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26.09.2017 - 11:47
Foto: APA/HERBERT NEUBAUER

Androsch: "Diese Sauerei muss man abstellen"

08.09.2012, 17:35

Volksbegehren Schule, Promi- Komitee Berufsheer: Hannes Androsch (74) gibt keine Ruhe. Im "Krone"- Interview mit Conny Bischofberger erklärt er seine politischen und privaten Gründe.

Die ÖVP hatte sich gegen sein Bildungsvolksbegehren ausgesprochen (nur 6,07 Prozent der Parteisympathisanten unterzeichneten), nun macht Hannes Androsch mit einem ehemaligen ÖVP- Politiker neuen Druck: "Andreas Salcher kämpft wie ich gegen die Widerstände einiger Machtgruppierungen in diesem Land. Diesen Kampf tragen wir ab sofort gemeinsam aus", meldet sich der Industrielle aus Kroatien zu Wort. Er sitze auf seiner Terrasse in Mali Lošinj und blicke hinaus aufs Meer. "Nach drei Wochen Urlaub ist man vielleicht ein wenig friedlicher in seiner Wortwahl", lacht er. Aber in der Sache nicht weniger deutlich.

Was Androsch und Salcher gemeinsam ausgeheckt haben, dürfte bei der Lehrergewerkschaft für Unruhe sorgen. Die beiden wollen die Volksbefragung zur Wehrpflicht nutzen, um im gleichen Atemzug auch über das Zukunftsthema Schule abstimmen zu lassen. Auslöser der ungewöhnlichen Allianz ist Salchers neues Buch (siehe auch unten und Infobox). "Nie mehr Schule" ist eine Kampfansage an "machtverliebte Lehrergewerkschafter und ängstliche Politiker" (Zitat Andreas Salcher).

Hier gibt's drei Hörproben von Hannes Androsch: Clip 1  (zum Volksbegehren), Clip 2  (zum Thema Frank Stronach) und Clip 3  (zum Thema Wehrpflicht)!

Im Interview spricht Androsch auch über seine privaten Gründe, sich mit 74 noch politisch zu engagieren (nicht nur für die Schulreform, sondern auch gegen die Wehrpflicht): Sein Sohn Gregor (15) und seine vier Enkelkinder spielen dabei eine wichtige Rolle.

"Krone": Herr Dr. Androsch, wer hat da bei wem angeklopft. Salcher bei Ihnen oder Sie bei Salcher?
Hannes Androsch: Ich habe ihm zu seinem neuen Buch gratuliert. Als Mitinitiator des Bildungsvolksbegehrens hat mich seine Streitschrift mit großer Freude erfüllt. Also habe ich Salcher zum Vernetzungstreffen eingeladen.

"Krone": Warum? Er hat ja nicht einmal Ihr Bildungsvolksbegehren unterschrieben.
Androsch: Inhaltlich ist er zu 100 Prozent meiner Meinung. Er ist nur skeptisch gegenüber direkt- demokratischen Instrumenten, und das respektiere ich.

"Krone": Die Volksbefragung zur Wehrpflicht, bei der Sie sich mit Schulthemen anhängen wollen, ist aber auch so ein Instrument.
Androsch: Das Thema Bildung ist mittlerweile ins Zentrum der politischen Diskussion gerückt und hat jetzt schon eineinhalb Jahre durchgehend Aufmerksamkeit erzielt. Nur sind im Parlament wieder keine Entscheidungen gefallen. Und da wir ohnehin schon eine Volksbefragung machen, wollen wir das gleich nützen, um über drängende Probleme unseres Bildungssystems abstimmen zu lassen.

"Krone": Bislang sind diese Reformen an Gewerkschaft und Parteiideologen gescheitert. Warum soll es diesmal anders sein?
Androsch: Weil der Widerstand bröckelt, siehe die Initiative des Tiroler Landeshauptmanns Günther Platter oder die Kommission für Bildung von Michael Spindelegger, auch Gaby Burgstaller und Franz Voves engagieren sich vorbildlich.

