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11.12.2016 - 13:22
Der "Papst der Nachhaltigkeit", Friedensnobelpreisträger Mohan Munasinghe
Foto: Zwefo

Können wir die Welt noch retten, Herr Munasinghe?

06.05.2016, 17:59

Der "Papst der Nachhaltigkeit", Mohan Munasinghe, war kürzlich zu Besuch in Österreich. Conny Bischofberger sprach in Wien mit dem70- jährigen Physiker, Ökonomen und Friedensnobelpreisträger aus Sri Lanka über den Klimawandel, ökonomische Fehlentwicklungen und fragte ihn, ob die Welt noch zu retten ist.

Im Parkhotel Schönbrunn in Wien- Hietzing wartet Wolfgang Neumann mit zwei Vertretern einer Start- Up- Initiative auf Mohan Munasinghe, er hält eine kleine rote Schachtel in der Hand. Darin befindet sich die Auszeichnung, die der Gründer der weltweit agierenden "Energy Globe Foundation" unter dem Vorsitz der indischen Ministerin Maneka Gandhi dem Friedensnobelpreisträger an diesem Vormittag überreichen will. Munasinghe hat in Wien einen Zwischenstopp eingelegt, bevor er zu Umweltberatungen bei den Vereinten Nationen in Genf weiterreist.

Dann kommt der 70- Jährige und steckt alle mit seiner Fröhlichkeit an. Der "Papst der Nachhaltigkeit", wie Munasinghe oft bezeichnet wird, ist kein Moralapostel, er überzeugt durch seine Zuversicht. Unter einem Gemälde des österreichischen Kaisers nimmt er mit allen, die auf ihn gewartet haben, Platz. Bevor das Interview beginnt, bedankt er sich: "Es ist mir eine große Freude, die Botschaft der Nachhaltigkeit an Ihre Leser weitergeben zu können." Nach dem "Krone"- Gespräch führt er die Diskussion mit den Vertretern der "Harvest Map Austria" weiter.

Munasinghe mit Vertretern der Energy Globe Foundation und von Harvest Map Austria
Foto: Zwefo

"Krone": Herr Munasinghe, wie beurteilen Sie als vielfach ausgezeichneter Experte die Klimaveränderungen auf der Welt?
Mohan Munasinghe: Über das Klima werden wir noch im nächsten Jahrhundert diskutieren. Aber der Klimawandel ist in Wahrheit nur die Spitze des Eisbergs. Noch lange bevor wir mit den Folgen irreversibler Klimaveränderungen zu kämpfen haben, werden wir mit allerlei anderen Katastrophen konfrontiert sein. Nahrung, Wasser und Energie werden knapp. Deshalb müssen wir Produktion und Konsum nachhaltiger gestalten.

"Krone": Herr Munasinghe, wie beurteilen Sie als vielfach ausgezeichneter Experte die Klimaveränderungen auf der Welt?
Munasinghe: Über das Klima werden wir noch im nächsten Jahrhundert diskutieren. Aber der Klimawandel ist in Wahrheit nur die Spitze des Eisbergs. Noch lange bevor wir mit den Folgen irreversibler Klimaveränderungen zu kämpfen haben, werden wir mit allerlei anderen Katastrophen konfrontiert sein. Nahrung, Wasser und Energie werden knapp. Deshalb müssen wir Produktion und Konsum nachhaltiger gestalten.

"Krone": Davon reden wir doch schon seit Jahrzehnten.
Munasinghe: Ja, es gab viele Zielsetzungen, viele Versprechen, aber wenig konkrete Handlungen. Nur auf mittlerer Ebene passiert tatsächlich etwas. Deshalb ist es so wichtig, dass sich Umweltinitiativen vernetzen. Motto: Warten wir nicht auf die Mächtigen, die uns schon oft enttäuscht haben. Tun wir lieber selbst etwas.

"Krone": Was kann denn der einzelne zu den Weltklimazielen beitragen?
Munasinghe: Vieles! Wenn er das Haus verlässt, dann kann er das Licht ausschalten. Wenn die Wasserleitung läuft, dann drehen wir sie ab. Man kann einen Baum pflanzen, weniger Fleisch essen, all das. Die jungen Leute sind sich dessen sehr bewusst. Weil sie das mulmige Gefühl haben, dass etwas auf unserer Welt nicht mehr stimmt.

"Krone": Was ist das genau?
Munasinghe: Unser Planet wird von einer kleinen Gruppe von Leuten ruiniert. Sie sind getrieben von Egoismus und Gier. Warum? Weil unser Wertesystem auf genau diesen Parametern beruht. Auf Wettbewerb, Wachstum und Marktwirtschaft. Das hat dazu geführt, dass die 85 reichsten Menschen der Welt die Ressourcen von 3,5 Milliarden Menschen kontrollieren. Dieses Maß an Ungleichheit hat es bis dato noch nicht gegeben. Damit verbunden sehen wir Umweltzerstörung, aber auch ökonomisches Chaos. Wir schlittern von einer Krise in die nächste.

