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05.12.2016 - 15:16
Kanzler Christian Kern posiert mit einem Fächer und Damen der Salzburger Festspielgesellschaft.
Foto: APA/BKA/ANDY WENZEL

Kanzler Kern: "Kräfte der Finsternis verhindern"

29.07.2016, 17:54

Die scharfen Sager von Bundeskanzler Christian Kern häufen sich. Zuletzt fiel er bei seiner Ländertour in Tirol mit harten Bandagen gegen die FPÖ auf. "Die Kräfte der Finsternis müssen verhindert werden", sagte Kern in Richtung der Freiheitlichen. Auch die ÖVP bekam schon ihr Fett ab, US- Präsidentschaftskandidat Trump ebenfalls. Es könnte sich dabei nur um lustige Sommerspiele handeln. Oder der SPÖ- Chef ist bereits in Wahlkampflaune. Im Folgenden eine Analyse von Kerns Sprüchen.

Spruch 1: "Da sitzt du in einer Ministerratssitzung, als da der eine oder andere Minister anfängt, mit seinem Paten zu simsen. Nein, entschuldige, jetzt werde ich wieder ernst: mit einem einschlägig bekannten Landeshauptmann." (Kern bei einer Parteiveranstaltung über Innenminister Wolfgang Sobotka und Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll)
Analyse: Ein flotter Spruch vor Parteifreunden. Kern glaubte, er wäre dabei unter sich mit seinen Vertrauten und Führungsfunktionären in der SPÖ. Daher sollte sein Sager nicht überbewertet werden. Also auch der Begriff "Pate", mit dem eigentlich der Boss eines Mafiaclans bezeichnet wird, braucht nicht unbedingt in dieser Schärfe verstanden werden. Pröll und Sobotka (beide ÖVP) reagierten mit dementsprechend ironischer Coolness. Allerdings wird das Ausplaudern von internen Vorgängen und Handy- Inhalten in einer Regierungssitzung durch den Bundeskanzler weniger als Gaudium, sonder als Vertrauensbruch gewertet.

Christian Kern und Reinhold Mitterlehner stoßen in Salzburg mit den Schützen an.
Foto: APA/NEUMAYR/MMV
Bundeskanzler Christian Kern bei den Salzburger Festspielen
Foto: APA/NEUMAYR/MMV

Spruch 2: "Ich bin davon überzeugt, dass wir vor allem eines von ihm lernen können: Das ist, dass man sich als Mann niemals die Haare färben darf." (Kern über den US- Präsidentschaftskandidaten Donald Trump beim Arbeitsbesuch in Budapest mit Ungarns Premier Viktor Orban)
Analyse: Den Scherz mit den gefärbten Haaren von Donald Trump hatte Kern schon öfter angebracht. Und damit offenbar den erwünschten Lacherfolg erzielt. Diesmal allerdings wirkte der Witz deplatziert. Kern reagierte nämlich mit diesem Spruch bei seinem Arbeitsbesuch in Budapest,  nachdem Orban erklärte hatte, dass er bei den US- Präsdentschaftswahlen Trump wählen würde. In Budapest fiel die Reaktion auf Kerns spaßige Replik eher verhalten aus. Diplomaten meinen, eine staatsmännische Antwort "Ich würde Hillary Clinton wählen" hätte für den Sozialdemokraten bei einem offiziellen Auftritt ausgereicht.

Kern und Orban wollen "ein neues Kapitel" in den Beziehungen der Nachbarstaaten aufschlagen.
Foto: APA/AFP/PETER KOHALMI

Spruch 3: "Es geht derzeit um eine Auseinandersetzung zwischen den Kräften des Lichts und den Kräften der Finsternis. Und damit meine ich nicht Lopatka." (Kern warnt in einer Rede bei der Tiroler SPÖ vor der FPÖ.)
Analyse: Ein verbaler Doppelschlag: Kern bezeichnet die Freiheitlichen als "Kräfte der Finsternis" und die SPÖ unter seiner Führung als "Kräfte des Lichts". Eine maximale Herabwürdigung der FPÖ bei gleichzeitiger völliger Überhöhung seiner Partei. Und zum Drüberstreuen witzelt der Bundeskanzler über Reinhold Lopatka, in dem er ausdrücklich klarstellt, dass es diesmal nicht um den ÖVP- Klubobmann geht. Damit spricht Christian Kern indirekt seine spöttische Bemerkung zu Beginn seiner Amtszeit an, bei der er Lopatka mit "Selbstmordattentätern, die sich in einer Telefonzelle in die Luft sprengen" verglichen hatte.

Kern liegt in einer theoretischen Kanzler-Direktwahl klar vor Strache.
Foto: ASSOCIATED PRESS
Auch über ÖVP-Klubobmann Lopatka hat sich Kern schon spöttisch geäußert.
Foto: APA/Helmut Fohringer, APA/Georg Hochmuth, EPA/Sabine Hauswirth

Fazit: Über die Motive hinter solchen Sprüchen lassen sich nur Vermutungen anstellen: Möglicherweise sind sehr kreative Gagschreiber im Kanzleramt am Werk oder der SPÖ- Chef selbst ist geistig bereits in den Vorwahlkampf eingetreten und versucht seine Anhängerschaft mit markigen Sprüchen zu mobilisieren.

Kommentar von Claus Pándi: Pointenjäger
Die flotten Sprüche des Kanzlers stehen in scharfem Kontrast zu den aktuellen Ereignissen in Europa. Übermäßige Strenge wäre dennoch unangebracht. Erstens ist Sommer, zweitens sehnen sich nach dem pausenlosen Terror alle nach Ablenkung und Unterhaltung. Außerdem können wir froh sein, wieder einen redegewandten Regierungschef an der Spitze der ungeliebten Koalition zu haben.

Und doch irritiert es, wenn sich der Bundeskanzler zunehmend als Pointenjäger profiliert. Es irritiert, weil so viele große, mittlere und kleinere Probleme dringend gelöst werden müssten. Die Terrorfrage und die Flüchtlingskrise sind dabei die schwierigsten Themen und ohnehin nicht von Österreich im Alleingang in den Griff zu bekommen.

Die Bandbreite der offenen Punkte reicht vom Bildungsbereich über die steigende Arbeitslosenzahl bis zum Pensionssystem. Wie oft schon, seit wie vielen Jahren eigentlich, wurde das schon eingefordert, versprochen, erneut verlangt und wieder zugesagt?

Daher bei allem Verständnis für die prächtige Laune des Bundeskanzlers, bei allem Respekt vor seinen Ankündigungen, mit völligem Verständnis für die schwierige Lage und die Komplexität der politischen Abläufe: Es wird Zeit für die konkrete Umsetzung der überfälligen Veränderungen. Die lustigen Sommerspiele könnten sonst mit einem traurigen Herbst ein Ende finden. Der Kanzler und seine Koalition müssen liefern.

29.07.2016, 17:54
Kronen Zeitung
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