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05.12.2016 - 15:34

"Das Bundesheer war eine unnötige Zeit für mich"

19.12.2012, 17:01
Genau einen Monat vor der Volksbefragung zur Wehrpflicht spricht Sozialminister Rudolf Hundstorfer (61) mit Conny Bischofberger über das freiwillige Sozialjahr, den Salzburger Finanzskandal und seine Empfehlungen für Gabi Burgstaller.

In seinem Ministerium am Wiener Stubenring 1 laufen gerade die Vorbereitungen für eine Weihnachtsfeier. Ob sich deshalb auf Rudolf Hundstorfers dunkelblauer Krawatte an diesem Tag Hush- Puppys mit roten Weihnachtsmann- Mützen tummeln?

Der Minister, von dem man wenig Persönliches weiß ("Ich möchte mein Privatleben einigermaßen reservat halten"), hat an einem langen Tisch aus Nussbaumholz Platz genommen. Die kahlen Fenster geben den Blick auf den roten Backsteinbau des Museums für Angewandte Kunst frei.

Die weißen Kerzen des Adventkranzes sind noch immer unbenutzt. "Brandgefahr viel zu hoch", kommentiert Hundstorfer trocken. Weihnachtliche Gefühle halten sich bei ihm in Grenzen. Ähnlich nüchtern legt er sein Konzept für ein freiwilliges Sozialjahr dar. Als Sozialminister ist er für jenes heikle Thema zuständig, das mit der Volksbefragung zur Wehrpflicht untrennbar verbunden ist: den Zivildienst.

"Krone": Herr Minister, alle Umfragen sprechen dagegen, dass am 20. Jänner die Wehrpflicht abgeschafft wird. Was sagt Ihr Gefühl?
Rudolf Hundstorfer: Ich bin Optimist, glaube aber, dass es sehr, sehr knapp FÜR ein Berufsheer ausgehen wird. Nicht zuletzt deshalb, weil wir für den Zivildienst eine nachvollziehbare, schlüssige Alternative haben.

"Krone": Ihr freiwilliges Sozialjahr wird ja sehr gelobt, aber ist dieses Konzept nicht viel zu spät gekommen?
Hundstorfer: Den Grundstein dafür habe ich ja schon vor eineinhalb Jahren präsentiert. Dann ist die Debatte verebbt. Seitdem feststeht, dass die Befragung kommt, haben wir unser Konzept Schritt für Schritt verfeinert. Wir schaffen damit Arbeitsplätze im Gesundheitsbereich und animieren junge Menschen – Männer wie Frauen – zu einem freiwilligen, bezahlten Sozialdienst.

"Krone": Wie will Ihre Partei diese jungen Menschen jetzt für die Befragung mobilisieren?
Hundstorfer: Das macht das Komitee "Unser Heer". Mit diversen Spots, Informationsveranstaltungen und natürlich über diverse soziale Netzwerke. Wenn es möglich ist, innerhalb weniger Stunden ein paar Tausend Leut' über Facebook zu einer Party zu locken, dann wird es uns doch auch gelingen, sie für die Volksbefragung zu mobilisieren.

"Krone": Wünschen Sie sich eine hohe Wahlbeteiligung?
Hundstorfer: Ich wünsche mir eine repräsentative Beteiligung, weil es hier um etwas sehr Grundlegendes geht. Obwohl uns eine niedrige eher helfen würde.

Hier gibt's drei Audio- Ausschnitte vom Interview mit Rudolf Hundstorfer: Clip 1  (über eine mögliche SPÖ- "Niederlage" bei der Volksbefragung), Clip 2  (über die ÖVP- Position zum Thema Bundesheer) und Clip 3  (über den Salzburger Finanzskandal).

"Krone": In einem Satz -warum soll die Wehrpflicht abgeschafft werden?
Hundstorfer: Weil wir Landesverteidigung und Katastrophenschutz auch mit einem Freiwilligenheer sicherstellen können – ohne jungen Männern sechs Monate ihres Lebens abzuziehen.

"Krone": Sie sagen "abzuziehen" - warum nicht "zu stehlen"?
Hundstorfer: Ich versuche, mich vorsichtig auszudrücken (denkt nach). Ich war ja auch beim Bundesheer, es war eine unnötige Zeit für mich. Von neun Monaten bin ich acht in Kanzleien herumgesessen, um irgendwelche Protokollbücher zu führen.

"Krone": Warum ist die ÖVP mit ihrem Komitee besser unterwegs?
Hundstorfer: Weil sie nur kommunizieren muss: Alles ist gut, so wie es ist. Das stimmt aber nicht. Ob wir es wollen oder nicht: Demographisch gesehen müssen wir mit weniger Jugend rechnen in Zukunft, und die wird uns dann fehlen – bei den Präsenzdienern und beim Zivildienst.

"Krone": Wie geschwächt ist Minister Darabos, wenn die Befragung pro Wehrpflicht ausgeht?
Hundstorfer: Überhaupt nicht geschwächt. Im Bundesheer haben wir Handlungsbedarf. Da müssen viele Herren des Militärs umdenken. Die können dann nicht mehr argumentieren, dass sie die Präsenzdiener fürs Rasenmähen brauchen.

"Krone": Und wie geschwächt wären Sie?
Hundstorfer: Wenn der soziale Aspekt nicht im Sinne meines Vorschlages ausgeht, wird meine Welt nicht untergehen. Man wird das Konzept dann spätestens 2016 wieder aus der Schublade holen. In Deutschland haben die sogenannten Bufdis (Bundesfreiwilligendienst, Anm.) sogar eine Warteliste, obwohl es nur eine kleine Entschädigung von 350 Euro gibt. Bei uns werden alle – von 18 bis zum Pensionsantrittsalter – 1.380 Euro verdienen.

