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22.06.2017 - 22:44
Foto: Kristian Bissuti

Sophie Karmasin: "Da war sofort dieses Feuer da"

19.12.2013, 16:35
Eine Karrierefrau und Mutter ist neue Familienministerin der Regierung Faymann II: Mit Conny Bischofberger sprach Motivforscherin Sophie Karmasin (noch 46) über das verstaubte Frauenbild der ÖVP, ihr eigenes Rollenbild und den Wendepunkt in ihrem Leben.

Architektonisch gesehen ist das Familienministerium ein Stiefkind der neuen Regierung: Es ist in einem unscheinbaren Hochhaus am Wiener Franz- Josefs- Kai untergebracht und kann mit dem imperialen Ambiente der anderen Ministerien nicht mithalten. Im achten Stock sitzt Sophie Karmasin in einem Übergangsbüro mit blutrotem Gemälde einer gewissen Irma Eberl an der Wand und schlüpft langsam in ihre neue Rolle: Von der Motivforscherin und ORF- Wahlanalystin zur Familienministerin der ÖVP, warum tut sie sich das an?

Foto: Kristian Bissuti

Hier gibt es drei Hörproben vom "Krone"- Interview mit Sophie Karmasin: Clip 1  über das Zukunftsministerium des Landes, Clip 2  über die Themen, die Österreichs Familien einfordern und Clip 3  über Ideologien und Lebensrealitäten.

Karmasin (sie wird am 5. Jänner 47) trägt eine auberginefarbene Seidenbluse und silberne Ohrhänger mit jeweils drei Diamanten. Vor ihr liegen der schwarze Blackberry und das Arbeitsprogramm der österreichischen Bundesregierung. Argumentieren war immer ihr Job; seit es um ihre Qualifikationen als Politikerin geht, verwendet die Quereinsteigerin immer wieder das Wort "lebensnahe". Was sie genau damit meint, erklärt sie im Antrittsinterview mit krone.at.

"Krone": Frau Karmasin, was war das für ein Moment, in dem Michael Spindelegger Sie angerufen und gefragt hat, ob Sie Ministerin werden wollen?
Sophie Karmasin: Das war am Mittwochabend um 18.30 Uhr, ich habe im Büro gerade meine Sachen zusammengepackt. Herr Spindelegger sagte: "Ich habe eine Frage an Sie. Das kommt jetzt sehr überraschend. Wollen Sie unabhängige Familien- und Jugendministerin werden?" Ich dachte: Bin ich da jetzt im falschen Film?

"Krone": Was haben Sie geantwortet?
Karmasin: Ich wollte sofort wissen wie, was, wo? Aber er meinte, ich solle mir das überlegen und wir könnten am Donnerstag in der Früh telefonieren.

"Krone": Wie haben Sie in dieser Nacht geschlafen?
Karmasin: So gut wie gar nicht (ringt sich ein Lächeln ab). Wie die letzten Tage auch.

"Krone": Welcher Film ist auf dem Nachhauseweg in Ihrem Inneren abgelaufen?
Karmasin: Ich habe ja mit Engagement und Leidenschaft ein Unternehmen in der Privatwirtschaft geführt, es war ja nicht so, dass ich dachte: "Wunderbar, endlich darf ich da raus!" Aber die Faszination für das Neue war dann stärker, da war sofort dieses Feuer da. Ich wusste, ich will das, und der Rest wird sich finden.

"Krone": Hat Ihr Mann Sie nicht gewarnt?
Karmasin: Mein Mann würde nie sagen: "Was tust du dir denn da bitte an?" Er hat mich gefragt: "Willst du es?" Als ich "Ja" gesagt habe, meinte er: Dann machen wir das. Natürlich hab' ich mir auch von den Kindern das Okay geholt. Sie sehen das sehr entspannt, so nach dem Motto: Die Mama hat jetzt einen neuen Job. Und ein Freund hat gemeint: Wenn du das mit deinem Hintergrund, deiner Erfahrung und deinem Zugang nicht machst, dann würde die Politik etwas vermissen.

"Krone": Aber rekrutiert man so Personal für die Bundesregierung, indem der Parteiobmann am Abend mehrere Kandidaten anruft und hofft, dass einer am nächsten Morgen zusagt?
Karmasin: Das Timing bei den Koalitionsverhandlungen war eben extrem straff, und ich bin ehrlich gesagt froh, dass es nicht andersherum gelaufen ist. Dass man zuerst über die Personen diskutiert hat und dann über die Inhalte.

"Krone": Über Nacht Ministerin: Was qualifiziert Sie denn für diese Aufgabe?
Karmasin: Zunächst habe ich als Meinungsforscherin sicher mit 20.000 Familien persönlich gesprochen und kenne ihre Probleme sehr genau. Ich habe ja auch viele Vereinbarkeitsstudien gemacht. Und dann natürlich meine eigene Lebenssituation, ich habe immer Job, Kinder, Mann und Haushalt organisiert, also ich weiß, was das für Herausforderungen sind, obwohl ich natürlich privilegiert bin – sowohl was meine Familie betrifft, als auch finanziell und organisatorisch.

"Krone": Gerade die ÖVP macht es aber Familien nicht ganz leicht… Zum Beispiel in der Frage der Ganztagsschule, von der berufstätige Eltern sehr profitieren würden.
Karmasin: Ja, deshalb unterstreiche ich den Ausbau von Ganztagsschulen hundertprozentig. Aber da ist jetzt wirklich viel passiert. Im Regierungsprogramm ist nicht nur ein Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen vorgesehen – qualitativ und quantitativ -, sondern eben auch ein Ausbau der Ganztagsschulen und eine Erhöhung der Familienbeihilfe. Dieser Paradigmenwechsel in der ÖVP war für mich ein wichtiger Grund, das Angebot als Ministerin anzunehmen.

