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03.12.2016 - 18:13
Elmar Oberhauser im Gespräch mit der "Krone"
Foto: DIETMAR STIPLOVSEK

Sind die Wunden schon verheilt, Herr Oberhauser?

16.05.2015, 12:28
Ein Schlaganfall vor eineinhalb Jahren brachte sein Leben ordentlich ins Wanken. Doch "der Bär", wie Elmar Oberhauser genannt wird, steppt wieder. Im Interview mit Emanuel Walser spricht der legendäre ehemalige ORF-Direktor über Todesängste, ORF-Wehmut und sein neues Leben als Großvater von Enkelsohn Benjamin.

Dass er noch vor Kurzem mit seinem Leben rang, ist Elmar Oberhauser nicht anzumerken: Bester Laune betritt er das Bregenzer Innenstadt- Café, ein fester Händedruck zur Begrüßung, die Krawatte sitzt, die Pointen ebenso. Der "Runde Tisch" kann also losgehen. Nur, dass diesmal nicht er es ist, der die Fragen stellt.

"Krone": Herr Oberhauser, im Herbst 2013 haben Sie einen schweren Schlaganfall erlitten. Wie geht's Ihnen jetzt?
Elmar Oberhauser: Den Umständen entsprechend gut. Der Schlaganfall war nur das eine Übel, denn es kam noch viel schlimmer. Am 4. September 2014 hatte ich einen ersten Hirnschlag, eine Woche später folgte während der Operation in Innsbruck der zweite. Das war heftig! Ich habe nächtelang regelrechte Todesängste durchgestanden.

"Krone": Wollte Ihnen die Krankheit etwas sagen?
Oberhauser: Klar, überhaupt keine Frage. Zum Asketen bin ich zwar trotz allem nicht geworden, aber zum Nachdenken hat mich die ganze Geschichte natürlich schon gebracht. Was mich am meisten ärgert: Ich habe immer gedacht, dass es mich nie erwischen wird. Was schlicht und einfach dumm war.

"Krone": Haben Sie Ihr Leben geändert? Wo sind die dicken Zigarren geblieben?
Oberhauser: Seit dem Schlaganfall habe ich keinen Zug mehr geraucht und trinke zudem maximal noch ein Achtel Wein am Tag - dieses wurde mir von den Ärzten nicht nur gestattet, sondern sogar empfohlen. Ich habe ja ein Leben lang geraucht, nicht selten begleitet von erheblichen Mengen Whiskey. Der kubanische Botschafter hat mir einmal erzählt, dass in seiner Heimat alle nur ungläubig mit dem Kopf schütteln würden, wenn er auf meinen Zigarrenkonsum zu sprechen käme (lacht).

"Krone": Gehen Sie es auch sonst ruhiger an?
Oberhauser: Sehr zum Leidwesen meiner Frau mache ich das nicht. Noch vor dem Schlaganfall habe ich meine eigene Firma gegründet, deren Eigentümer und Geschäftsführer ich nach wie vor bin. Ich mache im weitesten Sinne Medienberatung, handle jedoch vorrangig mit Fernsehrechten. Im Grunde bin ich immer noch jeden Tag unterwegs und pendle oft zwischen Vorarlberg und Wien. Das hält mich auf Trab, macht mir Spaß und ich kann viel von dem nutzen, was mir das Leben an Erfahrung und Wissen geschenkt hat.

"Krone": Sie haben beim ORF Karriere gemacht, Ihr Abgang im Jahr 2010 war allerdings nicht von Fanfarenklängen begleitet. Damals haben Sie sich gegen die Bestellung von Fritz Dittlbacher als Chefredakteur quergelegt, am Ende mussten Sie dann als Informationsdirektor den Hut nehmen. Sind die Wunden schon verheilt?
Oberhauser: Nein, die Wunden gibt's schon noch, obwohl ich mit dem Wrabetz (ORF- Generaldirektor Alexander Wrabetz, Anm.) mittlerweile ein völlig normales Verhältnis habe. In Wirklichkeit musste ich den Preis dafür zahlen, damit er sein Intimverhältnis zur SPÖ aufrechterhalten konnte. Ich habe lediglich offengelegt, dass Bundeskanzler Werner Faymann versucht hat, mir vorzuschreiben, wer Chefredakteur wird. Ein klarer Bruch des ORF- Gesetzes, welcher vom Stiftungsrat unter der "roten" Brigitte Kulovits- Rupp zumindest geduldet wurde! Das Grundübel ist, dass die jeweiligen politischen Machthaber seit jeher des dramatischen Irrglaubens sind, der ORF würde ihnen gehören. Wenn sich der ORF nicht völlig von der Politik loslöst, ist er meiner Meinung nach dem Untergang geweiht. Doch um einen legendären Sager von Franz Josef Strauß etwas frei zu interpretieren: Bevor die Politik die Hände vom ORF lässt, legt sich ein Dackel einen Wurstvorrat an. Meine Kritik ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass ich dem ORF ein ganzes Leben zu verdanken habe. Und ein sehr schönes noch dazu.

