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06.12.2016 - 07:38
Foto: Martin A. Jöchl

Schussattentat durch Wohnungstür: Zehn Jahre Haft

18.03.2014, 14:17
Mit einem ungewöhnlichen Schussattentat hatte sich am Dienstag ein Wiener Schwurgericht im Straflandesgericht auseinanderzusetzen. Ein 28-jähriger Mann wurde einstimmig wegen versuchten Mordes nicht rechtskräftig zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil er laut Anklage einen Schuldner mitten in der Nacht in Wien-Meidling aufgesucht, an die Wohnungstür gelockt und dann in Brusthöhe acht Schüsse durch die Tür abgefeuert hatte. Der 42-Jährige blieb bei dem Attentat unverletzt, weil der Vermieter eine massive Sicherheitstür einbauen hatte lassen, welche die Projektile abfederte.

Ursprünglich waren die beiden Männer miteinander befreundet. Sie planten sogar, gemeinsam eine Firma aufzumachen. Am Umstand, dass der Jüngere dem 42- Jährigen eines Tages 5.000 Euro borgte, entzündete sich dann jedoch eine Meinungsverschiedenheit, die zum Bruch führte.

Der Schuldner wollte bzw. konnte das Geld nicht zurückzahlen. Der 28- Jährige, der bei einem Auslandseinsatz für das österreichische Bundesheer nicht schlecht verdient hatte, nach seiner Rückkehr als Pizza- Zusteller aber mäßig verdiente und das Geld wieder gebraucht hätte, reichte schließlich eine Klage ein.

Er bekam vom Gericht am Ende zwar einen Exekutionstitel zugesprochen, erfuhr bei dieser Gelegenheit aber auch, dass sein früherer Freund bei insgesamt 25 Gläubigern in der Kreide stand, Verbindlichkeiten jenseits der 50.000 Euro- Grenze angehäuft und aus diesem Grund Privatkonkurs angemeldet hatte.

"Ich hab' de Wut von meinem Bauch aufsteigen gespürt"

Nach einem Urlaub in den USA musste der 28- Jährige dann auch noch zur Kenntnis nehmen, dass im Schuldenregulierungsverfahren den Gläubigern des 42- Jährigen eine Quote von lediglich zehn Prozent zuerkannt wurde. Doch nicht einmal diese Summe war der Mann zu zahlen bereit. Stattdessen habe ihn sein Schuldner "mit hasserfülltem Blick und knirschenden Zähnen angeschaut", als er ihm zufällig beim Pizzaausliefern über den Weg lief, berichtete der 28- Jährige dem Gericht.

"Ich hab' die Wut von meinem Bauch aufsteigen gespürt. Ich kann mir das ehrlich gesagt nicht gefallen lassen. Ich wollte nicht damit leben, dass jemand denkt, er kann mit mir machen, was er will", gab der Mann zu Protokoll. Zwei Tage später entschloss er sich, mit einer Pistole zu seinem Schuldner zu fahren.

"Ich wollte auf keinen Fall jemanden verletzen"

Um 2 Uhr in der Früh stellte er sich vor dessen Wohnung in der Karl- Löwe- Gasse, nachdem er mit einem Generalschlüssel, den er sich fürs Pizza- Zustellen besorgt hatte, ins Innere des Hauses gelangt war. Seiner Darstellung zufolge feuerte er bewusst mitten in der Nacht die Schüsse ab: "Ich wollte sicherstellen, dass niemand hinter der Tür ist." Er habe "zur Ermahnung Warnschüsse" abgegeben: "Ich wollte verhindern, dass er denkt, er kann Leute betrügen. Ich wollte auf keinen Fall jemanden verletzen."

Der 42- Jährige schilderte das als Zeuge jedoch ganz anders. Ein heftiges Pumpern an der Tür habe ihn aufgeweckt. Er habe sich schlaftrunken zur Tür begeben, "Wer ist da?" gerufen und durch den Spion in der Tür geblickt. Da habe er Beschädigungen an der Tür bemerkt.

Massive Sicherheitstür verhinderte Schlimmeres

Da es sich um eine massive Sicherheitstür mit einem 4,5 Zentimeter dicken Türblatt samt Metallplattenbeschlägen handelte, drangen überhaupt nur drei Projektile durch die Tür. Diese wiesen dabei eine derart geringe Restenergie auf, dass sie laut dem Ballistiker Ingo Wieser knapp hinter der Tür zu Boden fielen und den Mieter nicht gravierend verletzt hätten, selbst wenn er getroffen worden wäre. Wie der Sachverständige ausführte, wären allerdings bei einer herkömmlichen Tür aus Vollholz einem hinter der Tür befindlichen Menschen die Projektile vom Kaliber neun Millimeter zehn bis 15 Zentimeter in den Körper gedrungen.

18.03.2014, 14:17
AG/red
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