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03.12.2016 - 13:26
Foto: Markus Wenzel, Marion Hörmandinger

"Wollen endlich wissen, warum er sterben musste"

31.10.2015, 19:52
Am 4. Juni 1999 ging ein Schüler aus Oberösterreich joggen. Am Tag darauf wurde seine Leiche gefunden. Der Tod des Burschen wurde damals als Unfall diagnostiziert. Seine Familie glaubt bis heute an ein Verbrechen.

Zusammengekauert sitzen sie da, auf der Bank vor ihrem Haus im oberösterreichischen St. Wolfgang, Anna (68) und Mathias Hinterberger (64), und sie denken an eine Zeit zurück, in der sie glücklich waren. Erinnerungen, so viele Erinnerungen sind jetzt in ihnen, an ihren einzigen Sohn. "Heute", sagen die beiden, "haben wir wieder einmal das Gefühl, dass er ganz nah bei uns ist. Wir sehen ihn sogar neben uns am Tisch sitzen."

Der Tod ihres Buben - die Tragödie ihres Lebens. Aus der sie zu flüchten versuchen, sich in Fantasiewelten begeben, "aber am Ende sind wir ja doch in der Realität gefangen". In ihrer Realität, "die früher gut war, die lange schon nur noch schrecklich ist".

Mathias' Vater am Grab seines Sohnes
Foto: Markus Wenzel

Sohn war "etwas Besonderes"

1981 wurde Mathias geboren. Ihr viertes Kind. Der erste Bub nach drei Mädchen. "Ja, freilich hatten wir große Erwartungen an ihn. Wir hofften, dass er einmal unseren Hof übernehmen und ausbauen würde." Der Sohn, von Beginn an "etwas Besonderes" für seine Eltern. "Wirklich, er war ein außergewöhnlicher Mensch. So lieb, so klug. Mit acht erklärte er uns bereits, wie unsere Melkmaschinen effizienter zu nutzen wären. Den Hauptschulabschluss absolvierte er mit lauter Einsern. Klar, dass er danach auf die HTL ging."

Auch dort schrieb der Bursch hervorragende Noten, "und er hatte wunderbare Pläne. Nach der Matura studieren. Bautechnik und Jus." Und danach? "Hätte er im Ausland bei einer Firma zu arbeiten angefangen und sich nebenbei um unsere Landwirtschaft gekümmert." Wie alles tatsächlich gekommen wäre - niemand weiß es.

An dieser Stelle wurde die Leiche des Burschen gefunden.
Foto: Markus Wenzel

Vier Tage vor 18. Geburtstag gestorben

Mathias starb am 4. Juni 1999, vier Tage vor seinem 18. Geburtstag. Um etwa 21 Uhr war er joggen gegangen. Wie jeden Abend. "Immer benutzte er denselben Weg", so seine Schwester Sabine (42). Aber diesmal soll sich ihr Bruder auf einen "fremden Pfad", oberhalb eines Felsens, begeben haben. Und von dort 150 Meter in die Tiefe gefallen sein. Mathias' Leichnam wurde am Tag darauf von Wanderern entdeckt. Eine Obduktion oder kriminalpolizeiliche Ermittlungen fanden nicht statt - obwohl es ausreichend Gründe dafür gegeben hätte.

Der Walkman, den der Bursch bei sich getragen hatte, war unbeschädigt. Die einzige sichtbare Wunde an seinem Körper war ein Riss am Hinterschädel. Und es gab mysteriöse Schleifspuren am Fundort. Wurde Mathias ermordet? "Als wir von seinem Tod erfuhren, waren wir in einer Ausnahmesituation", sagen seine Eltern, "und ließen das Schicksal mit uns geschehen." Die Zweifel, "das Erkennen, all das kam erst später". Als eine ihrer Töchter berichtete, dass sich Mathias in den letzten zwei Wochen seines Lebens bei seinen Lauftouren beschattet gefühlt habe; er davon überzeugt gewesen sei, ein Feind sei hinter ihm her. Wegen "seines geheimen Kampfes".

Hatte Mathias einen Feind?

Gegen was? Gegen wen? Hatte Mathias einen gefährlichen Feind? Sabine Hinterberger: "Es gab Gerüchte über eine Liebschaft meines Bruders mit einem verlobten Mädchen." "Unser Sohn", behaupten die Eltern des Toten, "ahnte, dass wir wegen einer Grundstücksproblematik und damit verbundenen Intrigen bald in finanzielle Probleme geraten würden. Und er wollte gegen unsere Widersacher vorgehen."

Anwalt: "Es gibt viele offene Fragen"

Das Drama: die Folge eines tätlichen Streits? Mit einem Nebenbuhler? Mit einem der vielen Gegner in einem Verfahren, bei dem es um die Bewilligung für eine Zufahrtsstraße ging? Oder war Mathias' Tod doch ein tragischer Unfall? "In dem Fall", so Anwalt Stefan Rieder, der im Auftrag des Weißen Rings die Hinterbergers juristisch berät, "gibt es viele offene Fragen. Die ganz einfach geklärt werden könnten. Mit einer Exhumierung des Verstorbenen."

Wenn der Bursch von einem Felsen gestürzt ist, wären an seinem Skelett multiple Knochenbrüche feststellbar. Lägen bloß Schädelfrakturen vor, muss er einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein. Wie seine Familie vermutet. Aus Justizkreisen ist zu hören, dass eine Aufrollung der Causa mittlerweile zumindest angedacht wird. "Ich vertraue den Behörden nicht mehr", sagt Mathias' Vater. "Manche Dinge sehe ich anders als mein Mann", erklärt Anna Hinterberger leise, "aber ich verstehe sein Misstrauen." Tochter Sabine will nur noch eines: "Dass wir endlich Gewissheit bekommen."

31.10.2015, 19:52
Martina Prewein, Kronen Zeitung/red
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