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09.12.2016 - 23:54
Foto: Peter Tomschi

Sind Sie Straches Joker, Herr Krauss?

25.07.2014, 18:11
Heinz-Christian Straches Streich, einen 21-Jährigen in den Wiener Stadtschulrat hieven zu wollen, sorgt für politischen Wirbel. Bürgermeister Michael Häupl legt sich jedenfalls quer. Im ersten Interview spricht Maximilian Krauss deshalb gleich Klartext.

Freitagmittag, ein 20 Quadratmeter großes Zimmer mit wartenden Journalisten, sechs TV- Kameras und Mikrophonen von ORF bis Puls 4. In den Vorzimmern wird Kette geraucht. "Unser Herz schlägt rot- weiß- rot" steht auf riesigen Plakaten, an den Wänden Poster von HC in diversen Siegerposen. Angesagt: die erste Pressekonferenz von Maximilian Krauss, den die FPÖ als zweitstärkste Partei in den Wiener Stadtschulrat hieven will.

Foto: Peter Tomschi

Um Punkt 11.03 Uhr steigt die Parteispitze vom Dachgeschoß in den dritten Stock hinab: Strache, Gudenus, Krauss und Pressesprecher  Glier. Während Parteichef Strache die "linke Jagdgesellschaft" beschuldigt, seine Zukunftshoffnung schlechtzureden, der ÖVP vorwirft, nach ihren "Beißattacken mit Schaum vor dem Mund" herumzurennen, und wieder einmal die "medizinische Kastration von Sexualverbrechern" fordert, gibt Bürgermeister Häupl 200 Meter weiter westlich bekannt, "nicht der Oberkellner der FPÖ zu sein, der Bestellungen entgegennimmt" (siehe Infobox).

Der Polit- Streit um den 21- jährigen Vize- Stadtschulratspräsidenten in spe (Strache nennt ihn "Maxi") treibt auf den Höhepunkt zu. Auf der Dachterrasse erzählt Maximilian Krauss im "Krone"- Interview dann, wie er als Sohn eines tief sozialdemokratischen Elternhauses bei den Freiheitlichen und bei einer schlagenden Verbindung gelandet ist, warum er sich auf die Aussprache mit Wiens Bürgermeister Michael Häupl freut und wie er sich seine politische Zukunft vorstellt.

"Krone": Herr Krauss, wer darf Sie noch "Maxi" nennen außer HC Strache?
Maximilian Krauss: Die meisten sagen Maximilian. Freunde nennen mich Max. HC kennt mich schon, seit ich 13 war. Also langjährige Freunde sagen "Maxi" zu mir. (lacht)

"Krone": In einem Satz: Was befähigt Sie, Vizestadtschulratspräsident von Wien zu werden?
Krauss: Mein Alter. Für SchülerInnen ist es wichtig, dass sie eine Ansprechperson haben, die in ihrer Altersgruppe liegt. Mein Büro wird immer offen sein - nicht so ein Hochsicherheitstrakt, wie ihn die Frau Brandsteidl (Susanne, Stadtschulratspräsidentin, Anm.) hat, wo man mit Passierscheinen durch irgendwelche Schleusen durch muss. SchülerInnen sollen einfach zu mir kommen und mir sagen, wo sie der Schuh drückt.

"Krone": Haben Sie gerade gegendert?
Krauss: Ich bin kein Fan des Binnen- I, aber in der Sprache habe ich kein Problem damit. Ich mache das nach Lust und Laune!

"Krone": Sie reden, als säßen Sie schon im Rathaus. Dabei hat der Wiener Bürgermeister ausrichten lassen, dass er ja nicht der Oberkellner sei, der Bestellungen von der FPÖ entgegennehme. Er lehnt Sie ab!
Krauss: Nein, das sehe ich nicht so. Das sind doch alles nur Formalismen. Nächste Woche wird der Stadtschulrats- Vize zurücktreten, und dann wird die FPÖ von ihrem in der Verfassung verankerten Recht Gebrauch machen, Krauss – also mich – zu nominieren. Es wäre demokratiepolitisch bedenklich, wenn Häupl das nicht akzeptieren würde.

