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10.12.2016 - 16:23
Foto: Zwefo

"Am Abend hat der Vater mit uns gebetet"

19.03.2016, 16:55

Der 74- jährige Andreas Khol geht für die ÖVP ins Rennen um die Hofburg. Der Präsidentschaftskandidat stellte sich gemeinsam mit seiner ältesten Tochter Andrea (49) den Fragen von "Krone"- Redakteurin Conny Bischofberger. Beide sprachen über Familienkonferenzen, Schreiduelle und allerhand interessante Rituale.

Ein freundliches Holzhaus mit viel Glas und einem Wintergarten, in dem Orangen und Zitronen wachsen, im gutbürgerlichen Wien- Hietzing. Andreas Khol wartet vor der Tür und winkt uns hinein. Der ÖVP- Präsidentschaftskandidat trägt auch an diesem Tag seine legendäre rot- weiß- rote Krawatte. "Ich besitze sechs Stück davon", lacht er. Maskottchen? "Nein, Statement. Ich habe sie erstmals umgebunden, als ich zum Präsidenten des Nationalrates gewählt wurde."

Foto: Zwefo

In der Küche bereitet seine Frau Tee aus frisch gepflücktem Eisenkraut zu. Am großen Holztisch, an dem oft Geheimverhandlungen der schwarz- blauen Regierung stattfanden, nehmen Andrea Khol, Marketingexpertin in einem IT- Unternehmen, und ihr Vater Andreas Khol schließlich Platz. Die Stimmung beim "Krone"- Generationengespräch ist heiter. Adelheid Khol, die früher Religionslehrerin an einer Waldorfschule war, hat es sich in einem Schaukelstuhl bequem gemacht und verfolgt die Diskussion belustigt aus dem Off.

Foto: Zwefo

"Krone": Wo war Andreas Khol, als Andrea geboren wurde?
Er: Ich hab' zu Hause auf den Anruf gewartet. Das war in den Sechzigern noch so üblich. Ich war erst bei der Geburt meiner letzten beiden Kinder dabei. Als ich sie dann gesehen habe, war ich total verliebt. Sie war ein entzückendes Kind. 3,80 Kilo schwer, 51 Zentimeter lang. Sie hat satte blaue Augen gehabt und einen schönen schwarzen Flaum.

"Krone": Ähnlichkeiten?
Er: Andrea ist die Kholischste von all meinen Kindern. Sie reagiert wie ich und hat auch mein Mondgesicht.

Beide lachen und ihre Gesichter wirken noch runder.

"Krone": Was war er für ein Vater?
Sie: Ein Morgenmensch, immer Superlaune, bestens aufgelegt. Das war manchmal anstrengend. Auf, auf ihr Hasen! Hört ihr nicht den Jäger blasen? Das war sein Wecklied in aller Herrgottsfrüh. Manchmal hat er auch "Guten Morgen Sonnenschein" gesungen. Wir mussten Punkt 7.15 Uhr am Frühstückstisch sitzen.

"Krone": Was war sie für ein Kind?
Er (lacht): Das einzige, das wir geplant hatten. Damals durfte man bei der Geburt noch nicht dabei sein.

Anmerkung: Auf Andrea folgten Veronika, Hemma, Florian, Lorenz und Julian. Mittlerweile ist Khol sechsfacher Vater und 15facher Opa.

"Krone": Hat er auch Gutenachtgeschichten vorgelesen?
Er: Ich war natürlich oft nicht da. Aber wenn ich da war, hab' ich absichtlich falsch vorgelesen. Dann hat sie mich gestoßen: "Das heißt aber anders!"
Sie: Ich erinnere mich an das Dschungelbuch und "Florians wundersame Reise". Mein Lieblingsbuch war "Michl in der Suppenschüssel." Meistens ist er beim Vorlesen eingeschlafen. Trotzdem hat er uns in der Früh in die Schule gebracht.

Die Familie: Andreas Khol mit seiner Frau Heidi und Tochter Andrea
Foto: Zwefo

"Krone": Wie wurde sie erzogen?
Er: Wir waren einfach zu streng am Anfang. Erst bei den letzten Kindern waren wir schon total laissez- faire.
Sie: Laissez- faire wart ihr nie! Ein bisschen entspannter vielleicht. Wir haben oft ausprobiert, wie lange wir brauchen, bis die Mutter schreit. Das tut uns heute leid. Auch der Vater wurde laut, wenn etwas nicht schnell genug ging.

