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10.12.2016 - 21:29
Foto: APA/Helmut Fohringer

Dutzende Flüchtlinge durch Mietbetrug geschädigt

11.11.2015, 07:48
Am privaten Wohnungsmarkt haben es Flüchtlinge schwer: Sie kämpfen gegen Diskriminierung, müssen mit Wuchermieten rechnen und bieten aufgrund ihrer prekären Lebenslage sowie Unwissenheit ein leichtes Ziel für Betrüger und Schwindler. Dies unterstreicht ein besonders schockierender Fall, bei dem wohl Dutzende Schutzsuchende um ihr Geld gebracht wurden.

Schon seit längerer Zeit ermittelt in der Causa die Staatsanwaltschaft - und zwar gegen den Betreiber der Firma Aldiar KG, einer Firma mit Sitz im Wiener Bezirk Margareten, die zahlreichen Flüchtlingen Wohnungen vermietet. Zudem ist zumindest ein weiterer Vermieter bereits ins Visier der Behörde geraten, heißt es.

Man prüfe den Tatbestand des Sachwuchers, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nina Bussek. Bei dem Tatbestand nützt jemand im großen Stil "die Zwangslage, den Leichtsinn, die Unerfahrenheit oder den Mangel an Urteilsvermögen eines anderen" aus, wie es im Strafgesetzbuch heißt.

Vermittler gab Mietzahlungen nicht an Eigentümer weiter

So steht unter anderem ein Immobilienvermittler - selbst aus dem arabischen Raum stammend - im Verdacht, mehrere Wohnung, darunter auch durchaus hochpreisige Objekte, angemietet und an Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak weitervermietet zu haben. Diese zahlten dem angeblich seriösen Geschäftsmann die vereinbarte Miete - doch Monate später sollte dann das böse Erwachen folgen. Denn der Verdächtige gab das entrichtete Geld nicht an den Eigentümer der Wohnungen weiter. Die betroffenen Flüchtlinge wurden daraufhin aus ihren Unterkünften delogiert, berichtet einer von ihnen. Doch nicht nur die Mietzahlungen soll sich der Mann unter den Nagel gerissen haben, auch Kautionen sowie Provisionen und damit Tausende Euro soll der Verdächtige in die eigene Tasche gesteckt haben.

Betroffener: "Wir finden nichts anderes"

Wie ausweglos die Lage ist, zeigt sich daran, dass die Flüchtlinge oftmals sogar über den unseriösen Ruf ihres künftigen Vermieters informiert sind. Aus Mangel an Alternativen würden sie sich dann aber dennoch auf das Wohnungsangebot einlassen und auch trotz der schlechten Erfahrungen erneute Verträge mit ihm abschließen, klagt ein Syrer, der unerkannt bleiben will. "Wir finden nichts anderes."

Denn viele Eigentümer und Makler fordern einen Einkommensnachweis von ihren künftigen Mietern und lehnen Flüchtlinge, die nur die Mindestsicherung beziehen, von vornherein ab. Damit bleibt das Angebot an Unterkünften auch klein. Übrig bleiben darum häufig Anbieter, die abgewohnte Quartiere zu überhöhten Preisen anbieten, sagten NGO- Vertreter.

Flüchtlingsorganisationen wie Diakonie und Caritas sowie den Einrichtungen der Stadt Wien sind die Vorwürfe schon länger bekannt. Der Fonds Soziales Wien - kurz FSW - hat darum in einigen Fällen nach entsprechenden Hinweisen der Ermittlungsbehörden die Auszahlung von Mietzuschüssen an Asylwerber eingestellt, wenn ein verdächtiger Name im Vertrag aufscheint. Die Stadt Wien und der Steuerzahler seien aber nicht geschädigt worden, da immerhin eine "Mietleistung erfolgt sei", so ein Sprecher des FSW.

Nahender Winter wird Lage noch verschärfen

Die mutmaßlichen Täter selbst sind sich offenbar keiner Schuld bewusst. So erklärte etwa der Inhaber der Firma Aldiar, nicht er nütze seine Mieter aus, sondern von diesen zahlten einige ihm keine Miete. Er vermiete derzeit an 80 Menschen, davon sehe er von elf bis 14 kein oder zu wenig Geld - er wünsche sich darum seinerseits ein Eingreifen der Behörden.

Über den Winter dürfte sich die Lage wohl weiter verschärfen. Derzeit sind allein 9000 Asylwerber in Wien in privater Grundversorgung, sagte die Caritas- Expertin Karin Knogl. In den Bundesländern gibt es viele weitere, die - sobald sie Asyl erhalten - nach Wien ziehen wollen, um Anschluss an Freunde und Bekannte zu finden. Wie viele anerkannte Flüchtlinge in der Bundeshauptstadt wohnen, wisse man derzeit nicht, sagte Knogl. Es dürften aber angesichts immer weiterer Neuankömmlinge noch viel mehr werden.

11.11.2015, 07:48
AG/red
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