"Krone": Kann Geld diese Zerstörung stoppen?
Munasinghe: Das sind nur scheinbare Lösungen. Wir sagen: Die Zentralbank muss mehr Geld ausschütten! Wir brauchen neue Steuern! Aber damit flickt man nur an den Rändern der Katastrophe herum. Ich sage, dass das Wertesystem unhaltbar ist. Weil uns diese Werte vermitteln, dass wir durch Wachstum und Konsum eine bessere Welt schaffen. Aber die Welt ist eindeutig nicht besser geworden. Dieses Denken hat vielmehr zu ökonomischen Fehlentwicklungen geführt, die sich durch exzessive Schulden auszeichnen. Diese Verschuldung ist unhaltbar. Und die Ungleichheit ebenso. Die Reichen werden immer reicher. Aber was ist mit den Armen? Die Panama- Papers haben es wieder deutlich gemacht: Wir haben aus der Krise von 2008 nichts gelernt.

"Krone": Glauben Sie an eine Veränderung?
Munasinghe: Ja. Veränderung findet überall auf der Welt statt. Jede Umweltinitiative, jede Bürgerbewegung trägt zur Veränderung bei. Denn wenn wir darauf warten, dass die Politiker endlich begreifen, wie schlimm es eigentlich steht, dann wird es schon viel zu spät sein. Es wird ein harter Job sein für die kommende Generation, diese Veränderungen voranzutreiben, aber kein hoffnungsloser.

"Krone": Können wir die Welt noch retten?
Munasinghe: Wir stehen am äußersten Rand einer Klippe. Entweder stürzen wir ins Chaos und Millionen müssen sterben oder wir sind weise genug zu handeln. Die Zivilgesellschaft muss die Regierungen und die Wirtschaft dazu drängen, das Richtige zu tun.

"Krone": Was ist richtig, Herr Munasinghe?
Munasinghe: Mehr auf andere zu schauen und nicht nur auf uns selber. An den ganzen Planeten denken, nicht nur an unsere eigene Umgebung. In langen Zeitspannen denken, nicht nur an heute und morgen. Und so eine Vision für die ganze Welt entwickeln.

"Krone": Sie treffen auf der ganzen Welt Menschen wie Peter und Susanne von der ”Harvest Map Austria”: Wie haben Sie sich mit 70 dieses Interesse bewahrt?
Munasinghe: Das ist ein Grundprinzip, wenn man Wissenschafter ist. Man muss neugierig sein. Neugier ist die Quelle aller Gedanken, deshalb ist es für mich ein großes Privileg, von anderen zu lernen. Bei meiner nächsten Rede werde ich sagen können: Schaut, in Österreich haben sie das so gemacht! - Lacht.

"Krone": Sie teilen mit anderen Wissenschaftern den Friedensnobelpreis aus dem Jahr 2007. Hilft der Preis bei Ihrer Mission?
Munasinghe: Der Nobelpreis gibt mir eine große Plattform für meinen Traum, eine nachhaltigere Welt zu schaffen. Persönlich schränkt er mich ein wenig ein. Ich habe nicht mehr so viel Zeit für meine Forschung. Und da ist noch etwas: Wer hofiert wird, muss auf sein Ego aufpassen. Wenn man es zu groß werden lässt, dann kann es zum Monster werden.

"Krone": Wie zähmen Sie das Monster?
Munasinghe: Ich meditiere seit 50 Jahren jeden Tag. Da realisierst du, was für ein kleines Pünktchen du im Universum bist. Ich praktiziere auch eine Übung, die "Tai Chi Chuan" heißt. Es hilft mir, ausgeglichener zu sein, Körper und Geist in Einklang zu bringen.

"Krone": Wenn Sie eine Woche die Welt regieren könnten, was würden Sie dann tun?Munasinghe: Ich würde bei den Werten beginnen. So ähnlich wie der Papst Missstände in der Katholischen Kirche angesprochen hat, würde ich die Korruption ansprechen. Klar machen, dass Korruption nicht mehr akzeptiert wird, und dass jene, die sie trotzdem praktizieren oder zulassen, mit harten Konsequenzen rechnen müssen.

"Krone": Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was wäre es?
Munasinghe: Dass wir endlich die Armut bekämpfen. Das höchste Prinzip einer humanen Gesellschaft sollte es sein, niemanden zurückzulassen. Etwas, was im Tierreich, bei Elefanten oder Delfinen, selbstverständlich ist. Auch wir Menschen haben die Verpflichtung, den Schwächsten unserer Gesellschaft zu helfen. Die Schwächsten, das sind die Armen und die Benachteiligten. Diejenigen, die keine Stimme haben und keinen Platz an den Tischen, an denen Entscheidungen getroffen werden. Diese Menschen möchte ich stärken, das würde viel Ungerechtigkeit beseitigen. Nicht alle, aber es wäre ein großer Schritt.

Zur Person:
Mohan Munasinghe, geboren 1945 in Sri Lanka, ist Physiker und Ökonom und lehrt Entwicklungspolitik an der Universität Manchester. Als Vizevorsitzender des Internationalen Klimarats (IPCC) bekam er 2007 zusammen mit anderen Forschern den Friedensnobelpreis. Seit Kurzem ist der Buchautor und zweifache Vater Mitglied im Honorary Board des Energy Globe, der österreichischen Initiative für eine nachhaltige Umwelt.

06.05.2016, 17:59
Conny Bischofberger, Kronen Zeitung
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