"Krone": Haben Sie eine prägende Kindheitserinnerung?
Sie: Ich war 13 und hatte mir die Haare rot gefärbt. Meine Mutter war entsetzt, mein Vater hat gelacht.

"Krone": Wie wurden Konflikte im Hause Khol ausgetragen?
Sie: Wenn es zwischen uns Geschwistern Streit gab, hat uns der Vater getrennt und vereinzelt.
Er: Es war ja auch die große Zeit der Familienkonferenzen damals.
Sie: Ich habe heute noch ein schlechtes Gewissen. Unsere Mutter wollte, dass wir - eh nur einmal in der Woche - in der Schule essen.
Er: Das war aber eine Waldorfschule, wo die Küche sehr körndelig war.
Sie: Ich habe hart argumentiert: Das ist das Mindeste, was eine Mutter machen muss, den Kindern ein Essen hinstellen am Mittag! Heute ist mir das peinlich. Aber ich habe mich durchgesetzt.
Er: Andrea war immer eine Führungspersönlichkeit. Eine Abenteurerin, die auch Spleens gehabt hat. Zum Beispiel drehte und färbte sie Wolle und hat drüben im Gartenhaus unglaublich kreative Sachen gestrickt. Dem Julian hat sie entzückende Hosen genäht und sie bemalt. Sie war auch stur.
Sie: Ich habe dir gedroht, dass ich mich vom Stiegengeländer runterstürze, wenn ich im Fasching als Koch gehen muss.
Er: Sie musste übrigens nicht mit zum Fasching.

Ein Familienbild aus vergangenen Tagen . . .
Foto: Khol Privat

"Krone": Musste Andrea am Sonntag in die Kirche gehen?
Sie: Bis zur Firmung ja. Dann ist keiner mehr gegangen.
Er: Als sie dann selber Kinder bekommen haben, sind sie alle wieder gegangen. Keines meiner Kinder ist ausgetreten. Meine Frau sagt, es sei beruhigend, wenn sie noch ein Dach über der Seele haben.
Sie: Religion war immer wichtig. Wir haben uns vor dem Essen die Hände gereicht und gesegnete Mahlzeit gewünscht. Am Sonntag las einer von uns das Evangelium vor. Und am Abend hat Vater mit uns gebetet.

"Krone": Was haben Sie vom Vater gelernt?
Sie: Fakten anschaun, nachdenken und sich dann eine Meinung bilden.

"Krone": Und was hat Sie am meisten genervt?
Sie (rollt die Augen): Bei ihm muss immer alles schnell gehen und sofort sein.

"Krone": Spielt der Glaube im Wahlkampf eine Rolle?
Er: Ich betone es nicht.
Sie: Ich glaube, es ist ein Thema, wo sich mein Vater unterscheidet.

"Krone": Wer hat Andrea aufgeklärt?
Sie: Meine Mutter. Der Vater war für die Buben zuständig.

Foto: Zwefo

Andreas Khol erzählt einen Kärntner Witz, wo ein Vater seinen Sohn fragt: "Erinnerst du dich noch, was du auf dem Goldeck gemacht hast mit den Madeln im Matratzenlager?" Der Sohn erinnert sich. Da sagt der Vater: "Siehst du, und so machen es auch die Bienen, die Hunde und die Pferde."

"Krone": Findet Andrea die Altersdiskussion im Wahlkampf unfair?
Sie: Ja, weil ein 74- Jähriger genauso leistungsstark sein kann wie ein 50- Jähriger. Wenn wir miteinander auf den Berg gehen, dann ist er fitter als ich mit 49. Obwohl: Für Kinder sind die Eltern immer alt...

"Krone": Wie könnte man ihn trösten, wenn er nicht in die Stichwahl kommt?
Er: Ach, das Leben geht weiter.
Sie: Aber wir gehen davon aus, dass er es schafft. Der ganze Familienrat - Khols haben eine Whatsapp- Gruppe mit diesem Namen - geht davon aus.


19.03.2016, 16:55
Conny Bischofberger, Kronen Zeitung
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