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02.12.2016 - 23:45
Foto: ALI HAIDER/EPA/picturedesk.com, Lofoten/Knut-Ivar Johansen

Wie gefährlich ist Urlaub in Dubai, Herr Pfarrer?

25.01.2014, 16:00
Da prallen Kulturen und Werte zusammen: Seit Anfang Dezember sitzt eine Wiener Studentin in Dubai fest, weil sie nach einer Vergewaltigung zur Polizei ging. Nun droht der jungen Muslimin eine Gefängnisstrafe wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs und Alkoholkonsums. Sie musste ihren Pass abgeben und darf den Wüstenstaat nicht mehr verlassen - außer sie heiratet ihren Peiniger!

Gisle Meling (46) kennt das. Als der norwegische Pfarrer am Handy abhebt, macht er gerade Feierabend. In seiner Seemannskirche in Dubai hat im März 2013 die 25- jährige Marte Dalelven Unterschlupf gefunden. Auch sie wurde vergewaltigt - und musste dafür büßen.

"Krone": Herr Pfarrer, was war Ihr erster Gedanke, als Sie vom Fall der österreichischen Touristin gehört haben?
Gisle Meling: Mir hat sie sehr leidgetan, weil ich weiß, was das norwegische Mädchen durchgemacht hat. Es muss furchtbar sein, wenn man zur Polizei geht nach einem so schrecklichen Erlebnis, weil man den Täter zur Verantwortung ziehen will und dann wird man selber mit Anklagen konfrontiert. Marte haben die Polizisten damals gefragt: Kommst du zu uns, weil es dir nicht gefallen hat?

"Krone": Wie kann es sein, dass ein Opfer zum Täter gemacht wird?
Meling: Solange eine Vergewaltigung nicht erwiesen ist, macht man sich in Dubai des außerehelichen Geschlechtsverkehrs schuldig. Und wenn vorher Cocktails getrunken wurden, auch des Alkoholkonsums. Beides Dinge, die in europäischen Ländern nicht verboten sind.

"Krone": Alkohol ist in Dubais Hotels doch auch nicht verboten...
Meling: Nein, aber das Rechtssystem hier ist sehr komplex, es vermischt das Recht des Sharias mit dem Rechtssystem des Emirats.

"Krone": Wie gefährlich ist Urlaub in Dubai?
Meling: Böse Menschen gibt es überall. Dubai ist der sicherste Ort der Welt, wenn man sich bewusst ist, dass man in einem islamischen Land Urlaub macht und die Regeln kennt.

"Krone": Ist die Österreicherin ein Risiko eingegangen, als sie die Vergewaltigung angezeigt hat?
Meling: Viele Betroffene gehen nicht zur Polizei, sondern schweigen lieber aus Angst vor den Folgen. Aber das ist falsch. Ich glaube trotzdem, dass es der richtige Weg ist, Unrecht anzuzeigen und dass man jetzt einfach den Prozess abwarten muss.

"Krone": Aber kann man der Justiz trauen?
Meling: Ich bin mit den Gesetzen nicht unbedingt einverstanden, aber wenn ich in diesem Land lebe, dann muss ich sie respektieren. Und darauf vertrauen, dass die Justiz diesen Gesetzen folgt.

"Krone": Die norwegische Frau hat 16 Monate Haft, ihr Vergewaltiger nur 13 Monate Haft bekommen...
Meling: Das ist korrekt. Marte hat fünf Monate bei uns gewohnt. Das Urteil wurde ihr schließlich erlassen. Wir haben in dieser Zeit einen geregelten Tagesablauf sichergestellt und sie hatte immer jemanden, mit dem sie reden konnte.

"Krone": Die norwegische Regierung hat viel Druck gemacht. Was sollte Österreich Ihrer Einschätzung nach tun?
Meling: Die österreichische Botschaft ist meines Wissens mit der jungen Frau in engem Kontakt. Bis zum Urteil kann man wenig machen. Ich kann nur sagen, womit die norwegische Regierung erfolgreich war: Die norwegische Regierung, die enge und gute Beziehungen zu den Arabischen Emiraten hat, wählte einen positiven Zugang. Sie betonte die diversen Resolutionen und Erklärungen zu Frauenrechten, so wie sie auch von den Arabischen Emiraten im Rahmen der Vereinten Nationen mitunterzeichnet wurden.

"Krone": Die Frau stammt aus einer muslimischen Zuwanderer- Familie. Macht das einen Unterschied?
Meling: Die Tat bleibt dieselbe und ist traumatisch. Und auch am Urteil wird es nichts ändern. Aber möglicherweise spielt die Scharia, das islamische Recht, für die Frau eine größere Rolle.

"Krone": Wie wird der Fall Ihrer Meinung nach ausgehen?
Meling: Ich bin Priester, aber kein Prophet! (lacht) Ich habe keine Ahnung. Ich wünsche der Frau alles Gute, dass sie das aushält, dass sie die nötige Unterstützung bekommt. Sie hat mein ganzes Mitgefühl und auch meine Sympathie.

"Krone": Sollte sie an die Öffentlichkeit gehen oder lieber anonym bleiben?
Meling: Beides hat gewisse Vorteile. Die Öffentlichkeit erzeugt mehr Druck. Trotzdem würde ich für letzteres plädieren. Denn sobald sie ihre Identität preisgibt, werden die Medien noch mehr schreiben, das ist emotional sehr belastend. Wenn ich nur daran denke, was auf Facebook kommentiert wurde: "Sie wollte es doch..." und solcher Unsinn. Was die Frau jetzt braucht, ist Zuwendung und Schutz und das ist in der Anonymität sicher leichter.

"Krone": Wenn die Frau morgen in Ihre norwegische Seemannskirche käme, würden Sie sie aufnehmen?
Meling: Unsere Kirche heißt hier "Center" - weil es strenge Reglementierungen für Kirchen in Dubai gibt. Wenn die Frau jemanden zum Reden braucht, dann wäre ich selbstverständlich für sie da. Aber das ist man bei der österreichischen Botschaft auch.

"Krone": Wissen Sie, wo sie sich aufhält?
Meling: Nein, aber ich hoffe, dass es an einem sicheren Ort ist.

"Krone": Wie geht es Marte Dalelven heute?
Meling: Meine Frau Anniken hat sie zuletzt im Dezember in Norwegen besucht. Es geht ihr wieder sehr gut, sie hat nach ihrer Ausreise vom norwegischen Staat psychologische Hilfe bekommen. Ich hoffe, dass auch Ihre Betroffene die ganze Sache gut übersteht.

Seine Geschichte

Geboren am 13. Jänner 1968 in Norwegen. Protestantischer Priester für die 150 Jahre alte "Internationale Norwegische Seemannskirche" mit 40 Einrichtungen weltweit; von 2005 bis 2010 in Los Angeles, danach im Norden von Norwegen. Seit 2012 "General Manager" der norwegischen Seemannskirche in Dubai, gegründet 1976 (in Dubai muss die Kirche "Zentrum" genannt werden). Privat ist Gisle Meling mit Anniken verheiratet, das Paar hat drei Töchter (Ellida ist 8, Bertine 9, Caroline 20 Jahre alt).

25.01.2014, 16:00
Conny Bischofberger, Kronen Zeitung
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