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29.09.2016 - 20:45
Oberarzt Till Preißler ist nach der Anzeige gegen einen Fünfjährigen wegen Belästigung entsetzt.
Foto: Christoph Gantner, APA/HARALD SCHNEIDER

Experte: "Fünfjähriger kann kein Sextäter sein"

25.03.2016, 07:02

Entsetzt ist Oberarzt Till Preißler, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Linzer Uni- Klinikum, dass ein fünfjähriger Bub von den Eltern einer Kindergartenfreundin (3) angezeigt wurde  und die Polizei ermitteln musste, weil er das Mädchen sexuell belästigt haben soll: "Ein Fünfjähriger kann kein Sextäter sein!", so der Experte im Interview mit der "Krone".

"Krone": Kann ein fünfjähriges Kind überhaupt bewusst sexuelle Handlungen setzen?
Till Preißler: Das kann ich mir nicht vorstellen. Und auch nicht, dass ein Kind in diesem Alter sich selbst oder jemand anderen erregen will.

"Krone": Wie muss man den Vorfall in einem Linzer Kindergarten, der sogar angezeigt wurde, denn einordnen?
Preißler: Kinder haben ein natürliches Bedürfnis, den Körper kennenzulernen. Den eigenen, aber auch den eines anderen. Das dient nicht der Befriedigung eines Sextriebes. Kinder sind einfach sehr entdeckungsfreudig.

"Krone": Wie sollen Erwachsene, allen voran die Eltern, mit solchen Situationen umgehen?
Preißler: Ganz wichtig: Es darf nicht zum großen Thema gemacht werden, aber man soll mit dem Kind - natürlich kindgerecht - darüber reden, aber keinesfalls strafend oder gar in anmaßender Weise. Außerdem weiß man ja nicht, wie in der Familie der Kinder mit Sexualität umgegangen wird. Manche sind da sehr freizügig. Ich denke, dass der Sexualität in unserer Gesellschaft überhaupt ein zu großer Stellenwert gegeben wird. Da gehört auch die Zuwendung zum Menschen dazu.

"Krone": Eltern sollten doch ihre Kinder aufklären.
Preißler: Aber nicht mit dem Druck, aufklären zu müssen, sondern einfach auf die Fragen antworten. Und auch das wieder kindgerecht. Wie man das macht, ist sehr verschieden, das hängt auch mit den eigenen Erfahrungen - und ich denke doch auch mit der Bildung - zusammen.

"Krone": Der Fünfjährige war "Täter". Hat das Folgen?
Preißler: Ich hoffe, dass er nicht als Krimineller dargestellt wurde, das könnte sich sehr ungünstig für ihn auswirken.

25.03.2016, 07:02
Hedwig Savoy, Kronen Zeitung/red
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