"Krone": Sind das nicht Ausnahmen?
Androsch: Es ist richtig, dass bestehende Machtgruppierungen das Land in Geiselhaft genommen haben. Und dass die Politik auf ein paar Landeshauptleute und die Lehrergewerkschaftsführung Rücksicht genommen hat. Warum, das zeigt sich am jetzt gerade bekannt gewordenen Fall einer Landesschulinspektorin, die die Direktoren aufgefordert hat, politisch alles nach dem Landeshauptmann von Niederösterreich auszurichten. Genau das ist der wunde Punkt. Diese Sauerei muss man abstellen.

"Krone": Ist die Lehrergewerkschaft Ihr beider Lieblingsfeind?
Androsch: Das sind für mich keine Feind', das sind Verhinderer.

"Krone": Eignet sich so ein komplexes Thema wie die Schulreform für eine Volksbefragung?
Androsch: Warum nicht? Die Wehrpflicht ist ja auch komplex.

"Krone": Salcher ist ehemaliger ÖVP- Politiker, Sie sind eine SP- Grande. Ist das eine Art große Koalition, die Sie da eingehen?
Androsch: Das ist ein gemeinsames Interesse, das uns verbindet, und zwar über Parteigrenzen hinweg. Salcher und ich sind im Geiste verbunden für die Bildung in diesem Land. Dass die Bildung das zentrales Zukunftsthema ist, darüber sind wir uns vollkommen einig.

"Krone": Sie sind auch der Kopf eines Personenkomitees gegen die Wehrpflicht. Wie wird diese Befragung Ihrer Meinung nach ausgehen?
Androsch: Das wird davon abhängen, wer seine Argumente besser über die Rampe bringt.

"Krone": Warum sind Sie für ein Berufsheer?
Androsch: Weil die Wehrpflicht den militärischen Anforderungen und der Militärtechnologie einfach nicht mehr entspricht. Wobei man sagen muss: Unser Heer ist besser als sein Ruf - siehe Auslandseinsätze, Pioniertruppen etc. Die nötige Professionalität ist bei einem Wehrdienst von wenigen Monaten aber einfach nicht zu gewährleisten. Das Ergebnis: 24.000 Verwaltungsbeamte für 11.000 Wehrdiener, davon sind gerade einmal 3.000 kampfeinsatzfähig. Dazu kommt das Problem des Zivildienstes, der ja auch professionalisiert gehört. Da geht es um 13.000 Leute, die zum Sozialeinsatz verpflichtet werden. Hier brauchen wir Gleichberechtigung. Also auch Frauen müssen ihren Beitrag leisten.

"Krone": Die ÖVP will das Bundesheer professionalisieren, ist das auch ein Modell?
Androsch: Nein, das zeigen internationale Vergleiche. Ob Amerika oder Deutschland, ob Frankreich oder England oder Italien: Überall ist man abgekommen von der Wehrpflicht und zu einer professionellen Freiwilligenarmee übergegangen. Der Aufwand von 24.000 Verwaltungsbeamten für das Bundesheer ist auch viel zu hoch. Die Schweizer haben 8.000 Verwaltungsbeamte. Das ist ein ineffizientes Missverhältnis. Aus diesen rationalen Gründen bin ich für das Berufsheer.

"Krone": Sie haben im Oktober 2011 in der "Krone" prophezeit, dass Österreich seinen Triple- A-Status verlieren und die Kärntner Hypo noch viele Milliarden brauchen werde...
Androsch: Beides ist eingetreten, leider.

"Krone": Ist es eine Genugtuung, dass Sie recht behalten haben?
Androsch: Lieber wäre mir, dass ich unrecht hätte. Es ist traurig, weil es vermeidbar war.

"Krone": Wie?
Androsch: Durch eine Budgetkonsolidierung nicht nur beim Bund, sondern vor allem auch bei den Ländern und Gemeinden und im riesigen Sozialbereich, wo wir fast 100 Milliarden ausgeben und gleichzeitig beklagen, dass es zu wenig Verteilungsgerechtigkeit gibt. Offensichtlich wird das Geld zum Teil falsch ausgegeben. Die Hacklerregelung zum Beispiel ist ein gesetzlich beschlossener Missbrauch, aber für die Universitäten und die Forschung haben wir dann zu wenig Geld. Es mangelt auch am Personalmanagement; wir haben, wie Salcher für sein Buch auch recherchiert hat, immer weniger Schüler, aber doppelt so viele Lehrer als im Jahre 1970 - und trotzdem geht es sich hinten und vorne nicht aus, und wir dümpeln dahin ohne Ganztagsbetreuung, ohne Ganztagsschulen, was auch der sozialen Wirklichkeit widerspricht. 72 Prozent der Frauen sind erwerbstätig und wissen nicht, was sie mit den Kindern tun sollen. Daher sind viele teilzeitbeschäftigt, und daher ist das Durchschnittseinkommen der Frauen logischerweise geringer.

