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24.03.2017 - 15:41
Foto: APA/dpa/Jens Wolf

Krebskranken "Heilblut" gespritzt: Anklage fertig

31.05.2015, 11:36
Dreieinhalb Jahre lang ermittelte die Welser Staatsanwaltschaft, nun liegt endlich die Anklage vor: Ein bayrischer Augenarzt wird des schweren und gewerbsmäßigen Betrugs angeklagt. Der Mediziner soll von 2003 bis 2014 in Bad Ischl todkranken Krebspatienten "Heilblut" gespritzt haben, das mit einem Tiermedikament versetzt war! Der Schaden wird auf 97.000 Euro geschätzt.

Gleich mehrere Gutachten waren nötig, bis sich die Welser Staatsanwaltschaft nach dreieinhalb Jahren doch noch zu einer Anklage aufraffen konnte. Dabei war die Bombe bereits im Mai 2012 geplatzt. Damals wurde bekannt, dass die Kripo im Bad Ischler Institut ifibet alle tausend Patientenakten sowie 200 Ampullen mit dem Blut dreier Patienten beschlagnahmt hatte.

Der bayrische Augenarzt Hartmut K. stand im Verdacht, "Heilblut" mit dem in Österreich verbotenen Immunmodulator Zylexis angereichert und austherapierten Krebspatienten gespritzt zu haben. Tatsächlich wurde Zylexis, das für Hunde, Katzen, Pferde, Rinder und Schweine entwickelt wurde, damals in 99,9 Prozent der Ampullen gefunden!

"Onkologe" K. zeigte im Gespräch mit der "Krone" 2012 keinen Funken Schuldbewusstsein. Für den gelernten Augenarzt dürfte sich diese Heilbluttherapie à la Frankenstein freilich auch ausgezahlt haben: Er soll von den verzweifelten Patienten jeweils 2.400 Euro kassiert haben.

Die Welser Staatsanwaltschaft tat sich schwer, dem selbst ernannten Alternativmediziner das Handwerk zu legen - vor allem, weil zunächst von einer Gefährdung der Heilblutpatienten ausgegangen wurde.

Heilbluttherapie "völlig wirkungslos"

Diese Verdachtslage zerschlug sich allerdings, weil sowohl die sündteure Therapie als auch das Tiermedikament Zylexis laut Sachverständigen ohnedies völlig wirkungslos waren. Die kriminalistischen Recherchen waren auch deshalb schwierig, weil ein Teil der Geschädigten schon tot ist beziehungsweise im Ausland lebt.

"Wir haben 82 Geschädigte ausfindig gemacht, werfen dem Beschuldigten für den Tatzeitraum 2003 bis 2014 teils versuchten, teils vollendeten schweren und gewerbsmäßigen Betrug vor. Die Schadenssumme beträgt 97.000 Euro", erklärt dazu der Welser Staatsanwalt Christian Hubmer. "Krebsarzt" Hartmut K. hat sich nicht schuldig bekannt.

31.05.2015, 11:36
Christoph Gantner, Kronen Zeitung
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