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08.12.2016 - 08:57
Auch mit den Ärzten auf Konfrontationskurs: Sonja Wehsely, SPÖ
Foto: Andi Schiel, Gerhard Bartel

Warten Sie auch so lange auf Ärzte, Frau Wehsely?

04.09.2016, 06:00

"Krone"- Redakteur Michael Pommer hat mit Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely ein Interview über die brandheißen Themen Ärzteprotest und Mindestsicherung geführt. Außerdem verriet Wehsely, warum sie privat krankenversichert ist, und wie ihre Zukunft aussieht.

"Krone": Frau Stadträtin, es dauert zwar noch ein bisschen, aber haben Sie schon Karten für den Ärzteball?
Sonja Wehsely: Nein. Ich bin fast immer beim Ärzteball gewesen, aber um die Zeit habe ich noch nie Karten gehabt.

"Krone": Mit welcher Stimmung müssten Sie dort rechnen? Mit Applaus oder Buhrufen?
Wehsely: Das Verhalten der Ärzte wäre nicht anders als sonst. Ich würde sehr angenehme Gespräche führen und lustige Tänze tanzen.

"Krone": So gut ist die Stimmung momentan aber nicht. Die Ärztekammer sagt, die Stadt würde den Vertrag rund um die Dienstzeiten nicht einhalten, die Stadt wiederum drängt die Kammer auf Vertragstreue. Wie soll es jetzt weitergehen?
Wehsely: Seit dem 1. Juli 2015 wurden die Gehälter deutlich angehoben, und seither werden die Arbeitszeiten verändert. Nachtdienste werden reduziert, dort, wo es möglich ist, und in den Tag verlegt. Ende des Jahres werden wir bei rund 60 Prozent der Umsetzung sein. Ich glaube aber nicht, dass es tatsächlich zu einem Streik kommt.

"Krone": 92 Prozent der befragten Ärzte haben für Protestmaßnahmen gestimmt. Sie sagen, das ist alles Kammer- Wahlkampf. Ist das nicht zu einfach? Diese Ärzte sind offensichtlich unglücklich.
Wehsely: Da muss man die Kirche im Dorf lassen. Diese Abstimmung ist eine grobe Unmutsäußerung, und ich kann das verstehen. Hier kommt es zur größten Veränderung der Arbeitszeit der letzten Jahrzehnte. Deswegen wird die Umstellung auch abgegolten. Ein Teil des Visavis, die Ärztekammer, hat von Anfang an mit falschen Karten gespielt und nach der Unterschrift falsch informiert.

"Krone": Die Ärzte jedenfalls befürchten noch längere Wartezeiten für die Patienten.
Wehsely: Die Nachtdienste werden in den Tag verlegt, und weil am Nachmittag mehr Ärzte da sind, soll es zu längeren Wartezeiten kommen? Das ist völlig unlogisch.

Foto: APA/Helmut Fohringer

"Krone": Erklärt wird das so, dass die Reduktion der Arbeitszeit zu einer Ausdünnung der ärztlichen Personaldecke führt. Die Kammer spricht vom plötzlichen Fehlen von 1000 Vollzeitäquivalenten.
Wehsely: Wir haben derzeit um 78 Ärzte mehr im KAV (Krankenanstaltenverbund, Anm.) als vor einem Jahr.

"Krone": Da sind aber viele Teilzeitverträge dabei.
Wehsely: Es sind 78 Ärzte mehr, und es sind mehr als 50 Vollzeitäquivalente.

"Krone": Tatsache ist aber, dass man derzeit ein paar Monate auf Hüft- OPs und bis zu einem Jahr auf Schilddrüsen- Eingriffe warten muss.
Wehsely: Ja, wir haben Anmelde- und Wartezeiten. Ein Zusammenhang mit der Arbeitszeit ist nicht herstellbar.

"Krone": Ich frage nicht wieso, weil es mich nichts angeht, ich frage aber: Wann haben Sie das letzte Mal auf einen Arzt warten müssen?
Wehsely: Die Frage lautet eher, wann war ich das letzte Mal bei einem Arzt. Es war mein Gynäkologe, ein Kassenarzt, bei dem ich seit Jahrzehnten bin. Und der organisiert das so, dass man nie warten muss.

"Krone": Aber sonst müssen Sie auch so lange auf Ärzte warten wie wir?
Wehsely: Ich bin erfreulicherweise sehr gesund und war krankheitsbedingt noch nie in einer Spitalsambulanz.

"Krone": Sind Sie privat krankenversichert?
Wehsely: Ich bin privat versichert, und zwar seit dem 25. Jänner 2007. Das ist der Tag, an dem ich Gesundheitsstadträtin wurde. Nicht weil ich der Meinung bin, dass die Versorgung eine bessere ist, ich wollte aber vermeiden, dass ich dann in einem Zweibettzimmer liege, obwohl der Standard vielleicht Vierbettzimmer sind. Und ich etwas aufgrund meiner Funktion bekomme, das mir vielleicht nicht zusteht.

"Krone": Ich gehe vermutlich im Jahr 2046 in Pension. Werde ich bis dahin schon über ein Krankenhaus Nord berichtet haben, das eröffnet wurde, gut funktioniert und in dem Ärzte arbeiten?
Wehsely: Bis dahin werden wir schon mehrere Renovierungen hinter uns haben. 2017 wird das Spital baulich fertiggestellt und dann wird es Schritt für Schritt in Betrieb genommen. Alles andere sind Gerüchte.

"Krone": Die Eröffnung verschiebt sich ständig, das Spital wird immer teurer. Wer hat das jetzt verbockt? Der KAV, die Firmen, Finanzstadträtin Renate Brauner, Sie?
Wehsely: 2005 hat man mit der Planung begonnen, und 2017 wird es fertiggestellt. Normalerweise sagt man, so etwas dauert 15 Jahre! Aber was heißt schuldig? Eine Statikfirma und die Fassadenfirma haben gepfuscht.

Die Baustelle beim Krankenhaus Nord
Foto: APA/ROBERT JAEGER

"Krone": Thema Mindestsicherung. 44 Prozent gehen an Ausländer. Haben wir so viel zu verschenken?
Wehsely: Ich kann den Zusammenhang zwischen Staatsbürgerschaft und Verschenken nicht herstellen. Nur neun Prozent der Bezieher leben ausschließlich von der Mindestsicherung. Der Großteil hat ins System eingezahlt und bezieht eine Ergänzungsleistung.

"Krone": Der Rechnungshof prüft die Mindestsicherung. Macht Sie das nervös?
Wehsely: Überhaupt nicht. Der Rechnungshof hat auch schon in Vorarlberg und Tirol geprüft.

"Krone": Zwei Fragen zum Abschluss: Wieso hat das denn mit dem Ministerjob nicht geklappt?
Wehsely: Ich fühle mich hier sehr wohl und habe viel zu tun.

"Krone": Würden Sie gerne einmal Bürgermeisterin werden?
Wehsely: Ich möchte gerne Gesundheitsstadträtin bleiben.

04.09.2016, 06:00
Michael Pommer, Kronen Zeitung/red
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