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05.12.2016 - 14:17
Foto: Christof Birbaumer

"Von Marihuana hätte ich ihm dringend abgeraten"

16.04.2016, 17:04

Malerisches Bergpanorama am Eingang zum Tiroler Kaunertal. Alexander und Florian Van der Bellen sitzen, in Schaffelle gehüllt, auf der Terrasse des "Tramser Hofes" und blinzeln in die Frühlingssonne. Der Sohn ist Unternehmensberater mit Schwerpunkt Barrierefreiheit und spricht gemächlich wie sein Vater, der sich schon nach wenigen Minuten die erste Chesterfield light anzündet. "Bei der Kulisse samma foscht im Weg", brummt der langjährige Grünen- Chef später beim Fotoshooting mit "Krone"- Fotograf Christof Birbaumer vergnügt. Da sitzen Vater und Sohn auf einem Felsen vor dem Bergsee, hinter ihnen spiegeln sich die Fichten im glitzernden Wasser.

"Krone": Rauchen als Markenzeichen: Raucht auch Alexander Van der Bellens Sohn?
Florian: Ja. Ich habe schon sehr früh damit begonnen. Heimlich natürlich, so mit 15.
Der Vater verzieht keine Miene.
Florian: Nil, Hobby, Ronson, wir haben geraucht, was wir kriegen konnten. Und uns gegenseitig überboten mit dem Nikotingehalt. Die Ronson hatten 1,6 Milligramm damals, das ist schon ein Hammer.

Foto: Christof Birbaumer

"Krone": Wollte der Vater dem Sohn das nie abgewöhnen?
Alexander: Nein, ich glaube, ich war da zu liberal (lacht).

"Krone": Wie war's bei Marihuana?
Florian: Das war nie meins. Ich habe den Geruch nie mögen und es hatte auch nicht die Wirkung, die man mir versprochen hatte.
Alexander: Wenn ich gewusst hätte, dass er das probiert, hätte ich ihm dringend abgeraten. Davon wurde ihm aber eh sofort hundsmiserabel schlecht.

Foto: Christof Birbaumer

"Krone": Stichwort liberal: Wurden die Van- der- Bellen- Söhne antiautoritär erzogen?
Alexander: Ich würde sagen, mit einem Minimum an Geboten. Höflich bleiben, auch wenn man sich mit der Großmutter streitet, solche Sachen. Ansonsten lautete unser Motto: Leben und leben lassen. Beim zweiten Kind ist man auch schon viel gelassener (Florians Bruder Nicolai ist um fünf Jahre älter, züchtet in Deutschland eine seltene Rinderart und ist mit einer Psychotherapeutin verheiratet). Beim Ersten glaubst du noch, der wird genau wie du, bis man feststellt: Das sind ja ganz eigene Menschen.
Florian: Trotzdem sind wir einander sehr ähnlich. Zum Beispiel unsere Gesichtsausdrücke. Wenn meine Frau sagt: "Jetzt schaust du wie der Saschi", dann weiß ich sofort: Aha, jetzt ärgert dich was.
Alexander: Auch unsere Stimmen sind ähnlich.
Florian: Einmal bin ich ans Telefon gegangen: "Hier Van der Bellen." Dann hat mir der weiß Gott was erzählt und gar nicht mehr aufgehört. Nach einer Viertelstunde hab' ich gesagt: "Aber mein Vater ist leider nicht zu Hause." Ich habe wirklich dieselbe Stimme wie der Saschi.

"Krone": Saschi? Wann hat das begonnen?
Florian: Ich habe, seit ich denken kann, Saschi zu ihm gesagt. Und meine Mutter war die "Mami".

Conny Bischofberger unterwegs mit Alexander und Florian Van der Bellen
Foto: Christof Birbaumer

"Krone": Was war Alexander Van der Bellen für ein Vater?
Florian: Ein sehr gemütlicher. Wir sind ja in Innsbruck und Berlin aufgewachsen, er hat an der Uni gearbeitet. Dort habe ich ihn oft besucht. Sein Schreibtisch war immer überhäuft mit Büchern. Da gab es kaum Platz, sich hinzusetzen. Aber der Saschi hatte immer auch Comics in der Schublade: Asterix, Tim und Struppi. Das habe ich übrigens von ihm geerbt: Meine Schreibtische schauen genauso aus.
Alexander: Florian war auch ein recht gemütliches Kleinkind, aber ein bisschen ein Sturschädel.
Florian: Bei dem Vater kein Wunder!
Alexander: Wir haben die Ferien immer in einem Dorf im Kaunertal verbracht. Da konnten die Kinder überall herumtollen.
Florian: Es war wirklich sehr, sehr unbeschwert. Man ist zum Bach gegangen, hat einmal ein Feuerchen gemacht oder ist Schwammerl suchen gegangen. Später haben wir dann sehr viel Karten gespielt.
Alexander: Fufzehn obi! Man kennt es in Tirol auch als Schnellen.
Florian: Nächtelang haben wir nur Karten gespielt, um den symbolischen Einsatz von fünf Groschen. Mein Vater ist ein guter Gegner. Es verleidet ihm die Lust nicht, auch wenn er verliert.