"Krone": Hat der politische Einfluss seit Ihrem Abgang zu- oder abgenommen?
Oberhauser: Mein Eindruck ist, dass die Distanz zwischen dem ORF und den Parteien geringer geworden ist. Was ja kein Wunder ist, wenn ein Generaldirektor auf Gnaden einer Partei im Chefsessel sitzt. Schade ist, dass vor Jahren die Chance nicht genutzt wurde, Gerhard Zeiler als Intendant in den ORF zurückzuholen. Er steht zwar bekanntlich auch der SPÖ sehr nahe, ist aber keiner, der sich von der Politik dreinreden lässt. Ich persönlich habe immer sehr viel von ihm gehalten. Er ist clever, gescheit und hochqualifiziert. Nicht umsonst ist er derzeit der wohl einflussreichste Medienmanager Europas und weit darüber hinaus.

"Krone": Ist Ihnen aus Ihrer Zeit als Info- Chef ein besonders dreistes Stück versuchter politischer Einflussnahme in Erinnerung?
Oberhauser: Viele sogar! Andererseits wusste auch jeder, dass mit mir nicht zu verhandeln war. Dies galt selbstverständlich auch für Politiker, mit denen ich freundschaftlich verbunden war. Ich erinnere mich noch gut an einen Kommentar des großen Peter Huemer im "Standard" bezüglich meines "Report"- Interviews mit Alfred Gusenbauer. Er kenne kein anderes Land, in welchem ein amtierender Bundeskanzler mit so einer Härte interviewt werden würde. Und dabei war der "Gusi" schon damals ein guter Freund von mir! Ich bin eben zutiefst davon überzeugt, dass Journalismus eine starke kritische Note haben muss. Die ORF- TV- Information war wohl nie so sauber und unabhängig wie unter mir als Informationsdirektor und Karl Amon als Chefredakteur.

"Krone": Sie haben sich nach Ihrem Abgang wegen ihrer Pensionsansprüche lange einen Rechtsstreit mit dem ORF geliefert, den sie am Ende durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofs gewonnen haben. Glauben Sie, dass dieser Ihrem Image geschadet hat?
Oberhauser: Das kann schon sein. Die Einträge in diversen Foren sind mir durchaus bekannt. Ich kann die Menschen ja verstehen, allerdings wurden sie über die Medien schlicht falsch informiert. Denn mir ist es nur darum gegangen, meinen Anspruch auf eine Zusatzpension, für die ich schließlich 45 Jahre eingezahlt habe, geltend zu machen. Das hätte wohl jeder an meiner Stelle genauso gemacht. Ums Geld ging's mir dabei nur sekundär, nicht umsonst habe ich dem ORF auch ein Vergleichsangebot gemacht, das nur knapp die Hälfte der mir letztlich zugesprochenen Zusatzpension ausmachte. Im Übrigen floss das Geld ja nicht auf mein Konto, sondern auf jenes der Pensionskasse. Und die Summe war am Ende nur deshalb so groß, weil der ORF jahrelang darauf "vergaß", seinen Anteil auch einzuzahlen.

"Krone": Sie haben hautnah miterlebt, wie in diesem Land Politik gemacht wird. Hat das Ihr Bild von der politischen Klasse eher verbessert oder verschlechtert?
Oberhauser: Dramatisch verschlechtert! Unabhängig von den Parteien ist die Politik in diesem Lande schlicht eine Katastrophe und gehört meiner Meinung nach grundlegend erneuert. Leider zieht es die qualifizierten Leute mittlerweile gar nicht erst in die Politik. Anstand, Geradlinigkeit, exzellente Sachkenntnis, Bürgernähe und Handschlagqualität vereinen nur die wenigsten. Oder anders formuliert: Es gibt kaum Politiker, die das umsetzen, was der Souverän, ergo das Volk, möchte.

"Krone": Gab und gibt es denn keine Ausnahmen von der Regel?
Oberhauser: Natürlich gab und gibt es sie. Und zwar in jeder Partei. Bruno Kreisky war sicher ein ganz Großer, auch Alois Mock habe ich immer sehr geschätzt. Sepp Pröll und Franz Vranitzky ebenso, obwohl unser Verhältnis nicht immer friktionsfrei war. Auch Reinhold Mitterlehner traue ich einiges zu. Gute Politiker gab es selbstverständlich auch in Vorarlberg. Herbert Sausgruber etwa kann wohl niemand vorwerfen, dass er das Land nicht ordentlich geführt hätte. Am meisten beeindruckt hat mich aber der langjährige ÖVP- Landesstatthalter Rudi Mandl, zweifellos der Baumeister des modernen Vorarlberg. Und das nicht nur, weil er noch mehr geraucht hat als ich. Er war seriös, anständig, hochintelligent und hat - wenn es seiner Überzeugung entsprach - auch mal mit der SPÖ gestimmt. Da gab es nicht Schwarz oder Rot, sondern nur richtig oder falsch. So einfach wär's eigentlich.

