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08.12.2016 - 07:49
Sonja Antoniv beim Abriss ihres Hauses
Foto: Wolfgang Weber

Magistrat ließ intaktes Haus abreißen

12.08.2015, 08:08
Sonja Antoniv hat von einem Tag auf den anderen ihr Zuhause in Salzburg verloren. Der Grundbesitzer ließ am Dienstag das Haus, in dem die Salzburgerin ein versprochenes Gratis-Nutzungsrecht auf Lebenszeit hatte, ohne Vorwarnung abreißen. Antoniv hat nun Anzeige wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch erstattet.

Das Schild "Willkommen in der Idylle" hängt noch am Türrahmen der "Villa Waldfried", als die Bagger am Dienstag um 9 Uhr das Haus Alpenstraße 202 zertrümmern. Hier hat Sonja Antoniv 41 Jahre gewohnt. Ihre Familie hat das Haus 1953 gebaut, mit neun Geschwistern hat sie hier eine glückliche Kindheit erlebt. "Es ist so, als würde ich bei meinem eigenen Begräbnis zusehen", sagt sie mit Tränen in den Augen: "Meine ganze Arbeit, meine ganze Liebe geht den Bach hinunter, zerstört von den Schaufeln eines Baggers."

Ihr Ex- Lebensgefährte und Sonjas Schwester sind gekommen, auch sie sind entsetzt vom Abbruch: "Man hat das Gefühl, die Bürokraten haben jedes menschliche Maß aus den Augen verloren. Es ist einfach nur eine perverse Aktion." Der Bagger fährt in den Rosengarten, reißt Apfelbäume und Sträucher aus - und das im Namen des Naturschutzes, der angeblich alles ins Rollen gebracht hat. Zurück bleibt eine Wüste.

Vor 62 Jahren ohne Baugenehmigung gebaut

Sonja Antonivs Verhängnis: Ihrer Mutter, die im Jahr 1942 mit 16 Jahren von der deutschen Wehrmacht aus der Ukraine zur Zwangsarbeit nach Salzburg verschleppt wurde, und ihrem Vater, nach dem Krieg in den Diensten des Grafen von Moy, erlaubte der Grundbesitzer den Bau des kleinen Häuschens. Wie so oft nach dem Krieg war man froh, ein Dach über dem Kopf zu haben, eine Baugenehmigung wurde nie eingeholt. 60 Jahre stand das Häuschen ungeschoren im Wald, dann entdeckten Spekulanten den "Schandfleck", der ihrem Plan, nebenan ein altes Sägewerk in Luxuswohnungen zu verwandeln, im Wege stand. Alles im Landschaftsschutzgebiet.

Mehrmals klopfte die Stadt beim Grundbesitzer an und forderte ihn auf, das Haus zu beseitigen. Nur: Sonja Antoniv erfuhr davon nichts - weil sie ein Gratis- Nutzungsrecht hatte, aber keine Mieterin war. Der Grundeigentümer wartete, bis alle Abbruchbescheide rechtskräftig waren, zahlte hinter Antonivs Rücken die Abbruchkosten in der Höhe von 13.152 Euro. Obwohl seine Familie einst versprach: "Sie können ewig hier bleiben."

"Eine Bilderbuch- Aktion der Spekulanten, die stets im Hintergrund bleiben und den Magistrat die Drecksarbeit machen lassen", ist Sonjas Familie überzeugt. Antoniv hat Asyl bei Freunden auf einem Bauernhof gefunden, mit ihren fünf Katzen. Die letzten drei Wochen hatte sie Franz, einem Unterstandslosen, der in der Nähe im Wald hauste, ihren Schlüssel gegeben: "Der Kühlschrank ist voll, so hast du wenigstens eine schöne Schlafstelle."

Klage gegen Grundbesitzer

Alles, was noch da war, hat der Magistrat eingelagert - auch den alten Lattenrost und die Matratze schleppte man fort: "Warum werft ihr das alte Zeug nicht weg?", wollte Antoniv wissen: "Wir haben so viele Flüchtlinge, da können wir das gut brauchen." Antoniv hat Anzeige wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Ihr Anwalt Andreas Schöppl will den Grundbesitzer klagen: "Es geht um den Wert des Hauses und um künftige Mietkosten, die jetzt für Frau Antoniv anfallen."

12.08.2015, 08:08
Wolfgang Weber, Kronen Zeitung/red
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