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09.12.2016 - 07:20

"Wert des Lebens": Befreiungsfeier in Mauthausen

12.05.2014, 08:34
Die Befreiungsfeier in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen in Oberösterreich ist am Sonntag ganz im Zeichen des diesjährigen Themas "Wert des Lebens" gestanden. Vertreter von Häftlingsorganisationen erinnerten, wie menschenverachtend die Nationalsozialisten den Wert von Andersartigen und Arbeitsunfähigen einstuften. Überschattet wurde die Veranstaltung von einer Hakenkreuz-Schmieraktion am Mauthausner Friedhof.

Rund 8.000 Menschen aus über 60 Ländern - nach Angaben des Organisators Mauthausen Komitees Österreich (MKÖ) - ließen sich auch durch das schlechte Wetter mit zum Teil heftigen Regenschauern nicht von der Teilnahme an der Gedenkfeier abhalten. Zahlreiche offizielle ausländische Delegationen wurden von den diplomatischen Vertretern in Österreich angeführt. Die Republik wurde unter anderem durch Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und Bundeskanzler Werner Faymann, Innenministerin Johanna Mikl- Leitner und Gesundheitsminister Alois Stöger vertreten.

Arbeitsunfähige Menschen ohne Recht auf Leben

Der Vorsitzende des MKÖ Willi Mernyi stellte zum heurigen Thema fest, dass neben der rassistischen Kategorisierung der Nationalsozialisten der Wert des Lebens auch am wirtschaftlichen Wert gemessen worden sei. Somit hätten arbeitsunfähige Menschen sehr bald ihr Anrecht auf Leben verloren. Das KZ- System der Nationalsozialisten zeige die Verbindung zwischen Arbeitsfähigkeit und Lebensrecht sehr deutlich. Sobald dort die Arbeitskraft ausgeschöpft gewesen sei, habe das Menschenleben keinen Wert mehr gehabt.

Zivilcourage ist gefordert

Auch heute nehme die Bewertung eines Menschen nach seiner ökonomischen Verwertbarkeit beziehungsweise seiner Gewinnträchtigkeit einen immer größeren Platz ein, so Mernyi. In ganz Europa seien derartige Entwicklungen und zusätzlich immer mehr werdende antisemitische und rassistische Übergriffe festzustellen. Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus würden immer salonfähiger. Hier sei Zivilcourage gefordert, um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten.

Hakenkreuz auf türkisches Kindergrab gesprüht

Traurigerweise wurde die Gedenkveranstaltung aber auch von einer geschmacklosen Schmieraktion überschattet. Ein türkisches Kindergrab wurde von Unbekannten am Friedhof in Mauthausen mit einem Hakenkreuz beschmiert. Ein Zusammenhang mit einer Neonazi- Schmieraktion in der KZ- Gedenkstätte, die - wie berichtet - bereits am Samstag bekannt wurde, sei möglich, so die Polizei.

Ein Spaziergänger hatte den Vorfall Samstagnachmittag bemerkt und angezeigt. Die Schmiererei sei mit schwarzem Lack durchgeführt worden, so die Ermittler. Auch bei in der KZ- Gedenkstätte war schwarzer Lackspray verwendet worden. Von dem oder den Tätern fehlte am Sonntag jede Spur.

90.000 Menschen im Lager getötet

In Mauthausen und seinen zahlreichen Nebenlagern haben die Nationalsozialisten mehr als 200.000 Menschen aus der ganzen Welt unter unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten und zu schwerer Arbeit unter anderem im Steinbruch sowie in der Rüstungsproduktion gezwungen. Nach Schätzungen überlebten rund 90.000 diese Vernichtungsmaschinerie nicht. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges trafen Anfang Mai 1945 die ersten Einheiten der US- Armee im Lager Mauthausen ein. Im kommenden Jahr wird daher der 70. Jahrestag der Befreiung gefeiert werden.

12.05.2014, 08:34
AG/red
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