"Krone": Welche Partei wählt eigentlich Elmar Oberhauser privat?
Oberhauser: Das hat mich Gerd Bacher vor vielen Jahren auch schon gefragt. Worauf ich geantwortet habe: Das geht dich zwar nichts an, aber ich habe schon jede Partei gewählt! Ich bin zwar ein durch und durch politischer Mensch, aber überzeugter Wechselwähler.

"Krone": Dann können sie also mit dem klassischen Links- Rechts- Raster also nur wenig anfangen?
Oberhauser: Ich denke, das können die wenigsten Menschen. Die klassischen Ideologien verlieren Gott sei Dank zunehmend an Bedeutung. Dass beispielsweise alles dafür getan wird, um Armut zu bekämpfen, sollte nicht eine Frage der politischen Gesinnung, sondern des Anstands sein. Ähnliches gälte eigentlich auch für den Umgang mit Flüchtlingen. Doch offensichtlich schaut ganz Europa lieber weg. Für die Bankenrettung hat man Milliarden verschossen, während man die Flüchtlinge ihrem Elend überlässt. Das ist doch verrückt! Uns hat man nach 1945 doch schließlich auch geholfen! Das scheinen aber viele vergessen zu haben. Dabei feiern wir seit Monaten das Gedächtnis des 2. Weltkriegs, doch offensichtlich haben wir nichts aus der Geschichte gelernt. In Brüssel scheinen - zumindest bei diesem Thema - Ignoranz und Intoleranz zu regieren.

"Krone": Wie halten Sie es eigentlich mit ehemaligen ORF- Kollegen, die es in die Politik gezogen hat?
Oberhauser: Ich find's ehrlich gesagt lächerlich. Vielleicht ist's ja ein Pensionssyndrom: Wenn ich sonst nichts mehr kriege und nichts kann, geh ich eben in die Politik. Viele machen den Fehler, Bekanntheit mit Wertschätzung zu verwechseln. Und unterstreichen damit auch ein wenig die gängige Meinung, dass jeder Politiker werden kann.

"Krone": Stichwort Wertschätzung: Sie hatten jahrelang eine Machtposition inne und wurden dementsprechend hofiert. Galt das Interesse ausschließlich der Funktion oder auch Ihrer Person?
Oberhauser: Die Funktion ist 100 Prozent, die Person 0 Prozent. Ich zitiere den langjährigen Verkehrsminister Rudi Streicher: Wenn du eine Funktion hast und diese verlierst, musst du hinsichtlich deiner Bedeutung nicht hinten eine Null, sondern vorne den Einser wegstreichen. Wobei ich in all den Jahren viele echte Freunde gewonnen habe. Diesbezüglich war die Zeit meiner Krankheit eine sehr schöne Erfahrung.

"Krone": Obwohl Sie wie bereits erwähnt noch in Wien sind, hat sich ihr Lebensmittelpunkt in den vergangenen Jahren wieder vermehrt ins Ländle verlagert. Fiel Ihnen nach all den Jahren in der Bundeshauptstadt die Umstellung schwer?
Oberhauser: Nein, ich habe ja nie aufgehört, mich als Vorarlberger zu fühlen, und war immer ebenso gerne im Ländle wie in Wien. Im Übrigen hatte ich in meiner Wiener Zeit neben einer Schnapser- Runde auch immer meine Jasser- Runde (gemeinsam mit Kardinal Schönborn, Karl Stoss und Siegfried Menz, Anm.).

"Krone": Hat Ihr Leben in den vergangenen Jahren trotz der gesundheitlichen Probleme mitunter gar an Qualität gewonnen?
Oberhauser: Ja, sogar gewaltig. Just zur der Zeit, als ich vom ORF gegangen worden bin, kam mein Enkel Benjamin zur Welt. Er hat meinem Leben einen völlig neuen Touch gegeben. Ich bin mit Leib und Seele und allem, was ich sonst noch aufbieten kann, Großvater.

"Krone": Und holen nach, was Sie an gemeinsamer Zeit mit den eigenen Kindern verpasst haben?
Oberhauser: Das stimmt ganz sicher. Denn so sehr ich mein Leben auch genossen habe und so erfüllend mein Beruf auch war, habe ich meinen Traum doch ausschließlich auf dem Rücken meiner Familie ausgelebt. Das würde ich heute in dieser Form vielleicht nicht mehr machen. Andererseits weiß ich aber auch nicht, ob's für alle Beteiligten tatsächlich besser gewesen wäre, wenn ich schon um fünf Uhr unterm Kastanienbaum gesessen wäre…

"Krone": Herr Oberhauser, was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Oberhauser: Vor allem wünsche ich mir, dass es meine Gesundheit noch einige Jahre erlaubt, meinem Enkel beim Aufwachsen zuzusehen. Schön wäre, wenn ich ihm auch noch das eine oder andere mit auf den Weg geben könnte.

16.05.2015, 12:28
Emanuel Walser, Kronen Zeitung
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