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10.12.2016 - 20:18
Foto: Michael Kühnel, APA/EPA/AHMED JALLANZO, krone.at-Grafik

Wie grausam ist Ebola, Herr Dr. Kühnel?

06.12.2014, 16:30
In Liberia hat er gegen das gefährlichste Virus der Welt gekämpft. Jetzt ist Dr. Michael Kühnel zurück in Österreich - und in Quarantäne! Im "Krone"-Interview mit Conny Bischofberger spricht der 39-jährige Tropenarzt des Roten Kreuzes über seine Mission und seine langsame Rückkehr von der Hölle ins Paradies.

Steiermark, ein abgeschiedenes kleines Haus mit Garten in der Nähe eines Waldes. "Hier verbringe ich meine Tage, bis die Inkubationszeit vorbei ist", erzählt der Mediziner am Telefon. Wegen möglicher Ansteckungsgefahr ist ein persönliches Interview nicht möglich. Nach einem zweimonatigen Einsatz in Liberia, dem am stärksten von der Seuche betroffenen Land, ist der Ebola- Arzt in Quarantäne.

In diesem abgeschiedenen Haus in der Steiermark muss sich Dr. Kühnel derzeit abschotten.
Foto: Michael Kühnel

Etwa 6.600 Menschen sind seit Ausbruch der Ebola- Epidemie in Westafrika gestorben - trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

"Krone": Herr Dr. Kühnel, wie geht es Ihnen gesundheitlich?
Michael Kühnel: An sich gut. Ich muss dreimal am Tag Fieber messen, esse viel Obst und darf nicht unter Menschen gehen. Hier in der Steiermark kann ich wenigstens an die frische Luft. Da fahren in einer Stunde vielleicht vier Autos vorbei... Erste Anzeichen von Ebola wären Kopf- und Muskelschmerzen oder Schwächegefühl. All das ist bei mir nicht aufgetreten.

"Krone": Wo ist Ihre Frau?
Kühnel: Sie ist nach Berlin gereist, wir dürfen einander ohnehin nicht berühren (lacht). So kann ich lesen, fernsehen und im Internet surfen, so viel ich will. Ich habe auch ein Puzzle angefangen und mir das "Foucaultsche Pendel" von Umberto Eco wieder hergenommen.

"Krone": Auf die Frage nach der Angst antworten Leute wie Sie immer mit "Nein" - dabei ist Ebola das gefährlichste Virus der Welt. Wie können Sie diese Coolness erklären?
Kühnel: Ich habe Respekt vor dieser Erkrankung, weil ich gesehen habe, was sie anrichten kann, und weil ich weiß, dass ich als Helfer nicht immun dagegen bin. Ich bin aber dort nicht wie ein Adrenalinjunkie hingefahren, sondern habe alles Menschenmögliche getan, mich nicht anzustecken. Auf null ist das Risiko nie, aber es ist im sehr, sehr niedrigen Bereich. Und ich war und bin mir dieses Risikos voll bewusst.

"Krone": Wenn Sie jetzt erkranken würden, hätte sich der Einsatz dann gelohnt?
Kühnel: Dann wäre es blöd gelaufen. Aber trotzdem hätte ich meinen Teil geleistet. Der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Ein Helfer bewirkt vielleicht nicht viel, aber mit dem Internationalen Roten Kreuz und den anderen Hilfsorganisationen sind wir ganz viele.

"Krone": Welche Bilder aus den Ebola- Gebieten verfolgen Sie denn bis heute?
Kühnel: Bei meinem ersten Einsatz in Sierra Leone im August habe ich jene Teams ausgebildet, die, unter höchstem Risiko für sie selbst, in Schutzanzügen die Leichen aus den Straßen und Krankenhäusern geholt haben. Wir mussten die Toten in Säcke packen und begraben. Man nennt das "Dead Body Management". Unter den vielen Leichen waren auch Kinder, unter anderem ein siebenjähriger Bub. Das hat mich sehr berührt... Dafür durfte ich in Liberia beim Wiederaufbau einer Geburtenstation helfen.