"Krone": Müssen Sie da nicht auch der SPÖ ein paar Schlechtpunkte geben?
Androsch: Schon. Aber die Blockade bei der Bildung, bei der Schulreform, die wird seit Jahrzehnten lang von einigen ÖVP- Kreisen getragen.

"Krone": Herr Androsch, was macht der Kampf, den Sie da führen, mit Ihnen? Traurig, wütend, resigniert?
Androsch: Er macht mich noch entschlossener. Diese Kraft, Dinge verändern zu wollen, liegt wohl in meinen Genen (lacht).

"Krone": Schule und Heer sind Fragen, die junge Menschen betreffen. Machen Sie das alles für Ihren 15- jährigen Sohn?
Androsch: Natürlich motiviert mich das. Ich habe aber auch vier Enkelkinder zwischen sieben und 17. Das klingt jetzt so pathetisch, aber die Jungen sind die Zukunft des Landes. Wenn man sich so lang, so intensiv im öffentlichen Bereich engagiert hat, ist einem nicht gleichgültig, ob es eben so weitergeht oder nicht. Und wenn man das Glück hatte, wie meine Generation, in Frieden, Freiheit, bei Stabilität und steigendem Wohlstand aufzuwachsen, hat man die Verpflichtung und Verantwortung beizutragen, dass das nachkommenden Generationen auch noch zur Verfügung steht.

"Krone": Ihr Sohn wird schon studieren, wenn Schulreformen hoffentlich eingeleitet werden.
Androsch: Ja, aber der siebenjährigen Enkeltochter, der wünsche ich, wie allen Kindern, dass sie jene Bildung bekommt, mit der sie ein selbst gestaltetes, erfolgreiches Leben führen kann.

"Krone": Frank Stronach sorgt ja derzeit für sehr viel Belustigung im Wahlkampf: Was halten Sie von seinem Angebot, die ÖBB zu kaufen und zu sanieren?
Androsch: Wenn er so viel Unterstützung des Staates brauchen wird wie in Kanada oder in Österreich, wo er Förderungen kassiert und Umwidmungsgewinne bei Grundstücken erzielt hat, dann ist es besser, der Staat behält es gleich selbst. Die Bundesbahnen sind eine Versorgungsaufgabe und daher ist das ein Sommergag.

"Krone": Will Michael Spindelegger, der ihm das ja ans Herz gelegt hat, nur die SPÖ ärgern?
Androsch: Ich glaube, das ist nix zum Ärgern, sondern gehört eher in den Bereich des Amüsements.

"Krone": Wie viel Prozent geben Sie Stronach bei den nächsten Wahlen?
Androsch: Zwischen fünf und acht Prozent werden es schon sein. Die fehlen hauptsächlich der FPÖ, und insofern geht sich Blau- Schwarz als Option sicher nicht aus.

"Krone": Wären Sie Stronach dafür dankbar?
Androsch: Wenn Stronach Schwarz- Blau verhindert, danke ich ihm persönlich. Dann schreibe ich ihm auch gerne einen Brief, in dem schwarz auf weiß steht, dass er seine patriotische Pflicht erfüllt und Österreich einen großen Dienst erwiesen hat.

Die neue Allianz

Der Industrielle und SP- Grande Dr. Hannes Androsch macht mit Bestsellerautor und Ex- ÖVP- Politiker Dr. Andreas Salcher gemeinsame Sache. Die beiden fordern, dass mit der Wehrpflicht auch über Schulreformen abgestimmt werden soll. Auslöser für die ungewöhnliche Allianz ist Salchers Streitschrift "Nie mehr Schule - immer mehr Freude", Ecowin- Verlag, € 14,90.

08.09.2012, 17:35
Conny Bischofberger, Kronen Zeitung
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