"Krone": Freuen Sie sich auf das Gespräch mit ihm?
Krauss: Warum nicht? Ich kenne ihn nicht. Also sehe ich keinen Grund, mit ihm zu streiten. Er ist der Ranghöhere, dennoch erwarte ich mir von ihm Respekt.

"Krone": Verstehen Sie die Kritik, die Ihnen entgegenschlägt? Stadtschulratspräsidentin Brandsteidl zum Beispiel hat betont, für Ausländerfeindlichkeit und Hetze sei bei ihr kein Platz.
Krauss: Es ist doch klar, dass der politische Mitbewerber Kritik üben muss. In erster Linie ist ihre Ansage aber ein Zeichen dafür, dass sie nervös ist, dass da jemand kommen könnte, der ihr auf die Finger schaut und dem die Schüler Dinge sagen, die sie ihr vielleicht nicht sagen. Dass da Missstände ans Licht kommen. Drum versucht sie halt, mich zu beleidigen.

"Krone": Sie waren es ja, der von Ausländerklassen gesprochen hat.
Krauss: Ich habe von Klassen für Schüler gesprochen, die die deutsche Sprache noch nicht wirklich gut genug beherrschen, um dem Regelunterricht folgen zu können. "Der Standard" hat sie für mich in "Ausländerklassen" umformuliert. Ich würde sie als Deutschlernklassen bezeichnen. Solche empfiehlt übrigens auch die Expertenkommission des Integrationsstaatssekretariats – unter dem Namen "Migrationsklassen".

"Krone": Stimmt es, dass Sie Häupl als "Türken- Bürgermeister" bezeichnet haben?
Krauss: Ja, das ist ein Zitat von unserem Bundesparteiobmann, das ich auch übernommen habe. Wer gutheißt, dass am 1. Mai Hunderte türkische Fahnenträger mitmarschieren, der ist ein Türken- Bürgermeister.

"Krone": Was haben Sie gegen die türkische Fahne?
Krauss: Sie (die Türken, Anm.) haben an einem österreichischen Staatsfeiertag nichts verloren, solche Auswüchse begrüße ich nicht. Ich möchte deshalb meinen Beitrag leisten, dass sie sich bestmöglich integrieren und Teil unserer Gesellschaft werden - und sie nicht darin unterstützen, sich in einer Parallelgesellschaft abzukapseln.

"Krone": Und Sebastian Kurz ist der "Moslem- Staatssekretär"?
Krauss: Na ja, er hat ein eigenes Religionsrecht für den Islam gefordert, und wenn wir sehen, wie in islamischen Ländern die Rechte der Frauen mit Füßen getreten werden, und der Staatssekretär sich hier so engagiert, dann ist er der Staatssekretär auch für Moslems, dann bleibe ich dabei.

"Krone": Sie stammen ja aus einer tiefroten bürgerlichen Familie. Wie sind Sie zum Hardliner geworden?
Krauss: Ich bin aufgewachsen im 6. Wiener Gemeindebezirk, beim Esterhazypark. Schon damals hat man es als österreichstämmiger Jugendlicher schwer gehabt, sich dort in den Parkanlagen zu behaupten.

"Krone": Was heißt das?
Krauss: Es hat viele Übergriffe von Leuten gegeben, die eindeutig Migrationshintergund hatten.

"Krone": Welcher Art?
Krauss: Da sind Fußbälle gestohlen worden, da wurden ausländische Sprachen gesprochen, dass man nicht verstanden hat, was geredet wird. Das waren einfach Dinge, wo ich mich unwohl gefühlt habe.

