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28.04.2017 - 02:53
Auch Wiens Bürgermeister Häupl hat mittlerweile "große Sympathien" für Kern.
Foto: thinkstockphotos.de, Peter Tomschi, APA/Hans Klaus Techt

Kanzler- Nachfolge: Alle Zeichen stehen auf Kern

12.05.2016, 13:15

Die SPÖ ist bei der Suche nach ihrem neuen Parteichef und Bundeskanzler schneller als erwartet fündig geworden. Wie die "Krone" aus dem Wiener Rathaus erfuhr, deutet alles auf ÖBB- Chef Christian Kern hin. Am Freitag soll die Entscheidung offiziell gemacht werden, am Dienstag werde sie im Bundesparteivorstand fixiert. Medienmanager Gerhard Zeiler zog sein Interesse für den SPÖ- Vorsitz mittlerweile zurück.

Der ebenfalls im Rennen gestandene Ex- ORF- Chef Zeiler, der vor allem vom interimistischen Parteichef Michael Häupl forciert wurde, bestätigte nach einem Treffen mit dem Wiener Bürgermeister, dass er für eine Kampfabstimmung gegen Kern nicht zur Verfügung stehe - wohl auch deshalb, weil sich bisher keine einzige SPÖ- Landesgruppe offiziell für ihn aussprach. Mittlerweile genieße laut Insidern auch Kern bei Häupl "große Sympathien".

Sieben Bundesländerchefs für Kern

Zuletzt hatten sich nicht weniger als sieben Bundesländerchefs der SPÖ hinter Kern als Parteichef und Kanzler gestellt. "Kern ist fähig zu neuen Ansätzen, grundsatzgefestigt und hat ein Auftreten, das ihn sowohl auf nationaler Ebene als auch am internationalen Parkett eine gute Figur machen lässt", sagte etwa Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser. "Er ist ein absoluter Profi und so wie er die Österreichischen Bundesbahnen gut gemanagt hat, wird er auch die Republik gut managen", zeigte sich auch Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl überzeugt.

Christian Kern (li.) folgt Werner Faymann wohl als Bundeskanzler nach.
Foto: APA/HERBERT NEUBAUER

Ex- Kanzler Werner Faymann, der seit 2008 die Geschicke das Landes gelenkt hatte, warf zu Wochenbeginn das Handtuch.  Nach der Schlappe der SPÖ in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl Ende April war er immer stärker unter Druck geraten. Zuletzt musste Faymann die Frage, ob er noch die volle Unterstützung der SPÖ habe, mit Nein beantworten.

Mitterlehner will neuen Kanzler treffen

ÖVP- Parteichef und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner gab am Donnerstag bekannt, den neuen Kanzler nach dessen Kür zu einem Vieraugengespräch treffen zu wollen. Der ÖVP- Vorstand war in dieser Woche bereits zusammengetreten und richtete Wünsche an den neuen Kanzler. "Es darf kein Abweichen von der vereinbarten Asyllinie geben und das Regierungsprogramm bedarf einer Aktualisierung", sagte Mitterlehner. Als "Bedingungen" wollte er das aber nicht verstanden wissen.

"Mischung aus Vranitzky und Ederer"

Wenn Kern den Kanzlerposten übernimmt, dürfte jetzt schon klar sein, wie er den Job anlegt: "Eine Mischung aus Franz Vranitzky und Brigitte Ederer, also pragmatisch und realistisch", sagt ein langjähriger Wegbegleiter des 50- jährigen Wieners.

Kern, der smarte ÖBB- Sanierer und langjährige Hoffnungsträger der Partei, wird seit Längerem nachgesagt, sowohl Interesse am Amt des SPÖ- Chefs als auch an jenem des Kanzlers zu haben. Nicht nur er selbst traut sich diese Doppelrolle durchaus zu.

Kern, als Sohn einer Sekretärin und eines Elektroinstallateurs in Wien- Simmering aufgewachsen, gilt als ehrgeizig und zielstrebig. Auf den ersten Blick mag der stets akkurat gekleidete 50- Jährige ein wenig arrogant wirken, im persönlichen Umgang ist er aber gewinnend. Das mag auch nötig sein, denn nicht alle in der Partei sind überzeugt, dass der in zweiter Ehe verheiratete Vater von drei Söhnen und einer Tochter jener Mann ist, der die Sozialdemokratie aus der Krise ziehen kann.

Foto: zwefo

Dass Politik "nicht seine Stärke" sei, wie Nationalratspräsidentin Doris Bures in einem viel beachteten Interview 2014 meinte, glaubt aber außer ihr dann auch wieder niemand. Und selbst bei der engen Vertrauten von Werner Faymann kann man davon ausgehen, dass sie diese Aussage nicht wirklich ernst gemeint hat. Denn Kern bringt durchaus Rüstzeug mit. Er ist in der (Partei- )Politik groß geworden, hat über viele Jahre erfolgreich im staatsnahen Wirtschaftsbereich gewirkt, ist telegen und eloquent.

ÖBB- Chef wurde bei Kostelka politisch groß

Nach einem kurzen Ausflug in den Journalismus dockte der damalige Publizistikstudent Kern, der später auch eine postgraduale Ausbildung am Management- Zentrum St. Gallen absolvierte, schon früh in der SPÖ an. Bereits mit 25 wurde er Assistent von Staatssekretär Peter Kostelka, drei Jahre später wechselte er mit seinem Chef ins Parlament und wurde Büroleiter und Pressesprecher des damals neuen Klubobmanns.

1997 folgte der zwischenzeitliche Ausstieg aus der Politik: Kern wechselte in den Verbund, wo er diverse Funktionen ausfüllte, ehe er 2007 in den Vorstand aufstieg. Pikanterweise war es gerade Bures, die ihn als Infrastrukturministerin 2010 zum Nachfolger von Peter Klugar als ÖBB- Chef machte.

Flüchtlingsstrom unbürokratisch abgewickelt

Galten die Bundesbahnen davor über Jahre als Krisenzone, hat Kern diese Ära beendet. Die Zahlen passen wieder, die Massenfrühpensionierungen sind eingestellt, der Wiener Hauptbahnhof wurde rechtzeitig und innerhalb des Kostenrahmens fertig und auch Konflikte mit der streitbaren Eisenbahnergewerkschaft sind zumindest nach außen hin nicht sichtbar. Gefallen auch beim linken Flügel der SPÖ, dem Kern eher nicht zuzuordnen ist, erlangte er mit der unbürokratischen Abwicklung des Flüchtlingsstroms im vergangenen Jahr.

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krone.at
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