"Krone": Und gibt es auch die Ausbildungsplätze im sozialen Bereich dafür?
Hundstorfer: Das ist das geringste Problem. Der Sozial- und Gesundheitsbereich ist der am stärksten wachsende Sektor der Zukunft.

"Krone": Ärgern Sie sich, dass Ihre Gegenspielerin Johanna Mikl- Leitner – Sie nennen sie ja Johanna – mit dem Argument durchkommt, dass die Rettung nicht mehr kommen werde, wenn der Zivildienst abgeschafft wird?
Hundstorfer: Aber sie kommt ja nicht wirklich durch damit. Sie kommt mit ihrem Zugang nur durch, weil die Menschen die Angst vor Veränderung überwinden müssen. Wobei Mikl- Leitners Zugang eigentlich einzig "Bewahren" heißt, und das ist ehrlich gesagt zu wenig für die Anforderungen der Zukunft.

"Krone": Ganz ehrlich: Können Sie dieses Match noch gewinnen?
Hundstorfer: Ich bin zutiefst überzeugt davon. Dass es keine "g'mahte Wiesn" ist, das wissen wir. Ich denke aber schon darüber nach, ob unser Zugang stimmt, ob die Argumente passen. Auch wenn man schon länger im Geschäft ist, gibt es da noch ein bisserl ein Kribbeln.

"Krone": Herr Minister, wie weh tut Ihnen das, was momentan in Salzburg passiert? Sie hatten als ÖGB- Präsident im Zusammenhang mit der BAWAG- Affäre ja auch einen Finanzschock zu verkraften.
Hundstorfer: Das tut mir ziemlich weh, weil mit Steuergeld einfach nicht spekuliert werden darf. Es wird Monate, wahrscheinlich Jahre dauern, bis das vollständig aufgeklärt ist, wovon alle in der Salzburger Landesregierung gewusst haben. Damit meine ich auch die ÖVP. Denn unter der ÖVP hat das Ganze ja begonnen.

"Krone": Gehören Sie zu jenen Ministern, die die Landeshauptfrau aufgefordert haben durchzuhalten?
Hundstorfer: Ja. Ich habe sie ermuntert, dass sie bleibt.

"Krone": Welchen Tipp geben Sie Gabi Burgstaller?
Hundstorfer: Transparenz und Offenheit. Und die raschestmögliche Rückführung all dieser Geschäfte. Das ist die einzige Chance, um aus dem Schlamassel herauszukommen. Ich glaube, Gabi Burgstaller hat so viel Rückhalt in der Bevölkerung, dass sie das schaffen wird.

"Krone": Wie haben Sie ihre Tränen empfunden?
Hundstorfer: Das möchte ich nicht kommentieren. Aber ihre Entschuldigung war schon okay.

"Krone": Finanzminister Maria Fekter hat ihr mit einer "Troika" gedroht. Wie fanden Sie das?
Hundstorfer: Das war billiges politisches Kleingeld. Das Aufräumen ist ja schon eingeleitet, die Korruptionsstaatsanwaltschaft hat Hunderte Unterlagen zu sich genommen. Da brauchen wir sicher nicht die Frau Fekter dazu. Wirklich nicht.

"Krone": Sie gelten in der SPÖ seit Jahren als eine Art "Geheimwaffe". Wie gehen Sie mit dieser Rolle um?
Hundstorfer: Man lernt damit zu leben (lacht).

"Krone": Bundespräsident, Bundeskanzler, Bürgermeister: Was würde Sie am meisten reizen?
Hundstorfer: Ich möchte so lange wie möglich Sozialminister bleiben. Ehrlich gesagt am liebsten als solcher in Pension gehen.

"Krone": Was bedeutet Ihnen Weihnachten?
Hundstorfer: Einerseits doch ein gewisses Innehalten... Andererseits ist Weihnachten für mich auch ein Arbeitstag. Als ehemaliger Vorsitzender der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten besuche ich seit 20 Jahren eine frühere Dienststelle von mir, das AKH. Dann bin ich bei "Licht ins Dunkel", um ein bisschen zu telefonieren. Auch Rettung oder Feuerwehr stehen noch auf dem Programm.

"Krone": Gibt es eine prägende Erinnerung aus Ihrer Kindheit?
Hundstorfer: Ja, aber die hat nichts mit Weihnachten zu tun. Sondern mit dem Unfallkrankenhaus Meidling. Dort war ich Stammgast. Ich war dauernd verletzt. Hundebisse, Knochenbrüche, Abschürfungen. Ich muss ein ziemlich lebendiges Kind gewesen sein.

Patchwork- Vater

Geboren am 19. September 1951 in Wien. Der gelernte Kanzleibedienstete beim Magistrat der Stadt Wien hat eine langjährige Gewerkschafts- Karriere hinter sich (Gemeindebedienstete, Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter). 2006 folgt er Fritz Verzetnitsch als Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes nach. Der ÖGB muss 1,53 Milliarden Euro Schulden von der BAWAG verkraften. Minister für Soziales, Arbeit und Konsumentenschutz seit Dezember 2008. Privat ist Hundstorfer Vater einer heute 38- jährigen Tochter und seit zehn Jahren mit der zweifachen Mutter Karin Risser verheiratet. Es ist seine dritte Ehe (seine erste Frau heiratete er zwei Mal).

19.12.2012, 17:01
Conny Bischofberger, Kronen Zeitung
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