"Krone": Aber das Verschwinden eines Balls ist doch kein Übergriff!
Krauss: Doch, es fand massives Mobbing und Ausgrenzung statt. Mir hat nicht gefallen, dass wir hier in der massiven Minderheit sind. Im Wien- Wahlkampf 2005 sind mir dann die großen Defizite und Mängel im Integrationsbereich bewusst geworden. Da habe ich HC Strache kennengelernt... Er war begeistert, dass sich jemand, der so jung ist, für die Partei engagieren will.

"Krone": Bei Jörg Haider hatten solche Mitstreiter einen eigenen Namen...
Krauss: Die Buberlpartie, ich weiß. Die sitzen jetzt leider alle auf der Anklagebank, von Grasser bis Meischberger. Deswegen bringen Sie mich bitte nicht mit diesen Personen in Verbindung.

"Krone": Also sind Sie eher Straches Joker?
Krauss: Ich werde jedenfalls mein Bestes beitragen zu einem besseren Bildungssystem in Österreich. Und als Vertreter der gut integrierten und autochthonen Schüler.

"Krone": Auto- was?
Krauss: Autochthon, altgriechisch für "einheimisch".

"Krone": Sind Sie für Türkisch als Maturafach?
Krauss: Nein, weil es bei der türkischen Community in Wien die meisten Integrationsdefizite gibt. Das wäre ein falscher Schritt.

"Krone": Sagen Sie Asylwerber oder Asylant?
Krauss: Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Ich habe beides schon verwendet.

"Krone": Sind Sie eine Provokation?
Krauss: Ganz im Gegenteil, ich bin ein Angebot für die Schülerinnen und Schüler, endlich eine gute Vertretung sicherzustellen.

"Krone": Ist Sebastian Kurz, der es mit 28 schon zum Minister geschafft hat, ein Vorbild für Sie?
Krauss: Nein, weil er keine einzige Integrationsmaßnahme gesetzt hat, die zu einer Verbesserung beigetragen hat. Ich werfe ihm da viele Versäumnisse vor, die Heinz- Christian als Bundeskanzler hoffentlich bald nachholen wird. Kurz hat viel schön gesprochen... Ja, man kann sagen, von seiner Art zu sprechen ist er sicherlich ein Vorbild. Er kann wirklich gut kommunizieren.

"Krone": Sehen Sie sich auch irgendwann als Minister?
Krauss: Ich werde dort sein, wo die Partei mich haben möchte, und das ist jetzt im Wiener Stadtschulrat.

"Krone": Werden Sie das Jusstudium bei diesen ehrgeizigen Plänen abschließen?
Krauss: Ich habe jedenfalls schon mehr ECTS- Punkte gesammelt als unser Bundeskanzler. Langfristig ist mein Ziel sehr wohl, fertig zu studieren, aber schnell wird das wohl nicht gehen.

"Krone": Sie sind auch Burschenschafter. Haben Sie auch Mensuren gefochten?
Krauss: Ja, sicher.

"Krone": Schmiss?
Krauss: Keinen sichtbaren. Aber unter den Haaren, auf dem Kopf, habe ich was.

"Krone": Von einer Säbelpartie?
Krauss: Nein. Schlägerpartie. Ich hab' nur eine Stahlbrille getragen, deshalb hat's mich erwischt.

Seine Karriere

Geboren am 8. Februar 1993 in Wien. Zwei jüngere Geschwister, die Eltern sind Juristen. Der Sohn beginnt 2011 ein Jusstudium (derzeit im 5. Semester). Bei der FPÖ seit 2006. Im März 2012 wird er mit 19 Jahren jüngster Bezirksparteiobmann, nun will HC Strache den 21- Jährigen zum Stadtschulratsvizepräsidenten in Wien machen. Krauss,  Mitglied der schlagenden Verbindung "Aldania", ist Single.

25.07.2014, 18:11
Conny Bischofberger, Kronen Zeitung
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