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11.12.2016 - 02:13
Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER

Oftmals Ausbeutung am Bau und in Landwirtschaft

02.06.2015, 11:42
Hungerlohn, der Reisepass einkassiert, von der Außenwelt abgeschnitten: Schwere Ausbeutung von Arbeitnehmern ist auch in Europa keine Seltenheit. In Österreich sind davon besonders Arbeiter am Bau und in der Landwirtschaft betroffen, wie aus einem aktuellen Bericht der in Wien ansässigen EU-Grundrechteagentur (FRA) hervorgeht. In diesen beiden Branchen ist auch europaweit die Herde der schwarzen Schafe unter den Arbeitgebern besonders groß.

"Ausländische Arbeitnehmer haben in der EU ein ernsthaftes Risiko, ein Opfer von Arbeitsausbeutung zu werden", so Blanca Tapia von der FRA. Die Agentur stützt sich bei dieser Einschätzung unter anderem auf rund 600 Gespräche mit Gewerkschaftern, Polizisten oder Mitarbeitern von Aufsichtsbehörden.

Zum Teil nur ein Euro Lohn pro Stunde

Jeder fünfte Gesprächspartner traf demnach mindestens zweimal pro Woche auf einen solchen Fall, heißt es in der am Dienstag in Brüssel veröffentlichten Untersuchung . Zum Teil verdienten die Betroffenen nur einen Euro pro Stunde oder weniger, arbeiteten an sechs bis sieben Wochentagen und hätten keinen Vertrag.

Eine klare Definition ist indes schwierig. "Das Projekt hat sich nur mit jenen Formen der Arbeitsausbeutung befasst, die strafrechtlich verfolgt werden können", sagte Albin Dearing von der FRA. Dabei sei die rechtliche Situation unter den EU- Ländern aber unterschiedlich. In Polen beispielsweise gelten landwirtschaftliche Betriebe als Privatgrundstücke, relevante Kontrollen seien deshalb schwierig. "Sie können dort die Bedingungen für die Hühner kontrollieren, aber nicht für die Arbeiter", beklagt Tapia.

Landwirtschaft und Baubranche als schwarze Schafe

Insgesamt sahen die Teilnehmer der Untersuchung im Bereich Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei das höchste Risiko für Ausbeutung, gefolgt von der Baubranche, dem Hotel- und Gaststättengewerbe, der Beschäftigung im Haushalt und in der verarbeitenden Industrie.

Die Agentur pocht auf bessere Kontrollen und schärfere Gesetze. Vorbildlich seien die Instrumente im Kampf gegen den Menschenhandel. Denkbar sei auch ein staatlich überwachtes Siegel für Produkte, die ohne Ausbeutung entstanden sind.

02.06.2015, 11:42
AG/red
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