"Krone": Die Bilder sehen gespenstisch aus. Lauter Menschen in weißen Schutzanzügen, und kein Patient darf berührt werden.
Kühnel: Bei über 30 Grad ist das auch für das Personal die Hölle. Aber lebensnotwendig. Man hat ja bei der spanischen Krankenschwester, die sich mit Ebola angesteckt hat, gesehen, dass das Gefährlichste das Ausziehen der Anzüge ist. Da kann ich meine Keime überall verteilen. Deshalb habe ich in Liberia Ärzte, Hebammen und auch Putzfrauen fit für den Umgang mit den Schutzausrüstungen gemacht. Zuletzt sind 150 Personen in medizinischen Berufen an Ebola gestorben. Damit wurden vier komplette Krankenhäuser vernichtet. Die Nachbesetzung wird Jahre dauern.

"Krone": Können Frauen, die mit Ebola infiziert sind, gesunde Kinder zur Welt bringen?
Kühnel: In 90 Prozent der Fälle stirbt der Fötus einer Ebola- Patientin entweder im Mutterleib oder bei der Geburt. Die Überlebenswahrscheinlichkeit von beiden - Mutter und Kind - liegt im Promille- Bereich.

"Krone": Wie grausam ist Ebola?
Kühnel: Es beginnt mit Fieber, Durchfall, Erbrechen, die Leute trocknen aus. Dann kommt es zu schweren inneren Blutungen und schließlich Organversagen. Es ist sowohl eine hochansteckende als auch hochgefährliche Krankheit.

"Krone": Wie erklären sich die Menschen in Westafrika diese Seuche?
Kühnel: Viele sind überzeugt, dass es eine Strafe Gottes ist, wofür auch immer. Ich erinnere mich, dass es mitten im Dschungel einen Platz für viele Tote auf engstem Raum gab, dort sind die Trauernden - Christen und Moslems gemeinsam - in einem Kreis um die Gräber gestanden und haben geweint und gebetet. Da kriegt man  Gänsehaut.

"Krone": Wie schwierig ist da die Rückkehr ins vorweihnachtliche Österreich?
Kühnel: Es ist ein eigenartiges Gefühl, dass in Liberia Menschen sterben und bei uns die Leute nur Konsum im Kopf haben. Die ganze Fernsehwerbung schreit "Geschenke!" und "Möglichst viel kaufen!". Es ist einfach eine ganz andere Welt... Ich weiß, dass ich als Arzt schon bald wieder irgendwelche Verstopfungen behandeln muss, nachdem ich so viele Schwerverletzte und Tote gesehen habe. Es wird schwer sein, auch so einer Krankheit wieder ihr Recht zuzugestehen.

"Krone": Werden Sie wieder nach Westafrika gehen?
Kühnel: Erst einmal geht meine Frau, und zwar am 18. Dezember. Sie hat schon im Südsudan Cholera bekämpft. Weihnachten werden wir also nicht zusammen verbringen. Aber ein paar gemeinsame Tage bleiben uns nach Ablauf meiner Inkubationszeit und vor ihrem Abflug.

Seine Geschichte

Geboren am 30. 10. 1975 in Wien, verheiratet mit der Rotkreuz- Helferin Barbara, die am 18. Dezember ebenfalls ins Ebola- Gebiet fliegt. Arzt seit 2006, zuletzt im Hospiz am Wiener Rennweg. Kühnel ist auch Notarzt beim Roten Kreuz. Die Organisation hat 194 internationale Helfer im Kampf gegen Ebola im Einsatz und über 10.000 freiwillige Helfer trainiert.

Spendenkonto

Österreichisches Rotes Kreuz, Erste Bank, IBAN: AT572011140014400144, BIC: GIBAATWWXXX, Kennwort: Ebola oder unter www.roteskreuz.at/spende 

06.12.2014, 16:30
Conny Bischofberger, Kronen Zeitung
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