezahlt. Bei uns konnte man sich zum Namenstag aussuchen, ob man fünf Schillinge will oder eine Fünf- Schilling- Schokolade. Ich habe die Schilinge genommen und hab' einen hergegeben, wenn mir die Schwester den Abwaschdienst übernommen hat. Das Abwaschen war mir zutiefst zuwider. Warum? Ich habe schon damals leidenschaftlich gerne gekocht.

"Krone": Waschen Sie heute manchmal ab?
Schelling: Heute haben wir einen Geschirrspüler. (grinst) Aber manchmal räume ich den auch ein.

"Krone": Stimmt es eigentlich, dass Sie die nervige Familie Putz erfunden haben?
Schelling: Gemeinsam mit Herrn Demner, ja. Wir wollten so rasch wie möglich unseren Bekanntheitsgrad erhöhen, weil unser Gegner war ja übermächtig und viel reicher als wir. Damals sind gerade die "Daily Soaps" auf den Markt gekommen. Also haben wir unsere eigene "Daily Soap" erfunden. Mit der verstorbenen Frau Putz war ich sogar auf dem Opernball.

"Krone": Sind Sie eitel?
Schelling: Nicht besonders. Ich achte schon darauf, dass ich in einem fotografierbaren Stil dasitze. Aber ich habe mir nie Gedanken gemacht, ob ich eine Schokoladenseite habe… Ich kann nur sagen, ich brauche in der Früh genau 20 Minuten im Badezimmer.

"Krone": Soll das wenig sein?
Schelling: Vom Zähneputzen über Duschen bis zum Rasieren und Haare fönen ist das wenig. Ich kann mich erinnern, dass ich früher schon einmal länger gebraucht habe. Dann bin ich mein Zeitmanagement durchgegangen, weil ich jede Minute nütze und auch am Morgen schon auf Volldampf bin. Ich habe mir überlegt, wie viel Zeit ich im Badezimmer sparen könnte. Diese zehn Minuten kann ich jetzt länger liegen bleiben oder früher wegfahren.

Seine Karriere

Geboren am 27. Dezember 1953 in Hohenems. BWL- Studium an der Uni Linz, Manager bei Kika- Leiner und Möbel Lutz, Vizepräsident der Wirtschaftskammer und Aufsichtsrat bei Palmers, der Telekom Austria und der Österreichischen Post AG. Von 2007 bis 2008 ist er Abgeordneter der ÖVP im Nationalrat. 2008 wird der Vorarlberger Obmann der AUVA, 2009 übernimmt er den Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger. Im August folgt er Spindelegger als Finanzminister nach. In zweiter Ehe verheiratet mit Ursula, zwei Töchter (Katharina und Julia).

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Conny Bischofberger, Kronen Zeitung
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