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24.04.2017 - 16:39
Foto: Screenshot groupdf.com/en/about/mission-vision

Ukrainischer Oligarch (48) in Wien verhaftet

13.03.2014, 16:56
Kommandoaktion im Auftrag der US-Bundespolizei FBI Mittwochabend in Wien. Vor der Konzernzentrale seines Gas-Imperiums wurde der milliardenschwere ukrainische Oligarch Dmytro Firtasch (48) von Fahndern des Bundeskriminalamtes und der Elitepolizei Cobra gefasst. Er sitzt nun in Auslieferungshaft. Seit Jahren laufen gegen einen der reichsten Bürger seines jüngst in Turbulenzen geratenen Landes Ermittlungen. Er soll auch Politiker bestochen haben.

Meist war es Ende Dezember so weit. Kaffee, Kuchen, ein paar freundliche Reden und dann gab es das, worauf alle warteten - Geld. Die jährliche Aktionärsversammlung der Centragas Holding in der Wiener Löwelstraße lief immer nach demselben Muster ab.

Foto: Andi Schiel

Um die 245 Millionen Euro wurden so zum Beispiel alleine 2007 ausgeschüttet - meist an Herren in dunklen Anzügen, mit osteuropäischem Akzent und protzigen Limousinen. Übrigens sehr zum Missfallen der Grün- Abgeordneten Gabriele Moser, deren Parlamentsklub damals im selben Gebäude residierte, und deren Radroute immer wieder von ukrainischen Chauffeuren behindert wurde.

Ebenfalls zur "weihnachtlichen Tradition" gehörte, dass 90 Prozent des ausgeschütteten Betrags auf das Konto eines einzigen Mannes flossen: Dmytro Firtasch, seines Zeichens Centragas- Firmeninhaber, milliardenschwerer Oligarch - und seit Mittwochabend U- Häftling in der Justizvollzugsanstalt Josefstadt!

Bei Polizeizugriff von Bodyguards begleitet

Denn bei der Kommandoaktion vor der 2009 in die Schwindgasse (kl. Bild) in Wien- Margareten verlegten österreichischen Firmenzentrale seines Geschäftsimperiums - gleichzeitig auch seine Meldeadresse - halfen dem Magnaten auch seine Bodyguards nichts mehr.

Seit acht Jahren hatte der US- Geheimdienst FBI wegen Bestechung, Bildung einer kriminellen Vereinigung und vermutlich auch Geldwäsche und diversen anderen Delikten gegen den Finanzjongleur ermittelt. Stets war "die Suppe zu dünn" für eine Festnahme.

Haftbefehl im Sommer 2013 ausgestellt

Im Sommer 2013 wurde vom Bezirksgericht Illinois ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt und nun konnte ausgerechnet Österreichs Eliteeinheit Cobra mit dem Büro für organisierte Kriminalität zuschnappen und einen internationalen Zugriffserfolg feiern.

Die Vorwürfe, die Firtasch zur Last gelegt werden, sind lang: So soll der Besitzer von zwei Privatjets, die pikanterweise von der Raiffeisen- Bank finanziert worden sein sollen, für seinen Mischkonzern "Group DF" - der u.a. an Düngemittelkonzernen und Medien beteiligt ist - die indische Regierung bestochen haben. Dabei ging es um und ein Titanförderungsprojekt - und alleine in diesem Fall "läppische" 18 Millionen Dollar.

In Österreich selbst laufen laut Mario Hejl, Sprecher des Bundeskriminalamtes, keine Ermittlungen gegen den Ukrainer. Das Landesgericht für Strafsachen in Wien wird nun über den weiteren Verbleib des Oligarchen entscheiden. "Binnen 48 Stunden nach Verhaftung muss entschieden werden", weiß Nina Bussek, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien. Im Fall Firtasch läuft die Frist am Freitag kurz vor Mitternacht ab.

Steckbrief von Dmytro Firtasch

Der Erdgasmilliardär Firtasch (geschätzte 4 Milliarden Dollar) zählt zu den drei mächtigsten Top- Oligarchen der Ukraine. Er ist in der österreichischen Geschäftswelt kein Unbekannter. Für seine weit verflochtenen und undurchsichtigen Firmenkonstruktionen schätze er Österreich als Standort, darunter für seinen Mischkonzern "Group DF".

Firtasch unterhält enge Beziehungen zum russischen Ölriesen Gazprom. Von dort bekam er Erdgas zu einem spektakulär günstigen Preis, das er u. a. an Österreich weiterverkaufte. Bei der für diesen Handel konstruierten Firma RosUkrEnergo kam die Raiffeisen Invest ins Gerede. Firtasch wurde später von seiner Rivalin Julia "Gasprinzessin" Timoschenko im Geschäft mit Russlands Präsident Wladimir Putin ausgebootet. Der frühere ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch steckte Timoschenko deshalb ins Gefängnis.

13.03.2014, 16:56
Gregor Brandl und Christoph Budin, Kronen Zeitung/AG/red
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