Werbung
Willkommen
|
Facebook Twitter Google Plus
22.02.2017 - 19:06
Foto: Heeresgeschichtliches Museum Wien, Kremayr & Scheriau Verlag

Von der k.u.k.- Kriegsheldin zur Gehilfin Hitlers

14.09.2015, 14:23
Viktoria Savs war eine der bekanntesten Frontsoldatinnen des Ersten Weltkriegs. Wie viele ihrer Geschlechtsgenossinnen diente sie unerkannt. Beim Einsatz an der Dolomitenfront verlor sie ihr rechtes Bein und wurde von der Kriegspropaganda zur Volksheldin stilisiert. Später geriet Savs in den Dunstkreis der Nationalsozialisten, trat der NSDAP bei und diente in der Wehrmacht. Eine jüngst erschienene Biografie eröffnet neue Einblicke in das Leben des "Heldenmädchens von den Drei Zinnen".

Heldengeschichte oder Propaganda? Viktoria Savs wurde 1899 in Bad Reichenhall geboren, mit 15 Jahren meldete sie sich nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 freiwillig. Mit dem Wissen ihrer Vorgesetzten diente Savs verkleidet als Soldat "Hansl" in der k.u.k.- Armee an der Dolomitenfront an der Seite ihres Vaters. Für ihre Tapferkeit erhielt sie mehrere Orden. Nun liegt die erste Biografie der Kämpferin  vor, in der Autor Frank Gerbert die Person und das Leben Savs' als durchaus umstritten darlegt.

Viktoria Savs mit ihrem Vater an der Front (li.) und als Soldat "Hansl" mit ihren Orden (re).
Foto: Heeresgeschichtliches Museum Wien

So vermutet er hinter ihrem Einsatz in den Dolomiten eine Propagandaaktion der Kriegsherren. Man habe das Mädchen zur "heiligen Johanna der Schlachtfelder" aufbauen wollen, schreibt Gerbert. Denn: Frauen, die im Ersten Weltkrieg in den Armeen als Kraftfahrerinnen, Krankenschwestern und Versorgungskräfte dienten, gab es überall.

Und auch inkognoto dienten Österreicherinnen in der Armee: Die Wienerin Maria Senta Hauler etwa wurde als vermeintlicher "Schütze Wolf Hauler" ins Infanterieregiment aufgenommen und erhielt für ihren Einsatz eine Tapferkeitsmedaille. Als ihre falsche Identität aufflog, wurde sie in den Nachrichtendienst überstellt. Die Vorarlbergerin Stephanie Hollenstein wiederum rückte als "Stephan" an die Front ein und musste, nachdem der "Irrtum" bemerkt worden war, den Dienst quittieren. Sie arbeitete danach als malende Berichterstatterin.

Heldengeschichte oder Propaganda?

Doch die Geschichte von Viktoria Savs, des "Heldenmädchens von den Drei Zinnen", war in dieser Form in Europa einmalig - und wurde entsprechend ausgeschlachtet. Am 27. Mai 1917 soll die Soldatin mit einer Munitionskiste durch eine Felsrinne geklettert sein, als über ihr angeblich eine italienische Granate einschlug. Abgesprengtes Gestein habe ihr das Bein zerschmettert, nur ein paar Sehnen hätten den Unterschenkel noch am Körper gehalten, hieß es. Wie die Kriegspresse berichtete, soll die "eiserne Maid" noch versucht haben, das Bein mit einem Messer abzuschneiden, um ihre Pflicht zu erfüllen. Im Lazarett amputierte man ihr schließlich den Unterschenkel.

Gerbert, der bei seinen Recherchen auch Zeitzeugen befragte und Originaldokumente sichtete, zweifelt allerdings an dieser Darstellung der Ereignisse. Denn einige von Savs' Kameraden berichteten 1919, sie sei in eine Felssprengung der eigenen Leute geraden, als sie gerade an einem "höchst menschlichen Ort saß" - also "Friendly Fire" auf dem Klo. Doch das wollte während der gnadenlosen Alpenschlacht natürlich niemand hören, und so wurde Viktoria Savs zur Heldin stilisiert - und nach Kriegsende schnell vergessen.

Später im Dunstkreis der Nazis

Die Biografie der wehrhaften Frau zeigt auf schaurige Weise, wie aus Mut und Patriotismus Hass und Fanatismus werden können. So geriet die Ex- Soldatin in den Dunstkreis der Nationalsozialisten, 1933 trat sie der österreichischen NSDAP bei. Weil man ihr nicht einmal die angeblich kaputte Prothese ersetzte, schenkte ihr der "Führer" 1934 eine neue. 1938 trat sie schließlich in die Wehrmacht ein und diente an der Seite der SS in Serbien.

Im Dezember 1944 wurde Savs nach ihrem Umzug nach Salzburg von der NSDAP zum Blockleiter ernannt. Sie stand damit am unteren Ende der Hierarchie von nationalsozialistischen Parteifunktionären. In dieser Funktion war sie Teil des Überwachungsapparates der Gestapo, denn ihre Aufgaben umfassten unter anderem das Melden von "Judenfreunden" sowie Denunziationen.

Nach Kriegsende lebte Savs weiter in Österreich, bis in die 1950er nahm sie immer wieder an Veteranentreffen teil. Sie starb in der Silvesternacht 1979. Der Lehrgang 1999 der Heeresunteroffiziersakademie des Bundesheeres wurde nach ihr benannt.

14.09.2015, 14:23
red
Kommentare  
Kommentare sortieren nach:
km_num_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
Antworten sortieren nach:
km_antworten_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).
Werbung
Werbung
Meistgelesen
Meistkommentiert
Werbung
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; Muthgasse 2, 1190 Wien
Krone Multimedia © 2017 krone.at | Impressum