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27.02.2017 - 08:34
Foto: ZOOM.TIROL

Lawinenexperte: "Ich wäre da nie hinaufgegangen"

07.02.2016, 18:55

Für Tirols Lawinenexperten war das Unglück vom Samstag im Tiroler Wattental keine Überraschung. Die Wetterlage sorgte für eine extrem kritische Schneedecke - und weitere Todeslawinen seien zu befürchten. Lawinenexperte Patrick Nairz war selbst im Wattental. Er sagt: "Ich wäre da nie hinaufgegangen..."

Bestens ausgerüstet machten sich die zwei tschechischen Gruppen - wie am Sonntag bekannt wurde waren es ingesamt 20 Teilnehmer - von der Lizumer Hütte auf den Weg zum Geier (2857 Meter). Es sollte der krönende Abschluss eines viertägigen Camps werden - und endete mit einer Tragödie, die wohl zu verhindern gewesen wäre. Hüttenwirt Anton Nigg hatte die Teilnehmer mehrfach gewarnt: "Bitte geht's nicht hinauf auf den Geier", sagte er zu allen Hüttenbesuchern. Alle folgten ihm - nur nicht die beiden tschechischen Gruppen.

Lawinenexperte Patrick Nairz
Foto: Günther Krauthackl

"Ich dachte mir, hoffentlich geht das gut"

"Ich habe auch mit dem Hüttenwirt gesprochen. Er sagte mir, dass er keinen da hinauflässt. Nur: Wie soll man das verhindern?", so Nairz. Nachsatz: "Ich dachte mir nur, hoffentlich geht das gut. Leider weiß ich aus vielen Jahren, dass man manche Menschen erreichen kann und andere nicht."

Foto: APA/ZOOM.TIROL (Symbolbild)

Freerider durch nachfolgende Schneemassen getötet

Kurz nach 12 Uhr passierte das Drama: Eine der Gruppen löste beim Aufstieg die Lawine aus. Fast alle wurden mitgerissen, fünf konnten nur noch tot geborgen werden. Dabei hatten die Verschütteten die Hauptlawine überlebt. Dank ihrer Lawinen- Airbags waren sie nur teilweise verschüttet worden. Doch die Zeit reichte nicht aus, sich zu befreien. "Sie steckten in den Schneemassen und wurden dann von riesigen nachfolgenden Schneebrettern verschüttet", weiß Hüttenwirt Nigg.

Lawinenexperte Nairz erklärt: "Die Hauptlawine löste drei Sekundär- Abgänge auf benachbarten Hängen aus. Alle vier Schneebretter kamen dann in einer Mulde zusammen." Da hilft dann auch kein Airbag mehr und das erklärt auch die teilweise enorme Verschüttungstiefe - eines der Opfer lag mehr als drei Meter tief.

Foto: APA/ZOOM.TIROL

Die fünf Opfer sind Männer im Alter zwischen 33 und 37 Jahren - unter ihnen auch die beiden Guides, die als erfahren galten. Doch am Samstag schätzten sie die Lage offenbar falsch ein und wollten auch nicht auf die Warnung der Einheimischen hören.

Organisator bestreitet Verantwortung

Der Organisator der Skitour bestritt am Sonntag hingegen jede Verantwortung für das Unglück. Der Tscheche Robin Kaleta sagte gegenüber der tschechischen Nachrichtenagentur CTK, die beiden Gruppen hätten "nicht mehr für ihre Sicherheit tun können". Auch seien alle 17 verschütteten Freerider komplett mit einer Notfallausrüstung ausgestattet gewesen.

Kaleta wies zudem Vorwürfe von sich, die tschechischen Tourengeher hätten die gefährliche Situation ignoriert. Gegenüber CTK betonte er, dass der Lawinenwarnbericht in der Lizumer Hütte, in der ein Teil der Freerider übernachtet hatte, unter einer Höhe von 2300 Metern eine mäßige Gefahr (Stufe zwei der fünfteiligen Skala) ausgewiesen habe. Von erheblicher Lawinengefahr sei erst über 2300 Metern die Rede gewesen. Seiner Information nach habe die Gruppe diese Höhe nicht überschritten.

Freerider lösten Lawine nicht selbst aus

Wie am Sonntagabend bekannt wurde, dürften die Freerider die Lawine nicht selbst ausgelöst haben. Das hätten die Vernehmungen der 15 Überlebenden ergeben. Eine Gruppe von sieben Freeridern, die sich nach erfolgreichem Aufstieg beim Hohen Geier gesammelt hatte, gab an, Setzungsgeräusche gehört und 100 Meter von ihnen entfernt gesehen zu haben, wie sich ein Schneebrett löste. Diese Lawine, die in der Folge noch zwei weitere nach sich zog, riss die noch im Aufstieg befindliche Wintersportler mit sich.


Nairz sieht die Lawinenlage in den kommenden Tagen in Tirol weiterhin sehr kritisch: "Über 2300 Metern müssen wir den warmen Herbst und Frühwinter mit wenig Schnee büßen. Die Schneedecke ist aufgebaut wie ein Sandwich, mit lockerem Schwimmschnee und harten Schichten, in denen gewaltige Spannungen liegen. Brechen diese, kommt es zu riesigen Abrissen - wie leider am Samstag am Geier im Wattental..."

Aus dem Video- Archiv: YouTube- Video zeigt massive Lawine in Südtirol

Video: YouTube.com

Aus dem Video- Archiv: Spektakuläre Lawinensprengung in Zürs

Video: Facebook.com

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07.02.2016, 18:55
Kronen Zeitung/AG/red
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