Foto: Christof Birbaumer

"Krone": Hat der Vater den Söhnen von der Flucht seiner Eltern aus Estland erzählt?
Florian: Ja, das war eine Art Familienprojekt. Wir wollten die zum Teil löchrige Geschichte zusammenfassen. Es war schwierig, das alles zu recherchieren.
Alexander: Da fällt mir ein, dass wir noch nie gemeinsam in Estland waren.
Florian: Das wäre schon interessant, das einmal zu sehen.

"Krone": Wurde Florian religiös erzogen?
Alexander: Mein älterer Sohn Nicolai wurde getauft, Florian nicht.
Florian: Ich habe mich später taufen lassen, damit meine Frau und ich kirchlich heiraten konnten.

"Krone": Apropos Heiraten: Wie hat der Sohn es aufgenommen, dass Alexander Van der Bellen letztes Jahr noch einmal geheiratet hat?
Florian: Ich habe es gewusst, konnte aber leider nicht an der Hochzeit teilnehmen. Ich bin 47, also da hat so etwas nicht mehr die Dramatik, die eine Scheidung bei kleinen Kindern hat. Ich musste mich auch nicht entscheiden, ob ich beim Saschi oder bei Brigitte wohne (beide lachen).

Foto: Christof Birbaumer

"Krone": Wie lange weiß Florian Van der Bellen eigentlich schon, dass sein Vater zum Bundespräsidenten kandidieren will?
Florian: Er hat sich ja geziert, und dann haben mich die Leute natürlich angesprochen: Was ist jetzt? Da musste ich ihn halt einmal fragen.
Alexander: Das muss im Sommer oder im Herbst letzten Jahres gewesen sein. Ich wusste es bereits, habe aber keinen Anlass gesehen, so früh an die Öffentlichkeit zu gehen.
Florian: Weshalb ich es schon früher wusste. Ich finde das schon sehr cool. Er ist einfach authentisch. Ob auf der Straße oder zu Hause: Der Saschi ist immer derselbe. Durch seine Besonnenheit und sein politisches Wissen eignet er sich auch ganz besonders für dieses Amt.

"Krone": Hat der Vater den Sohn politisch geprägt?
Alexander: Also ich weiß gar nicht, was er gewählt hat.
Florian: Ich habe bei meiner ersten Wahl Grün gewählt, aber dem Vranitzky meine Vorzugsstimme gegeben, und damit war mein Stimmzettel ungültig (lacht).

"Krone": Hätte Florian Van der Bellen auch FPÖ wählen dürfen?
Alexander: Ja, schon. Nur da würde ja etwas dahinterstehen.
Florian: Was das betrifft, musste er gar nicht tolerant sein.
Alexander: Ach was, wir hätten das Thema beim Biertrinken oder beim Kartenspielen einfach vermieden.

Alexander und Florian Van der Bellen beim Bergsteigen
Foto: Privat

Alexander & Florian Van der Bellen
Als Florian geboren wurde... lag der Vater in einem spanischen Spital. "Verkehrsunfall, ich hatte mir ein paar Rippen gebrochen. Ein paar Tage später war ich aber eh schon in Innsbruck." Den Geburtstermin - 15. August 1968 - hat Alexander Van der Bellen wohl nicht so genau genommen.

Seine früheste Erinnerung an den Vater? "Spielt in Berlin, in Stockbus Nummer 17, oben. Saschi hat einen Buchstaben gesagt und ich musste ein Tier erraten. Bei C sagte ich 'Zebra!' Darauf er: 'Das schreibt man aber mit Z!' Das kann nicht sein, war ich mir ganz sicher, sonst würde es ja Zetbra heißen."
Was hat er von ihm gelernt? "Besonnenheit statt Impulsivität!"
Und was hat am meisten genervt? "Dass er manchmal wenig zu Hause war."

16.04.2016, 17:04
Conny Bischofberger, Kronen Zeitung
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