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09.12.2016 - 04:31
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Was ist bei der Post los, Herr Pölzl?

23.01.2014, 16:00
Müssen Hunderte Zusteller um ihre Jobs zittern? Im Interview mit Conny Bischofberger spricht Post-General Georg Pölzl (56) über die Schlacht um Briefkästen und die Post im Zeitalter des World Wide Web.

Die Tür zu seinem Büro steht offen, die Wände sind aus Glas, "meine Mitarbeiter können mir gerne bei der Arbeit zuschauen", sagt Post- Generaldirektor Georg Pölzl. Die neue Konzernzentrale am Wiener Donaukanal ist eine Art "Open Space", in dem Transparenz und Kommunikation gelebt werden soll - eine steile Vorgabe für so manche verstaubte Postfiliale mit Warteschlangen und überforderten Schalterbeamten.

"Wir haben da noch einen weiten Weg vor uns", gibt der Chef über 20.000 Mitarbeiter zu. "I have the dream" steht in beleuchteter Neonschrift auf einem Fotokunst- Poster, das die Wüste von Nevada zeigt - "ich habe den Traum". Im "Krone"- Gespräch malt der Steirer ein Bild von diesem Traum, den er - auch gegen Widerstände - Stück für Stück Wirklichkeit werden lässt.

"Krone": Herr Pölzl, die Postbelegschaft hat nach einem Bericht der "Krone" angekündigt, sich gegen Stellenabbau in ihrem Unternehmen zu wehren. Was ist los bei der Post?
Georg Pölzl: Es ist völlig unberechtigt, von einer Kündigungswelle zu sprechen. Das stimmt einfach nicht. Die Post arbeitet in einem extrem sich verändernden Umfeld, da gibt es natürlich laufend Anpassungen, aber damit gehen die Mitarbeiter sehr gut um.

"Krone": Sie nennen es Anpassungen, aber Hunderte Briefträger fürchten um Ihren Job...
Pölzl: Es ärgert mich ehrlich gesagt, dass man unseren Zustellern einredet: Eure Jobs stehen alle zur Disposition! Ich finde es menschenverachtend, bösartig und gemein. Unsere Leute brauchen keine Angst zu haben, denn die sinkende Mitarbeiterzahl ist seit Jahren konstant. Die Abgänge sind zum Großteil natürliche Abgänge, also zum Beispiel Pensionierungen. Wir haben im letzten Jahr sogar 2.500 neue Mitarbeiter eingestellt. Die Post geht mit Veränderungen wirklich sehr behutsam um. Wir sind ein gewinnbringendes, positiv bilanzierendes Unternehmen, das sich Sozialverträglichkeit auch leisten kann.

"Krone": Warum sagt dann ein Gewerkschafter, die "Krone" habe in ein Wespennest gestochen?
Pölzl: Ich weiß nicht, wer so was sagt, aber möglicherweise werfen hier die Betriebsratswahlen schon ihre Schatten voraus.

"Krone": Wundert Sie das, wenn vermehrt Kolporteure der billigeren Tochter Feibra Briefe austeilen?
Pölzl: Das stimmt nicht. Die Feibra gibt es seit 40 Jahren, und seit 40 Jahren macht sie der Post Konkurrenz. Nur: 2011 wurde der Markt für das Postwesen liberalisiert, seither steigt die Feibra auch ins adressierte Geschäft ein, wie übrigens auch andere. Dieses Gesetz habe nicht ich erfunden. Natürlich verstehen viele Zusteller nicht, warum jetzt auf einmal andere Unternehmen an die Briefkästen dürfen! Wir mussten 30 Millionen Euro aufwenden, um alle Briefkästen Österreichs auszuwechseln. Glauben Sie, ich habe das freiwillig gemacht?

"Krone": Finden Sie das neue Gesetz gut?
Pölzl: Grundsätzlich finde ich Wettbewerb gut, und offene Märkte besser als geschlossene. Wichtig ist, dass sich die Post in diesen neuen Märkten als modernes Dienstleistungsunternehmen bewährt, nicht in der Geisteshaltung eines Monopolisten... Und da kann ich sagen: Wir haben die beste Postzustellung in Österreich, unsere Zusteller machen den besten Job.

"Krone": Sie sprechen immer von Zustellern, gibt es den guten alten Briefträger, der am Gartenzaun noch mit den Leuten geplaudert hat, vielleicht gar nicht mehr?
Pölzl: (denkt kurz nach) Heute stehen alle unter einem enormen Effizienz- und Kostendruck. Wir waren im vergangenen Jahr dazu gezwungen, Zeiterfassung einzuführen...

"Krone": Seither haben die Zusteller diesen kleinen Computer bei sich und wirken immer gestresst. Teilen Sie diesen Eindruck?
Pölzl: Das hängt von der Jahreszeit ab. Die schwierigsten Monate sind November und Dezember, da arbeiten die Zusteller deutlich mehr als acht Stunden. Da kommt natürlich gewaltig Stress auf. Im Sommer ist der Tag des Zustellers deutlich kürzer und besser zu bewältigen.

