Willkommen
|
Facebook Twitter Google Plus
25.07.2017 - 13:36
Die 21-Jährige am Weg in den Gerichtssaal
Foto: KRISTIAN BISSUTI

IS- Prozess: Familie zu Haftstrafen verurteilt

01.10.2015, 14:57
Mit drei erstinstanzlichen Schuldsprüchen ist am Donnerstag im Wiener Straflandesgericht der Terrorprozess gegen einen 20-jährigen Tschetschenen, seine um ein Jahr ältere, ihm nach islamischem Recht angetraute Frau und seine Mutter zu Ende gegangen. Sie wurden - nicht rechtskräftig - wegen Mitgliedschaft in der Terrororganisation Islamischer Staat zu unbedingten Freiheitsstrafen verurteilt.

Der 20- Jährige erhielt zwei Jahre, seine Frau 19 Monate, die 39- jährige Mutter 21 Monate. Der Schöffensenat ging davon aus, dass sie im Juli des Vorjahres versucht hatten, mittels eines Schleppers über Bulgarien und die Türkei nach Syrien zu gelangen, um sich dort der Terrormiliz IS anzuschließen. Ziel sei es jedenfalls gewesen, sich im IS- Gebiet niederzulassen, dort auf Dauer zu leben und die Ziele des IS zumindest psychisch zu unterstützen, sagte der vorsitzende Richter Daniel Rechenmacher in der Urteilsbegründung. Das genüge für einen Schuldspruch im Sinn der Anklage, wenn auch von einer "unterstmöglichen Unterstützung" auszugehen sei.

Bei einem Strafrahmen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren erschienen dem Senat die verhängten Strafen "spezial- und generalpräventiv ausreichend". Es müsse "ganz deutlich gezeigt werden, dass das in der westlichen Gesellschaft nicht akzeptiert wird", sagte Rechenmacher. Die leugnende Verantwortung der Angeklagten sei "vollkommen unglaubwürdig" und "durch objektive Beweismittel widerlegt".

Angeklagte bekannten sich nicht schuldig

Die Angeklagten - allesamt gebürtige Tschetschenen, die 2004 bzw. 2011 in Österreich um Asyl angesucht hatten - hatten sich in der am vergangenen Donnerstag begonnenen Verhandlung nicht schuldig bekannt  und sagten, sie seien nur deshalb in die Türkei gefahren, um in Istanbul die Dienste eines Heilers in Anspruch zu nehmen. Dieser hätte die kranke Mutter bzw. Schwiegermutter behandeln sollen. Die Frau leidet einem gerichtsmedizinischen Gutachten zufolge an Bluthochdruck, Depressionen und hysteroiden Panikattacken.

Der in erster Instanz bereits separat abgeurteilte Schlepper, der wiederholt IS- Sympathisanten über die Türkei nach Syrien geschleust hatte, gab am zweiten Verhandlungstag als Zeuge unter Wahrheitspflicht zu, die Angeklagten teilweise befördert zu haben. Deren endgültiges Reiseziel sei Syrien gewesen. Dort hätten sie die Mutter behandeln lassen wollen, die während der Fahrt "zwei oder drei Anfälle" erlitten habe, so der Zeuge.

Sohn in U- Haft zur Welt gebracht

Die Angeklagten gerieten in der Türkei zufällig in eine Polizeikontrolle. Da die Tschetschenen keine gültigen Visa vorweisen konnten, wurden sie in Schubhaft genommen und über Bulgarien zurück nach Österreich geschickt. Die 21- Jährige war zu diesem Zeitpunkt hochschwanger. Mittlerweile hat sie in der U- Haft einen Sohn zur Welt gebracht, den sie Osama nannte. Aus religiösen Gründen betrat sie stets vollverschleiert den Gerichtssaal, nahm den Gesichtsschleier während der Verhandlung auf Ersuchen des Vorsitzenden, Zutun ihrer Verteidigerin Alexandra Cervinka und vor allem Kopfnicken ihres Ehemannes hin aber ab.

01.10.2015, 14:57
AG/red
Kommentare  
Kommentare sortieren nach:
km_num_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
Antworten sortieren nach:
km_antworten_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).
Werbung
Werbung
Meistgelesen
Meistkommentiert
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; Muthgasse 2, 1190 Wien
Krone Multimedia © 2017 krone.at | Impressum