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08.12.2016 - 22:45
Foto: Martin A. Jöchl

"Eislady" Estibaliz C. darf Kuschelzelle benutzen

06.09.2015, 13:05
Bis vor wenigen Tagen galt Estibaliz C. als die gefährlichste Haftinsassin Österreichs. Jetzt wird ihr in einem Psycho-Gutachten Besserung bescheinigt. Schon bald darf sie daher in einer Kuschelzelle ihre Hochzeitsnacht nachholen.

Irgendwie scheint es, als würde sie in dieses Gebäude mit den hohen Mauern rundherum nicht hingehören. Weil sie auf eine seltsame Art frei wirkt. Agil, entspannt. Beinahe - zufrieden. Seit zweieinhalb Jahren sitzt Estibaliz C. in der Justizanstalt Schwarzau ein. "Jeden Tag", sagt sie, "bete ich zu Gott und flehe ihn an, mir meine fürchterlichen Taten zu vergeben."

Zwei Männer hat die gebürtige Spanierin erschossen, 2008 und 2010, die Leichen der Opfer zerstückelt und im Keller ihres Eissalons in Wien- Meidling einbetoniert. Als im Frühjahr 2011 ihre Verbrechen entdeckt wurden, war sie im dritten Monat von einem neuen Partner schwanger. In der U- Haft brachte sie einen Buben zur Welt und heiratete den Vater des Kindes.

Gefährlichste Gefängnisinsassin Österreichs

Ende 2012 ihr Prozess. Das Urteil: lebenslang, im Maßnahmenvollzug. Was bedeutet: Erst wenn Psychiater die seelisch schwer gestörte Frau als geheilt erklären, besteht für sie irgendwann vielleicht die Aussicht auf eine bedingte Entlassung. Bis vor wenigen Tagen galt "Esti" als die gefährlichste Gefängnisinsassin Österreichs. Visiten des Gatten und des Sohns, der bei ihren Eltern in Barcelona aufwächst, fanden stets unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Da die Justiz befürchtete, die "Eislady" würde in einem unbeobachteten Moment ihren Angehörigen Böses antun.

Ein Verdacht, der plötzlich nicht mehr besteht. Gerichtspsychiaterin Heidi Kastner hat nämlich in den vergangenen Monaten die Seele der nun 37- Jährigen nochmals durchleuchtet und jetzt in einem Gutachten festgestellt: "Die Frage, ob eine Gefahr für Leib und Leben des Mannes und des minderjährigen Kindes bei unbewachtem Familienbesuch bestehe, ist eindeutig zu verneinen." Die Doppelmörderin, führt Kastner in ihrer Expertise weiters aus, habe seit ihrer Anhaltung in der Schwarzau Fortschritte gemacht, was die Reflexion ihrer Delikte betrifft. Dass sie abermals zum Töten fähig sein könnte, hält die Sachverständige für unwahrscheinlich.

Besuch in Kuschelzelle erlaubt

Aufgrund dieses Untersuchungsergebnisses darf die "Killerin mit dem Engelsgesicht" künftig im Abstand von drei Monaten einen Nachmittag lang die Kuschelzelle der Anstalt benutzen. Eine kleine Wohnung, ausgestattet mit Sanitärraum, Küchenzeile, Sofa, Essecke und Doppelbett. "Ich habe meinen Sohn noch nie gebadet, noch nie für ihn gekocht, noch nie auf einer Couch mit ihm geschmust", sagt "Esti", "und ich freue mich so sehr auf die Stunden, in denen ich endlich mit meinem Kleinen ein wenig Normalität erleben werde." Natürlich will die "Eislady" auch ihre Hochzeitsnacht nachholen. Die Auflage der Justiz dafür: Sie muss mit der Verhütung durch eine Drei- Monats- Spritze einverstanden sein.

Wie geht es der promovierten Betriebswirtin sonst hinter Gittern? Sie macht Fernstudien, zur Dolmetscherin und Wirtschaftspädagogin. Sie arbeitet in der Näherei der Anstalt. Sie ernährt sich hauptsächlich von Obst und Gemüse. Sie treibt viel Sport. "Ich muss gesund bleiben und mich weiterbilden. Das bin ich meinem Sohn schuldig. Denn sollte ich irgendwann in Freiheit kommen, will ich ihm die beste Mutter der Welt sein - und für ihn Geld verdienen."

"Übersiedlung" nach Spanien wird greifbar

Bereits kurz nach ihrem Urteil hatte Estibaliz C. ihre Verlegung in eine spanische Haftanstalt beantragt - "um meinem Kind näher zu sein". Da in den Gefängnissen ihrer Heimat jedoch nicht die ihr per Gerichtsbeschluss verordneten Therapiemaßnahmen möglich sind, wurde eine Überstellung bis dato abgelehnt. Die Chancen für eine "Übersiedelung" sind nun größer geworden. Und sie dürften weiter steigen, wenn bei ihr in Zukunft noch deutlichere Zeichen für eine Heilung ihrer Störungen erkennbar wären. Im Herbst 2016 soll "Estis" Seelenzustand neuerlich von Heidi Kastner überprüft werden.

06.09.2015, 13:05
Martina Prewein, Kronen Zeitung/red
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