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03.12.2016 - 10:53
Foto: APA/SCHLAGER (Symbolbild)

Mann (33) wegen Menschenhandels in Wien verurteilt

15.04.2014, 15:20
Im Wiener Straflandesgericht ist am Mittwoch gegen ein Mitglied einer bulgarischen Menschenhändler-Bande verhandelt worden, die seit 2009 junge Frauen nach Österreich gebracht und in der Bundeshauptstadt der Prostitution zugeführt hatte. Die Gruppierung dominierte vor allem den Straßenstrich im Prater. Evgeni A. (33) wurde wegen Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung, grenzüberschreitenden Prostitutionshandels, Menschenhandels, Zuhälterei und Freiheitsentziehung zu einer sechsjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Evgeni A. überwachte laut Anklage als Zuhälter zumindest sechs Frauen und nahm diesen den Großteil ihrer Einnahmen ab. Dabei ging er nicht zimperlich vor. Wenn die Frauen nicht spurten, soll er ihnen mit Schlägen oder dem Ab- bzw. Durchschneiden der Beine bzw. des Magens gedroht haben. Wurde seiner Ansicht nach "zu wenig" gearbeitet, gab er den teilweise in seiner Wohnung in Wien- Ottakring untergebrachten Frauen laut Anklage nichts zu essen oder zu trinken.

Als einige Prostituierte Probleme mit der Fremdenpolizei bekamen, kaufte er "Nachschub", wobei für die betreffenden zwei Frauen 1.000 und 1.500 Euro bezahlt wurden. Besonders erschreckend war dabei das Schicksal einer 22- Jährigen, die ihrer Aussage zufolge in Bulgarien von einem Mann mit einem präparierten Getränk bewusstlos gemacht und außer Landes geschafft worden war. Als sie schließlich bei Evgeni A. landete, soll dieser die bis dahin mit der Prostitution nicht vertraute junge Frau tagelang in seine Wohnung gesperrt haben. Dann soll er sie zunächst jenen Dealern "überlassen" haben, von denen er sein Kokain bezog.

22- Jähriger gelang spektakuläre Flucht

Der 22- Jährigen gelang schließlich auf spektakuläre Weise die Flucht aus den Fängen des Angeklagten. Am 4. Juli 2013 riss sie gegen 0.30 Uhr an einer Kreuzung mit Anzeichen äußerster Verzweiflung die Fahrzeugtür eines vor einer Ampel zum Stehen gekommenen Autos auf und sprang in den Wagen eines wildfremden Mannes, wobei sie "Mafia! Mafia!" schrie. Der Unbekannte chauffierte sie in seine Wohnung, hörte sich die Geschichte der Frau an und überredete sie, Anzeige zu erstatten. Er gab ihr auch Gelegenheit zu telefonieren, weshalb die 22- Jährige erstmals seit ihrem Verschwinden - ihre Eltern hatten in Bulgarien mittlerweile eine Vermisstenanzeige aufgegeben - mit ihrer Familie Kontakt aufnehmen konnte.

Evgeni A. wurde dann am 19. Juli festgenommen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch zwei junge Frauen in seiner Wohnung, die er ebenfalls zur Prostitution gezwungen haben soll. Sein Verteidiger Herbert Eichenseder kündigte am Dienstag zwar ein Geständnis an, doch die Einvernahme des 33- Jährigen vor dem Schöffensenat relativierte dieses Aviso: Der Angeklagte bestritt Schläge und sonstige Gewaltmaßnahmen. Einige der in der Anklageschrift angeführten Frauen hätten überhaupt nicht für ihn gearbeitet.

Richter: "Das geht einfach so nicht"

Das Gericht schenkte dem Mann jedoch keinen Glauben und verurteilte ihn zu sechs Jahren Haft. Das geht einfach so nicht, was sich da abspielt. Das ist fernab jeder Vorstellung von einem zivilisierten Zusammenleben", bemerkte Richter Ulrich Nachtlberger über die bulgarische Bande, welcher der 33- Jährige angehört hatte. Evgeni A. erklärte sich nach Rücksprache mit seinem Verteidiger mit der über ihn verhängten Freiheitsstrafe einverstanden. Das Urteil ist damit rechtskräftig.

Die Anführer des Prostituierten- Rings sind bereits Mitte März im Straflandesgericht rechtskräftig zu sechs bzw. dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Ein nicht geständiges Banden- Mitglied hat zuletzt sogar eine achtjährige Haftstrafe ausgefasst.

15.04.2014, 15:20
AG/red
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