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05.12.2016 - 00:32
Estibaliz C. bei der Verhandlung
Foto: Martin A. Jöchl

Estibaliz Carranza: "Lebte in einem Elfenbeinturm"

22.11.2014, 16:53
Wie erklärt man dem eigenen Sohn, dass man eine Mörderin ist? Wie viel Gage floss für das aktuelle Buch? Solche und andere heikle Fragen beantwortet die als "Eislady" bekannte Estibaliz Carranza. Die Fragen wurden ihr von Anwalt Werner Tomanek in schriftlicher Form im Gefängnis übergeben.

"Krone": Frau Carranza, sind Sie heute, sechs Jahre nach den beiden Morden, ein anderer Mensch und wenn ja, in welcher Beziehung? Oder anders gefragt: Was hat die Therapie, die ihnen seit 2011 in Haft ermöglicht worden ist, bewirkt?
Estibaliz Carranza: Ich verstehe jetzt, wie es so weit kommen konnte. Ich habe mich Männern immer untergeordnet, egal, wie sie mich behandelt haben. Auf die Art habe ich sie zu Monstern gemacht und sie mich irgendwann zur Bestie. Ich habe mich in der Psychotherapie und in meinen Gesprächen mit meinem Seelsorger dem Bösen in mir gestellt und es aufgelöst. Ich habe überhaupt gelernt, über Dinge zu sprechen, statt sie mit mir allein herumzutragen und sie dabei immer größer zu machen. Ja, ich bin ein anderer Mensch.

"Krone": Ihre Psychiaterin hat Sie als "Prinzessin" beschrieben, die von den Männern "erlöst" werden wollte. Gefällt Ihnen das Prinzessinnenbild?
Carranza: Heidi Kastner, meine Gerichtsgutachterin, hat das formuliert und mich damals gut getroffen. Ich habe einsam im Elfenbeinturm meiner Fantasie gelebt und darauf gewartet, dass mich ein edler Held befreit. Heute weiß ich, dass sich eine Frau innerlich selbst befreien muss, dann läuft es auch mit den Männern gut.

"Krone": Die Taten, für die Sie zu lebenslanger Haft verurteilt worden sind, machen Angst und Gänsehaut... Tut es Ihnen Leid und wie sieht Ihre ganz persönliche Buße aus?
Carranza: Meine Taten sind unentschuldbar, nicht nur wegen der zwei Männer, denen ich das Leben genommen habe. Seit ich einen Sohn habe, weiß ich, dass es nichts Schrecklicheres gäbe, als ihn zu verlieren. Genau das habe ich zwei Müttern angetan. Ich kann meine Taten vor mir selbst nie entschuldigen, obwohl ich sie als der Mensch, der ich heute bin und der zu sein mir damals nicht gelungen ist, nie begangen hätte. Meine Buße besteht darin, mich zu verändern. Ich weiß, dass das nicht reicht, aber ich weiß nicht, was ich sonst tun kann.

"Krone": Wie kommen Sie mit dem Gedanken an die Angehörigen Ihrer Opfer klar? Die Vorstellung, dass Mütter um diese Söhne geweint haben?
Carranza: Gar nicht. Ich würde einem Menschen, der meinem Sohn etwas antut, niemals verzeihen.

"Krone": Wird die Strafe lebenslang dem, was Sie getan haben, gerecht?
Carranza: Lebenslang ist die Strafe, die unsere Gesellschaft dafür vorsieht, also ja. Bei mir hat das Gericht irrational entschieden. Es gibt ja entweder lebenslang mit der Aussicht auf Entlassung nach zwanzig oder 25 Jahren, oder Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher, mit Aussicht auf Entlassung bei Heilung. Bei mir sagte das Gericht: Sie ist zurechnungsfähig aber geistig abnorm. Aufgrund mangelnder Logik kann dieses Urteil meiner Meinung nach keiner Tat gerecht werden.

"Krone": Kommen wir nun ihrem aktuellen Buch: Sichert es Ihnen bzw. Ihrer Familie die Existenz?
Carranza: Ich habe auf mein Honorar verzichtet. Ich will mit meiner Geschichte nicht auf diese Weise Geld verdienen.

"Krone": Ist es so geschrieben, dass Ihr kleiner Sohn es einmal lesen soll und kann?
Carranza: Ich hatte das die ganze Zeit im Hinterkopf. Wie er später einmal dasitzt und liest, was seine Mutter erzählt. Es hat mich manchmal beflügelt und manchmal gelähmt.

"Krone": Wie werden Sie ihm einmal erklären, dass seine Mutter eine rechtskräftig verurteilte Mörderin ist?
Carranza: Jetzt ist er noch klein, aber die Zeit vergeht schnell. Zwischen uns ist trotz unserer Entfernung ein starkes Band, und ich hoffe, dass er mich verstehen wird. Ich setze dabei auch auf meine Mutter, bei der er aufwächst und die sich liebevoll um ihn kümmert. Wir werden diese Aufgabe gemeinsam so gut es geht bewältigen.

"Krone": Gibt es Ihrer Meinung nach Wiedergutmachung?
Carranza: Es kann keine Wiedergutmachung für Menschenleben geben. Alles, was ich tun kann ist, an mir selbst zu arbeiten. Aber auch das wird mir wahrscheinlich nicht vor den Augen der anderen helfen, sondern höchstens vor den Augen Gottes.

Die "Krone" hat die Auszüge aus dem Buch "Meine zwei Leben", das Estibaliz Carranza geschrieben hat - alle Teile finden sie in der Infobox!

22.11.2014, 16:53
Kronen Zeitung/red
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