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10.12.2016 - 15:16
Foto: Heute, Gerhard Bartel

Mutter: "Im Schlaf rede ich mit meinem toten Kind"

30.08.2015, 13:26
Warum erstach Izabela L. ihre vier Jahre alte Tochter? Jetzt spricht die Frau über ihre Tat: "Ich weiß nicht, was Traum und was Wirklichkeit ist."

Vergangenen Donnerstag, 8.30 Uhr, Aufbahrungshalle 3, Wiener Zentralfriedhof. Dem Pfarrer fällt es schwer, Worte zu finden. Für das Unbegreifliche. Warum musste Nicola sterben? Warum stach Izabela L. am 4. August mit einem Messer auf das vierjährige Mädchen ein? Warum?

"Ich verstehe doch selbst nicht, wie ich es schaffen konnte, mein Kind umzubringen", behauptet die Täterin und dass sie kurz vor ihrem Verbrechen einen "Filmriss" hatte. Der andauerte, "bis ich meine Tochter in einer Blutlache neben mir liegen sah".

Über die Motive für ihr Verbrechen hat die 38- Jährige bislang kaum Auskunft gegeben. "Erst seit wenigen Tagen", sagt ihre Anwältin Astrid Wagner, "ist meine Klientin ansatzweise in der Lage, über ihre Tat - und das Davor - zu sprechen". Was erzählt die Frau jetzt - über sich, über ihr Leben? Dass sie in Polen aufgewachsen sei, dort nach der Schule in einer Näherei gearbeitet und schon früh ihren Mann kennengelernt habe.

Nicola "war unser Sonnenschein"

2002 bekam sie von ihm einen Sohn. "Als mein Bub zwei war, zog ich mit ihm nach Österreich. Zu meinen Eltern, die schon vor längerer Zeit hierher ausgewandert waren." Alleine versuchte die Frau, für sich und ihre kleine Familie in der Fremde eine Existenz aufzubauen. Fleißig schuftete sie als Raumpflegerin, in Arztpraxen.

Im Jahr 2006 hatte sie genügend Geld angespart, um eine 49 Quadratmeter große Gemeindewohnung in Wien- Hernals zu mieten. "Kurz danach", so Izabela L., "übersiedelte der Vater meines Kindes zu uns." Der Mann fand einen Job als Maurer, "wir hatten finanziell ein gutes Auslangen".

2008 die Hochzeit. Bald der Wunsch nach einem zweiten Kind. Fehlgeburten. Am 13. Jänner 2010 kam dann Nicola zur Welt: "Sie war unser Sonnenschein." Um ganz für den Sohn und die Tochter da sein zu können, nahm die Polin fortan keine Stelle mehr an.

Sie lebte in einer Fantasiewelt

Wie verlief ihr Dasein weiter? "Ich fühlte mich sehr einsam." Warum? "Ich hatte in Österreich nie Fuß gefasst, da keine Freunde gefunden. Deshalb begann ich, von einer Rückkehr in meine Heimat zu träumen." Nur selten sprach Izabela L. mit ihrem Mann über ihre Probleme. "Ich wollte ihn damit nicht stressen - denn er war ja mit seiner harten Arbeit genug belastet." Laufend zog sich die Frau in der Folge mehr in eine Fantasiewelt zurück, "in der ich viel mit Gott kommunizierte, in der ich nicht die Starke spielen musste, in der ich traurig sein durfte". Noch mehr, als vor zwei Jahren ihre Großeltern starben, sie die Begräbniskosten zu begleichen hatte - und, nach polnischem Recht, die Schulden der Toten erbte.

Auch davon sollte der Gatte nichts erfahren. Genauso wenig wie von den Gerichtsvollziehern, "die ständig vor unserer Türe standen und uns delogieren wollten, weil wir mit der Miete im Rückstand waren". Mitte 2014 suchte Izabela L. in ihrer seelischen Not eine Allgemeinmedizinerin auf. Diagnose: Depressionen.

Die Frau bekam Psychopharmaka verschrieben, "die ich nach einem Monat absetzte". Anfang 2015: eine Verschlechterung ihres psychischen Zustands. "Überall waren plötzlich böse Menschen, die auf mich und meine Kinder lauerten. Auf der Straße. Und sogar in meinen Kästen."

Sie wollte auch ihren Sohn umbringen

Am 4. August verließ Izabela L.s Mann um 5 Uhr morgens die gemeinsame Wohnung, "wenig später", so der 13- jährige Sohn des Ehepaars, "sprachen Beamte bei uns vor. Sie meinten, dass wir in 30 Minuten unser Zuhause verlassen müssten. Meine Mama erklärte uns Kindern, dass wir nicht von hier weggehen würden. Das Nächste, was ich sah, war - dass sie auf Nicola einstach. Ich wollte meiner Schwester helfen, da richtete meine Mutter ihr Messer gegen mich. Aber mir gelang die Flucht."

Der Bub und sein Vater besuchen Izabela L. regelmäßig in der Haft: "Weil wir sie, trotz allem, lieben." "Meine kleine Nicola", sagt die Frau, "ist vielleicht gar nicht tot. Denn jede Nacht geht sie um mein Bett und redet mit mir. Ich weiß einfach nicht mehr, was Traum und was Wirklichkeit ist."

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Martina Prewein, Kronen Zeitung/red
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