"Krone": Hand aufs Herz: Hat auch Eitelkeit mitgespielt?
Karmasin: Nein… Mir geht es wirklich um die Sache. Beim Thema Familie bin ich zuhause, im wahrsten Sinn des Wortes. Ich will, dass sich Familien in diesem Land anerkannt fühlen und gemocht. Ich möchte, dass man sich freut, wenn eine Familie mit Kindern in die U- Bahn einsteigt und man nicht die Nase rümpft. Wenn wir es nicht schaffen, diesen Bereich positiv zu besetzen, die Familien mit mehr Möglichkeiten und Chancen auszustatten, dann verzichtet Österreich auf ein Stück Zukunft. Familien sind wertvoll, wichtig und unterstützenswürdig.

"Krone": Wie würden Sie Familie definieren?
Karmasin: Ich bin nicht die moralische Instanz, die sagt, was Familie zu sein hat. Für mich persönlich ist Familie überall dort, wo Menschen sich zuhause fühlen. Als Ministerin kümmere ich mich in erster Linie um jene Familien, bei denen Kinder im Spiel sind.

"Krone": Zwei Schwule oder Lesben adoptieren ein Kind: Ist das auch Familie?
Karmasin: Grundsätzlich gehört das unter anderem in meinen Bereich. Aber primär geht es um 2,3 Millionen Familien in Österreich. Darüber hinaus gibt es aber natürlich verschiedenste Modelle, wie Familie funktionieren kann, die sind alle zu respektieren.

"Krone": Ihre Partei ist gegen eine Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren, Sie auch?
Karmasin: Da geht es jetzt um Wortklauberei, um Ideologien, aber weniger um die Lebensrealitäten. Ich kenne viele gleichgeschlechtliche Paare, die mit der eingetragenen Partnerschaft wunderbar zufrieden sind.

"Krone": Ist Ihnen bewusst, dass Sie für die ÖVP mit ihrem etwas verstaubten Frauenbild die Rolle der modernen Frau einnehmen sollen?
Karmasin: Ich denke nicht darüber nach, welche Rolle ich spielen darf, soll oder muss. Wenn das jemand hineininterpretieren will – soll so sein. Mein Anspruch ist ein anderer.

"Krone": Sie haben sich selbst einmal als "Emanze" bezeichnet. Was meinen Sie damit?
Karmasin: Das war vor langer Zeit… Emanze – so würde ich mich heute nicht mehr bezeichnen, weil dieser Begriff in meinen Augen veraltet ist.

"Krone": Was sind Sie jetzt?
Karmasin: Eine lebensnahe, offene, sehr aktive Frau.

"Krone": Waren Sie nie Parteimitglied?
Karmasin: Nein, und ich werde es auch nie sein. Weil ich sehr sachorientiert bin, ich will Themen pragmatisch und ideologiefrei angehen. Und ich hoffe, auch andere Parteien für meine Themen begeistern zu können. Mir ist das ganz wichtig: Ich gehe als unabhängige Bürgerin in die Politik.

"Krone": Die ÖVP hat mit Quereinsteigern bisher nicht so gute Erfahrungen gemacht. Werden Sie eine Ausnahme sein?
Karmasin: Davon bin ich stark überzeugt.

"Krone": Wie wird es sein, künftig in der ZiB, wo Sie oft als Expertin gesessen sind, als angreifbare Politikerin Rede und Antwort zu stehen?
Karmasin: Ich wechsle natürlich die Rolle, aber ich hoffe, dass mich die Journalisten noch immer als Expertin anerkennen. Ich gebe ja meine Expertise und meine Kompetenzen jetzt nicht ab.

"Krone": Abgeben mussten Sie – aufgrund des Vereinbarkeits- und Transparenzgesetzes - die Geschäftsleitung für Ihr Marktforschungs- Unternehmen. An wen?
Karmasin: Zunächst an meine Mutter. Später wird auch mein Mann möglicherweise noch eine Rolle spielen, aber das ist noch in Diskussion. Jedenfalls habe ich vor der Angelobung alle rechtlichen Schritte unternommen, die nötig waren.

"Krone": Ihr Vater ist im Mai gestorben. Was würde er sagen, wenn er wüsste, dass Sie jetzt Ministerin sind?
Karmasin: Das hab' ich meine Mutter auch gefragt. Ich glaube, er wäre stolz. Er hat mir so unglaublich viel mitgegeben: Empathie, Durchhaltevermögen, Hausverstand, Solidaritätsgefühl… All das kann ich jetzt sehr gut gebrauchen.

"Krone": Und was sagt Ihre Mutter?
Karmasin: Meine Mutter meint: "Jetzt bist du das, was du immer insgeheim wolltest." Mir war das nie so richtig bewusst. Aber unausgesprochen war das immer mein Lebenstraum.

Ihre Karriere

Geboren am 5. 1. 1967 als Tochter der Meinungsforscher Fritz und Helene Karmasin. Sophie studiert Psychologie und Betriebswirtschaft, ihr Bruder Matthias ist ebenfalls in der Kommunikationsbranche. Seit 2006 war sie (bis vergangenen Donnerstag) Geschäftsführerin der Karmasin Motivforschung GmbH. Im Wahlkampf beurteilte sie für den ORF das Auftreten der Politiker. Die Motiv- und Meinungsforscherin ist mit einem Manager verheiratet und hat zwei Söhne (zehn und 13 Jahre alt).

19.12.2013, 16:35
AG/red
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