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02.12.2016 - 19:34
An der Privatschule wird der Unterricht offenbar von strenggläubigen Muslimen mitbestimmt.
Foto: Peter Tomschi

Von Islamschule gefeuerter Lehrer im "Krone"- Talk

26.10.2014, 11:01
Weil er seinen Schülern Musik näherbringen wollte, hat ein 37-jähriger Lehrer in Wien seine Anstellung verloren. Im Exklusivinterview mit der "Krone" spricht der Mann, der anonym bleiben möchte, über die Vorfälle, die Auslegung des Koran und seinen Alltag an der islamischen Privatschule in Floridsdorf.

Klassische Musik und Gesangspädagogik hatte der 37- jährige Ägypter an der Universität Kairo studiert. Vor fünf Jahren kam der fließend Deutsch sprechende Lehrer "aus Liebe zu Beethoven" nach Österreich. Nach diversen Musikworkshops an Schulen in Wien- Ottakring oder im niederösterreichischen Puchberg am Schneeberg bewarb er sich für eine freie Stelle in der islamischen Privatschule "Austrian International School" in Wien- Floridsdorf.

Auch dort wollte er den Schülern die Welt der Klänge näherbringen. Doch einem Großteil der Eltern war das ein Dorn im Auge. Denn sie sind strenge Anhänger jener Auslegung des Islam, in der Musik strikt abgelehnt wird. Die bittere Folge für den leidenschaftlichen Pädagogen: Er wurde fristlos gekündigt. Seitdem tobt ein Konflikt darüber, wer den Unterricht an heimischen Schulen bestimmt: Lehrplan oder religiöse Auffassungen?

"Krone": Mit Ihrer österreichischen Lebensgefährtin – auch eine Pädagogin – leben Sie in einer kleinen Wohnung im Burgenland. Sie sind 37 Jahre alt, Moslem und Ägypter. Mehr wollen Sie zu Ihrer Identität nicht preisgeben. Warum?
Lehrer: Ich fürchte mich vor jener Gruppierung, die dafür verantwortlich ist, dass ich von einem Tag auf den anderen meinen Job verloren habe.

"Krone": Meinen Sie damit die Eltern, die sich gegen Ihren Musikunterricht ausgesprochen haben?
Lehrer: Vielmehr die Väter meiner Schützlinge. Die Mütter hatten nicht viel zu sagen.

"Krone": Wenn sie für Ihre Entlassung verantwortlich sind, dann haben sie doch nun ihr Ziel erreicht, oder?
Lehrer: Ich habe 32 Jahre lang in der arabischen Welt gelebt. Ich kenne diese Art von Extremisten. Sie vertrauen ihrem Imam blind, wurden einer Gehirnwäsche unterzogen. Diese Menschen sind gefährlich. Obwohl ich selbst Moslem bin, bin ich in ihren Augen ein Ungläubiger.

"Krone": Zum Verständnis für alle Nicht- Muslime: Was hat es nun mit dem Islam und der Musik tatsächlich auf sich?
Lehrer: Im Koran steht: Menschen töten ist verboten, Alkohol trinken und Schweinefleisch essen ist verboten. Von einem Musik- Verbot steht da keine Zeile.

"Krone": Auf wen oder was berufen sich dann jene, die jegliche Art von Klängen ablehnen?
Lehrer: Sie glauben an eine Fehlinterpretation des Koran. Es ist erschreckend, dass Leute mitten in Österreich von Dingen überzeugt sind, die nicht einmal einige Verwandte von mir, die nie aus Kairo hinausgekommen sind, glauben würden.

"Krone": Warum soll Musik laut dieser strengen Auslegung schlecht sein?
Lehrer: Instrumente sind Teufelszeug. Lieder, Melodien sind Haram (verboten, Anm.). Sie werden mit Waffen gleichgesetzt.

"Krone": Wie haben eigentlich die Mädchen und Buben in der Klasse reagiert, wenn Sie die Gitarre ausgepackt oder "Die kleine Nachtmusik" eingelegt haben?
Lehrer: Die Kleinsten der Schüler schrien "Das ist verboten!" und wiederholten die Aussagen ihrer Väter wie Papageien. Die Älteren aus der Mittelschule konnten sich für einige meiner Methoden sogar begeistern.

"Krone": Die Kündigung sprach letztlich die Schulleitung aus. Wie genau begründete man diese Entscheidung?
Lehrer: Zunächst hieß es, dass die Eltern der Schüler keinen Musikunterricht wünschen. Als ich dann einen Brief an den Stadtschulrat schickte, um ihn über diese pädagogische Fehlentscheidung zu informieren, behauptete man plötzlich, ich wäre unqualifiziert.

"Krone": Welche Ausbildung haben Sie denn genau?
Lehrer: Neben klassischer Musik und Gesangspädagogik an der Uni habe ich am Konservatorium in Kairo Cello, Klavier und Gitarre studiert. Auch bin ich ausgebildeter Dirigent und Komponist. Ein Jobangebot als Musiker in Boston hatte ich aus Liebe zu Österreich ausgeschlagen.

"Krone": Bereuen Sie Ihre Entscheidung jetzt?
Lehrer: Man darf nicht von einigen radikalen Personen auf alle schließen. Ich habe mir hier ein Privatleben aufgebaut und hoffe, ich kriege beruflich eine neue Chance.

26.10.2014, 11:01
Brigitte Quint, Kronen Zeitung
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