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03.12.2016 - 23:44

Kulterer: "Man wollte Geständnis von mir erzwingen"

27.02.2013, 08:59
Nach den Schuldsprüchen im Styrian-Spirit-Prozess hat die "Krone" Wolfgang Kulterer - er wurde zusammen mit Gert Xander am 8. Februar nicht rechtskräftig zu zweieinhalb Jahren verurteilt - zum Interview gebeten. Der ehemaligen Hypo-Manager pfeift nun aber auf noble Zurückhaltung und rechnet ab: mit der Politik, die ihn als Sündenbock für Jörg Haider benütze, mit den Gerichten und der Polizei.

"Krone": Drei Hypo- Prozesse, zwei nicht rechtskräftige Verurteilungen: Sie waren der "Mr. Hypo", jetzt sehen Sie sich aber als Stellvertreter für den verstorbenen Jörg Haider vor Gericht sitzen. Das klingt schon etwas nach Verfolgungswahn.
Wolfgang Kulterer: Das Thema Haider schwebt über allem. Schon bei der Verstaatlichung der Hypo 2009 war das große politische Ziel die Endabrechnung mit der Haider- Zeit. Es wäre wirklich gescheiter, mit einer Haider- Maske im Gerichtssaal zu sitzen. Das würde die Aggressivität, die mir dort entgegenschlägt, wenigstens erklären.

"Krone": Warum vermuten Sie, dass man ausgerechnet Sie als Sündenbock für Haider auserkoren hat?
Kulterer: Wen gibt es denn sonst, der einen Namen hat? Was gab es denn sonst 2006 für Persönlichkeiten in dem Land und rund um die Bank? Nur Haider und mich. Die Politiker waren Mitläufer und haben sich schon längst verabschiedet.

"Krone": Die Hypo und Sie sind Dauergäste bei Gericht.
Kulterer: Wir reden in diesem Land nicht über Gerechtigkeit, sondern aus meiner Sicht über politisch gefärbte Verfahren, wo Dinge mitspielen, die mit dem Rechtsstaat nichts zu tun haben.

"Krone": Erklären Sie das bitte.
Kulterer: Persönliche Emotionen, politischer Druck. Ein Freispruch für Kulterer darf nicht sein, wir brauchen ein Opferlamm. Da sind wir wieder bei Haider: Den gibt's nicht mehr, also nehmen wir den Kulterer an seiner Stelle.

"Krone": Und Sie glauben, dass Sie deswegen 2010 auch verhaftet worden sind?
Kulterer: Inzwischen weiß ich, dass die damalige Justizministerin Bandion- Ortner eine Art Weisung erteilt hat: "Verhaftet's endlich den Kulterer, damit der mediale Druck bei der Hypo- Geschichte weg ist!" Damals wollte man ein Geständnis von mir erzwingen.

"Krone": Ein schwerer Vorwurf!
Kulterer: Ich war 48 Stunden in einer Zelle eingesperrt, in der es kein Tageslicht gab, kein Fließwasser, kein Möbelstück, nur eine Gummimatte. Ich hatte kein Zeitgefühl mehr, wurde fünf, sechs Stunden einvernommen und dann wieder in die Zelle zurückgeschickt. Ich konnte mich nicht waschen, nicht duschen. In jedem Eck der Zelle ist eine Videokamera, mit der man überwacht wird. Man hat versucht, mich so unter Druck zu setzen, damit ich irgendein Geständnis ablege. Ich weiß bis heute nicht, was ich hätte gestehen sollen.

"Krone": Damals wurde kolportiert, Sie würden die Zelle mit dem Finanzjongleur Wolfgang Auer- Welsbach teilen?
Kulterer: Stimmt überhaupt nicht. Ich war die ersten 48 Stunden im Polizeianhaltezentrum in Klagenfurt. In der übelsten Zelle, die sonst nur Schwerstverbrechern, Raubmördern und Drogendealern vorbehalten ist.

"Krone": Was hat man Ihnen denn konkret vorgeworfen?
Kulterer: Man hat immer wieder versucht, die Zeit vor 2006 zu kriminalisieren, als ich noch für die Bank verantwortlich war. Die großen Fehler sind aber danach passiert. Das kann man im Gutachten von Fritz Kleiner nachlesen. Aber über dieses Gutachten wird ebenso wenig geredet wie über die Verurteilung Österreichs durch die Europäische Kommission wegen verbotener Beihilfe zur Sanierung der Bayerischen Landesbank.

"Krone": Sie meinen damit die Verstaatlichung?
Kulterer: Es gab damals ein großes politisches Interesse, dass die Hypo vom Markt verschwinden soll. Dafür ist man ein enormes Risiko eingegangen, das die Steuerzahler bis zu fünf Milliarden Euro kosten kann.

"Krone": Ist das nicht überzogen, dass sich Finanzministerium, Nationalbank und Finanzmarktaufsicht zusammentun, um die Hypo weg zu bekommen?
Kulterer: Die Verstaatlichung war der größte Kriminalakt der Zweiten Republik und ein wirtschaftlicher Skandal. Wenn die Vertreter des österreichischen Staates, angefangen beim damaligen Finanzminister Pröll, die Verstaatlichung einer im Eigentum des bayerischen Landes stehenden Bank durchführen und ein Risiko von fünf Milliarden Euro übernehmen, um die Bayern zu decken – da muss man sich fragen: Was war die Antriebsfeder dafür?

"Krone": Die Sorge vor dem Konkurs der Bank und dem Schlagendwerden der Milliarden- Haftung des Landes.
Kulterer: Die Hypo wäre nie in Konkurs gegangen, nie! Das hätte sich Bayern nie leisten können. In so einem Fall wäre das Geld der Bayern in der Hypo zu Eigenkapital geworden und die Bank hätte einen super Status gehabt. Und zur Lüge wegen der Landeshaftungen: Dieses Schreckgespenst wurde nur aufgebaut, um irgendwie die Verstaatlichung zu rechtfertigen.

27.02.2013, 08:59
Waltraud Dengel, Kronen Zeitung
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