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10.12.2016 - 23:32
Foto: ANDI SCHIEL

Firtasch: "Ich bin zwischen die Fronten geraten"

12.04.2014, 16:30
Erstmals seit der Festnahme vor vier Wochen tritt Gas-Milliardär Dmitry Firtasch an die Öffentlichkeit. In einem Exklusiv-Interview mit der "Krone" spricht der ukrainische Oligarch über sein Leben im Wartesaal Wien.

Das gediegene Café Schwarzenberg am späten Freitagnachmittag. Vom Schubertring nähert sich ein verschworenes Grüppchen. In seiner Mitte geht, beschützt von vier Bodyguards, ein eleganter Herr mit graumeliertem Haar und Bart. Es ist der ukrainische Gas- Milliardär Dmitry Firtasch, der vor einem Monat auf Ersuchen der US- Justiz in Wien festgenommen und seit drei Wochen - gegen die Rekordkaution von 125 Millionen Euro - auf freiem Fuß ist. Er darf Wien nicht verlassen, da ein Auslieferungsverfahren gegen ihn läuft.

Das exklusive Treffen mit der "Krone" haben seine PR- Berater arrangiert. Es steht Smalltalk auf dem Programm, denn das Interview wurde vorab schriftlich geführt, durchlief drei Sprachen und noch mehr Büros. Er fühle sich in Wien sehr wohl, sagt Dimitry Firtasch, und nippt an seiner Melange. Am Abend würde wieder seine Frau Lada mit den beiden Kindern Anna (8) und Dmitry (7) einfliegen. "Ich bin seit meiner Festnahme zum Weekend- Daddy geworden."

Nein, zum Treffen mit Vitali Klitschko vor zwei Wochen sage er nichts, auch die Frage, woher die 125 Millionen Euro stammen, die für seine Freilassung bezahlt wurden, lächelt Firtasch lieber weg. Dass hinter den Vorwürfen gegen ihn aber politische Motive stünden, daran lässt der Geschäftsmann keinen Zweifel. Tenor: Die Amerikaner wollen sich das Gasgeschäft in der Ukraine unter den Nagel reißen und mit den Russen teilen.

"Krone": Was war Ihr erster Gedanke bei der Festnahme?
Dmitry Firtasch: Ich war überrascht und ehrlich auch etwas schockiert. Im Rückblick finde ich eines allerdings bemerkenswert: offenbar besteht der US- Haftbefehl seit Juni letzten Jahres. Seither war ich etwa fünfmal in Österreich und wurde nicht verhaftet. Da stellt sich schon die Frage, warum gerade jetzt?

"Krone": Stimmt es, dass Sie während Ihrer Auslieferungshaft in der Justizanstalt Josefstadt der einzige Häftling im Anzug waren?
Firtasch: Ja. - Lacht. - Das ist richtig. Ich wurde im Anzug verhaftet und hatte zunächst auch nichts anderes anzuziehen.

"Krone": Wie haben Sie den Gefängnisalltag erlebt?
Firtasch: Ich wurde ordentlich behandelt und habe keine Beschwerden. Aber, um ehrlich zu sein, mich beunruhigt die aktuelle Situation in meinem Heimatland, der Ukraine, mehr.

"Krone": Wohin entwickelt sich die Ukraine?
Firtasch: Ich bin tief besorgt über die jüngsten Entwicklungen. Ich versuche von Wien aus meinen Beitrag zur Deeskalation und Stabilisierung zu leisten. Aber es ist schwer, wenn man an den Spielfeldrand verbannt ist. Man muss die höhere Weisheit dieser US- amerikanischen Intervention gegen mich wirklich hinterfragen.

"Krone": Das FBI wirft Ihnen vor, im Zuge eines Titan- Förderprojektes in Indien Politiker bestochen zu haben.
Firtasch: Die Vorwürfe, die hier gegen mich vorgebracht werden, sind vollkommen absurd und unbegründet. Ich bin mir sicher, dass die falschen Anschuldigungen letztlich abgewiesen werden. Es ist für mich offensichtlich, dass all das politisch motiviert ist – einschließlich des US- Auslieferungsantrages.

"Krone": Fühlen Sie sich in Österreich sicher?
Firtasch: Selbstverständlich habe ich das höchste Vertrauen in das österreichische Rechtssystem.

"Krone": Warum haben Sie Ihren Pass freiwillig abgegeben?
Firtasch: Mir ist es wichtig, den österreichischen Behörden deutlich zu machen, dass ich keinerlei Intention habe, das Land zu verlassen.

"Krone": Sie werfen den USA de facto Polit- Justiz vor. Inwiefern?
Firtasch: Die Ukraine ist zweifellos das Schlachtfeld der beiden globalen Supermächte - der USA und Russlands - geworden. Ich bin hier zwischen die Fronten geraten.

"Krone": Wo wohnen Sie derzeit? Und ist Ihre Frau bei Ihnen?
Firtasch: Ja, meine Frau ist bei mir, und die Kinder kommen über die Wochenenden. Unter der Woche gehen die jüngeren noch zur Schule. Gegenwärtig leben wir im Hotel, aber möglicherweise suchen wir uns noch eine private Bleibe.

"Krone": Sie werden auf drei Milliarden Euro Vermögen geschätzt. Schmerzt da eine Rekord- Kaution von 125 Millionen Euro?
Firtasch: Mein Vermögen und der Wert meiner Unternehmen ist vor dem Hintergrund der Vorgänge in der Ukraine von untergeordneter Bedeutung. Die Zukunft der Ukraine steht auf dem Spiel. Das Management der Group DF und ich kämpfen um den Erhalt der über 100.000 Jobs in meinen ukrainischen Firmen.

"Krone": Womit verdient Ihr Konzern sein Geld?
Firtasch: Die Group DF ist ein führendes ukrainisches Unternehmen mit Beteiligungen in verschiedenen Industrien, darunter Düngemittel, Titan, Gashandel, Finanzen. Wir sind einer der größten Investoren im Land.

"Krone": Wie klingt die Bezeichnung "Oligarch" für Sie?
Firtasch: Für mich ist das Wort "Oligarch" ein Wort der Vergangenheit. Es beschreibt Leute, die im Übergang von der Sowjetunion zur Marktwirtschaft Geld gemacht haben. Heute geht es um echtes Geschäft, Steuern, Verantwortung und Hunderttausende Jobs in der Ukraine - und übrigens: Niemand käme auf die Idee, Bill Gates oder die Bosse von Goldman- Sachs als Oligarchen zu bezeichnen.

12.04.2014, 16:30
Conny Bischofberger, Kronen Zeitung
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