"Krone": In Zeiten des World Wide Web werden ja immer mehr Mails und immer weniger Briefe geschrieben: Wird es in 20 Jahren überhaupt noch was zum Austragen geben?
Pölzl: Ich bin überzeugt davon. Das Briefgeschäft geht zwar zurück, aber die Werbepost entwickelt sich stabil. Die physische Zustellung wird trotzdem bleiben, denn es ist den Menschen einfach nicht zumutbar, alles elektronisch zu bekommen. Nehmen wir die Telefonrechnung: Wenn die über Mail kommt, dann gehen Transparenz und Aufmerksamkeit verloren. Heute muss man sich Rechnungen ja teilweise schon selber abholen, aber das ist gegen die Interessen der Menschen. Die Menschen haben ein Recht auf Rechnungen, weil sie sonst in die Kostenfalle tappen.

"Krone": Packerl - so hat es der Versandriese Amazon angekündigt - werden künftig mit Drohnen direkt in die Gärten von den Kunden abgeworfen. Ist das ein Szenario, das in Ihren Zukunftsplänen vorkommt?
Pölzl: Das ist vor allem eine tolle PR- Aktion - eine der erfolgreichsten, die ich je gesehen habe. Ich war voller Bewunderung und auch ein bisschen neidisch.

"Krone": Halten Sie es für möglich?
Pölzl: Ich glaube es nicht, allein schon aus luftfahrttechnischen Gründen. Wollen wir wirklich, dass sich das ganze Paketgeschäft über dem Himmel von Wien abspielen soll? Technisch geht das alles, keine Frage, so wie Autos, die selbst bremsen und einparken. Aber praktisch wird es keine Anwendung finden.

"Krone": Was ist Ihr Zukunftsszenario für die Post?
Pölzl: Die Zukunft findet schon statt. Als ich 2009 begonnen habe, hatten wir 1.500 Poststellen, jetzt haben wir 1.900. Davon 1.400 Post- Partner, die oftmals wesentlich längere Öffnungszeiten bieten können. Außerdem investieren wir laufend in Selbstbedienungszonen und in unsere Filialen, für deren Design wir preisgekrönt wurden. Wir haben 5.000 Post- Empfangsboxen in Österreich montiert. Die Österreichische Post hat mittlerweile sogar im Ausland 6.000 Mitarbeiter.

"Krone": Wie viele Ihrer Mitarbeiter kennen Sie persönlich?
Pölzl: Die Hand geschüttelt hab' ich sicherlich schon 5.000 Mitarbeitern. Ich suche diesen Kontakt auch, er ist wichtig, um meinen Job gut machen zu können.

"Krone": Kennt der oberste Manager die Sorgen dieser Menschen?
Pölzl: Ich denke schon. Es ist immer Angst vor Veränderung, Jobangst, Angst vor zu hoher Belastung. Und natürlich geht es ums Einkommen.

"Krone": Wissen Sie, im Gegensatz zu Eugen Freund, wie hoch das Durchschnittsgehalt bei der Post ist?
Pölzl: Ja! Es sind durchschnittlich 3.000 Euro brutto bei den Beamten, bei den neuen Zustellern sind es 1.700 bis 1.800 Euro brutto. Zusteller sind ja in Einkommensklassen von Arbeitern.

"Krone": Ist das genug?
Pölzl: Es ist deutlich mehr als in der Branche üblich. Für die betroffene Person ist das nie genug. Aus Sicht des Unternehmens ist es ein gutes Gehalt und das wissen die Menschen auch.

"Krone": Ist es gerecht, dass Sie als Chef eine Million Euro pro Jahr verdienen?
Pölzl: Ich möchte mein Gehalt nicht diskutieren, ich habe es auch nicht entschieden. In Deutschland habe ich auch deutlich mehr verdient. Für ungerecht halte ich es nicht. Ich kann halt den Zusteller nicht mit dem Bereichsleiter des Hauses und den Beamten nicht mit dem Generaldirektor vergleichen.

"Krone": Schreiben Sie eigentlich noch Briefe?
Pölzl: Seit ich bei der Post bin, habe ich wieder damit angefangen, Geburtsagskarten und Persönliches mit einer Füllfeder von Hand zu schreiben, und bekomme dafür viel positives Feedback. Mir gehen Sammelmails auf den Wecker und ich brauche auch die ganzen SMS nicht. Ein Brief ist heutzutage schon fast etwas Wertvolles geworden...

"Krone": Herr Pölzl, Sie sind in Graz geboren, was ist noch steirisch an Ihnen?
Pölzl: Alles, einfach alles! Auch nach dreißig Jahren kann ich mich zum Beispiel noch immer nicht mit der zuckrigen Wiener Marinade anfreunden. Ein richtiger Salat muss einfach mit Kernöl sein.

Seine Karriere

Geboren am 24. April 1957 in Graz, Studium an der Montanuniversität Leoben. Seine berufliche Laufbahn startet er bei McKinsey. Neun Jahre lang leitet der Steirer T- Mobile Austria in Wien, dann wechselt er zur deutschen Telekom und ist Sprecher der Geschäftsführung von T- Mobile Deutschland. Seit Oktober 2009 Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor der Österreichischen Post AG. Privat ist er seit 1984 mit Eveline verheiratet und hat drei Kinder (Anna ist 21, Jürgen 24, Stefan 29 Jahre alt).

23.01.2014, 16:00
Conny Bischofberger, Kronen Zeitung
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