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27.02.2017 - 19:03
Foto: Klemens Groh / Video: krone.tv

Spektakulärer Flug über Stift Klosterneuburg

12.07.2015, 07:56
Hier trifft Vergangenheit auf Zukunft, historisches Erbe auf modernste Technik. Denn zum ersten Mal steigt eine Drohne im Inneren eines jahrhundertealten Kulturerbes auf, um außergewöhnliche Bilder einzufangen. "Krone"-Spezialisten aus den Bereichen Entwicklung, Social Media und krone.tv haben sich für ein spektakuläres Projekt zusammengeschlossen: Geschichte in einem Video völlig neu aufzubereiten - mithilfe von Flugrobotern und garniert mit einer Fülle historischer Details. Unternehmen Sie mit uns eine spektakuläre Kamerafahrt über das Juwel an der Donau und lesen Sie, wie ein tödliches Pilzgericht einen gewaltigen PR-Coup verhinderte.

Wenn politischer Stillstand eingetreten ist und überfällige Reformen ausbleiben - dann hilft nur noch eines: ein gigantisches PR- Ablenkungsmanöver. Diese Logik ist nicht neu, bereits Kaiser Karl VI. (1685- 1740) versuchte, fehlende politische Inhalte durch eine große Show zu ersetzen. Die Regierungszeit Kaiser Karls, bekannt als Vater von Maria Theresia, war, gelinde gesagt, durchwachsen: Seit Jahrzehnten waren drängende Reformen in Verwaltung und Militär ausständig, der Staat überschuldet und das Steuersystem höchst ineffizient. Antworten auf brennende tagespolitische Fragen bot Karls VI. veraltetes Herrschaftsverständnis keine. Er kümmerte sich nur mehr darum, bei den europäischen Großmächten seine Tochter Maria Theresia als Erbin der österreichischen Erblande durchzusetzen. Denn Karl VI. war der letzte lebende männliche Habsburger, er hatte keinen Sohn der ihm nachfolgen konnte.

Der Staat steuerte auf eine Katastrophe zu - und was machte der Kaiser? Er widmete sich mit Hingabe dem Ausbau von Stift Klosterneuburg. Wie das kam? Das Stift, das traditionell eine enge Bindung zu den jeweiligen Landesherren hatte, sollte, so wollten es seine Besitzer, die Augustiner Chorherren, moderat ausgebaut werden. Als dem Kaiser bei einem seiner Besuche die Umbaupläne vorgelegt wurden, traf er eine folgenreiche Entscheidung: Er selbst würde den Umbau in die Hand nehmen. Ein riesiger barocker Komplex mit weitläufigen Flügeln, mehreren Innenhöfen, mächtigen Kuppeln und natürlich prunkvollen Kaiserappartements sollte entstehen.

Fliegen Sie mit uns durch die prunkvollen Zimmer des Kaisers:

Video: krone.tv

Statt Staatsreformen lieber Staatsmystik

Warum sich der Kaiser für den Ausbau eines Stiftes mehr engagierte als für die Reform seines Staates? Weil es sich erstens um ein ganz besonderes Stift handelte und zweitens hinter dem Umbauprojekt des Kaisers ein Plan steckte: Karl schwebte die Verschmelzung von staatlicher und religiöser Symbolik in der Gestalt eines architektonischen Denkmals vor. Das Stift sollte zu einer bombastischen Klosterresidenz - nach dem Vorbild des riesigen spanischen "El Escorial" - ausgebaut werden und damit den weltlichen und religiösen Führungsanspruch der Habsburger verdeutlichen. Stift Klosterneuburg sollte also nichts weniger als ein Symbol der habsburgischen Supermacht werden. Hinter der Wahl des Stiftes steckte Kalkül: Hier liegt der Landesheilige Leopold begraben, hier wurde die Landeskrone Österreichs, der "österreichische Erzherzogshut", aufbewahrt - mehr Staatsmystik ging nicht.

Sehen Sie sich den Erzherzogshut aus der Nähe an:

Video: krone.tv

Der allumfassende kaiserliche Machtanspruch sollte durch die Schaffung eines Mega- Stiftskomplexes verdeutlicht werden - das war umso wichtiger, als die politische Realität längst anders aussah. Karl VI. mochte zwar noch immer dem "spanischen Traum" nachhängen, der Idee der Wiederherstellung des weltumspannenden Reiches der Habsburger in dessen Reich die Sonne nie unterging, doch dieser Wunsch hatte sich realpolitisch längst überlebt. Karl hatte Spanien im "spanischen Erbfolgekrieg" an Frankreich verloren und die Staatsfinanzen an den Rand des Bankrotts gebracht.

Selbst bezahlen wollte der Bauherr seinen Prestigebau nicht

Bezahlen sollte diesen Mega- Bau aber nicht der Kaiser, die Kosten sollte das Stift tragen, das mit dem Bauauftrag zwangsbeglückt wurde. Hier war Karl ganz typischer Barockherrscher: Die großen architektonischen Würfe hatten andere zu übernehmen. Dass man durch diese Haltung Kirchen- und Ordensvermögen schmälerte, entsprach ganz dem Zeitgeist des Absolutismus: Der Einfluss von Kirche und Orden musste sowie eingedämmt werden - es konnte nur einen Machtfaktor im Staat geben und das war der Monarch.

Der Bau schritt voran, am 25. November, dem Leopolditag des Jahres 1739, konnte Karl VI. erstmals in seinen Kaiserappartements übernachten. Eigentlich wollte er seinen Lebensabend in der künftigen Klosterresidenz verbringen, stattdessen sollte es bei dieser einzigen Übernachtung bleiben.


Tod durch hochgiftigen Knollenblätterpilz?

Denn das kaiserliche Mega- Bauprojekt fand ein plötzliches Ende: Karl VI. starb am 20. Oktober 1740 im Alter von 55 Jahren. Nach dem Genuss eines Pilzgerichtes zeigte er alle Symptome einer Vergiftung. Warum der Kaiser nach zehn Tagen, in denen er sich erholt hatte, wieder ein Pilzgericht serviert bekam, erscheint rätselhaft. Nach dem neuerlichen Verzehr von Pilzen starb Karl VI. Bis heute halten sich Spekulationen, dass sich ins Essen des Kaisers ein hochgiftiger Knollenblätterpilz geschmuggelt hätte.

Als der Kaiser starb, stand ein riesiger Rohbau in der Landschaft. Die Nachfolgerin Karls VI., Maria Theresia, die erste und bis dato letzte Frau an der österreichischen Staatsspitze, widmete sich lieber den drängendsten Staatsproblemen als dem unvollendeten Prestigebau ihres Vaters: Sie war es, die endlich die österreichischen Erblande grundlegend reformierte und einen modernen Staatsapparat schuf. Stift Klosterneuburg interessierte die resolute junge Dame nicht, das gab sie den Chorherren auch deutlich zu verstehen. Diese hatten keine Lust auf einen riesigen Neubau und vollendeten nur die bereits bestehenden Trakte. Achtmal so groß wie es heute ist, hätte das Stift nach dem Willen des Kaisers werden sollen, noch heute sind vor Ort unverputzte Ziegelwände neben barocker Pracht zu finden und erinnern an den geplatzten PR- Coup eines Kaisers.

12.07.2015, 07:56
Martina Winkelhofer, Kronen Zeitung/red
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