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04.12.2016 - 19:34
Foto: APA/ROLAND SCHLAGER / Video: APA

Häupl: "Menschlichkeit statt Hass wählen"

09.10.2015, 19:49
"Wenn's gut geht, schlecht. Wenn's schlecht geht, sehr schlecht." So lautet zumindest die düstere Prognose von Ex-SPÖ-Finanzminister Hannes Androsch zur Wien-Wahl am Sonntag. Sein Parteikollege und Bürgermeister Michael Häupl hat am Freitag beim Wahlkampfabschluss der SPÖ jedenfalls ans Gewissen der Wähler appelliert. Diese würden sich am Sonntag zwischen "Charakter, Anstand und Humanität" oder "Hass, Ausgrenzung und Zurückweisung" entscheiden können. Letzteres bezog Häupl besonders auf die FPÖ und deren Chef Heinz-Christian Strache.

Häupl gegen Strache - das Duell um Wien geht in den Endspurt, am Sonntag entscheiden dann die Wähler. Die SPÖ setzte am Freitag in der Wiener Löwelstraße noch einmal alle Hebel in Bewegung, um ihre Anhänger zu mobilisieren und noch Unentschlossene zu gewinnen. Schon kurz vor Beginn der Veranstaltung war das Zelt bis auf den letzten Platz gefüllt, ein Gutteil der Genossen musste den Abschluss daher draußen per Livestream verfolgen. Das tat der von Austropophits unterstützten Stimmung in und vor dem Zelt jedoch keinen Abbruch.

Schützenhilfe bekam der amtierende Wiener Bürgermeister von Bundeskanzler Werner Faymann, Sozialminister Rudolf Hundstorfer und Klubobmann Andreas Schieder. Faymann betonte, welchen Sonderstatus Wien in Europa und der Welt genießt. "Wien ist eine lebenswerte Stadt, in der Menschen, die hart arbeiten und kleine Einkommen beziehen, keine Sorgen haben müssen, einen Kinderbetreuungsplatz zu finden oder eine gute Schule oder etwa Spitäler mit höchster Qualität. Wien ist führend. Das ist etwas ganz Besonderes."

"Ordnung und Menschlichkeit sind kein Widerspruch"

Michael Häupl sei ein "erfahrener Kapitän, der auch in schwierigen Zeiten stets Haltung bewiesen hat", so der Kanzler. Das dürfe man nicht aufs Spiel setzen. "Bei Strache kann man sich nur darauf verlassen, dass er gerne nach Ibiza fährt und Leute gegeneinander aufhetzt." Bezüglich der enormen Hilfsbereitschaft bei der Ankunft der Hunderttausenden Flüchtlinge sagte Faymann: "Wien unter der SPÖ- Führung von Bürgermeister Michael Häupl hat auch dieser Tage wieder eindrucksvoll gezeigt, dass Ordnung und Menschlichkeit kein Widerspruch sind."

Häupl erklärte, dass man weiterhin Flüchtlinge unterstützen werde: "Wir haben diesen Krieg nicht begonnen, aber wir sind auch nicht der Auffassung des Herrn Strache, der meint, Krieg ist kein Asylgrund. So viel Herz- und Seelenlosigkeit, so eine Charakterlosigkeit muss man erst einmal haben", meinte er in Richtung der freiheitlichen Spitze. "Menschen, die an Leib und Leben bedroht wurden, werden von FPÖlern mit 'Geht's heim'- Taferln empfangen", nahm Häupl Bezug auf die Demonstration einiger FP- Anhänger vor dem Asylquartier in Erdberg. Wien werde unter seiner Führung weiterhin jedem helfen, der Hilfe brauche, besonders unbegleiteten Minderjährigen: "Wir haben als Sozialdemokraten eine ethische Verantwortung, dass wir diesen Menschen helfen. Ich schicke diese Kinder nicht zurück!"

Flüchtlingskrise: "Wir brauchen uns nicht zu fürchten"

Der Stadtchef erinnerte auch an die Geschichte Wiens als sicherer Hafen für Vertriebene und Kriegsflüchtlinge: "In den unmittelbaren Nachkriegszeiten haben wir bereits Sudetendeutsche und nach der Ungarnkrise sehr viele Ungarn aufgenommen. Wir brauchen uns nicht zu fürchten." Und er zitierte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Wir schaffen das!" Bei allem "tiefen Verständnis" für die Ängste und Sorgen der Menschen müsse man am 11. Oktober eine Entscheidung zwischen Anstand und Humanität sowie Hass und Ausgrenzung treffen.

Dabei wollte Häupl sichtlich auch mit der These aufräumen, er als Person sei der Grund, dass eine rot- blaue Koalition nicht erwogen werde: "Nehmt's bitte ein für alle Mal zur Kenntnis: Es hängt nicht am Michi Häupl alleine. Die Wiener Sozialdemokraten wollen mit einer Truppe, wie sie die Wiener Freiheitlichen darstellen, keine Regierungszusammenarbeit", betonte er und erntete dafür viel Applaus.

"FPÖ verkauft Gemeindewohnungen unterm Hintern weg"

Auch bei anderen Themen ließ Häupl kein gutes Haar an der FPÖ und adressierte dabei beispielsweise die Gemeindebaubewohner: "Man muss schon allen sagen, die böse auf uns sind, weil das Gras nicht rechtzeitig gemäht oder eine Glühbirne nicht gleich getauscht wurde, und die deshalb FPÖ wählen: Wenn die wirklich drankommen, dann verkaufen sie ihnen die Gemeindewohnung unterm Hintern weg, so schnell können sie gar nicht schauen."

Harsche Kritik gab es auch an der Wirtschafts- , Sozial- oder Kulturpolitik der Freiheitlichen. Er könne weder etwas Soziales noch etwas Heimatliches bei dieser Fraktion erkennen, konstatierte Häupl. Immerhin habe der "selbst ernannte Armutsbekämpfer" mit seiner Fraktion unter anderem gegen die bedarfsorientierte Mindestsicherung gestimmt. "Ersparen wir den Wienern dieses Experiment", bat der Bürgermeister. "Nehmt möglichst viele eurer Verwandten und Freunde und sagt ihnen: Schenkt eurer Stadt zehn Minuten Zeit", beschwor Häupl die Genossen.

"Wir sind viel mehr als bei der FPÖ - und sympathischer"

Die politische Konkurrenz kam auch bei Landesparteisekretär Georg Niedermühlbichler nicht gut weg: "Der Begrüßungsapplaus war schon länger als die Schlussveranstaltung bei der ÖVP gestern", scherzte er. "Und wir sind viel mehr Menschen als bei der FPÖ am Stephansplatz - und auch viel sympathischer", meinte er, bevor er die Genossen aufforderte, noch zwei Tage lang zu laufen.

Zuvor hatten schon ÖVP, FPÖ, Grüne und NEOS ihre Abschlusskundgebungen veranstaltet. 1.143.076 Wiener sind wahlberechtigt. Da Wien gleichzeitig Bundesland und Gemeinde ist, ist der Gemeinderat personell ident mit dem Landtag und der Bürgermeister ist auch der Landeshauptmann.

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red/AG
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