Willkommen
|
Facebook Twitter Google Plus
24.05.2017 - 15:49
Foto: APA/BARBARA GINDL

Dschihad- Prozess: Zwei Mädchen freigesprochen

23.10.2015, 19:13
Zwei Mädchen sind am Freitag bei einem Prozess in Salzburg vom Vorwurf der Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung nicht rechtskräftig freigesprochen worden. Die Anklage hatte der 16-jährigen Tschetschenin aus Salzburg und der 18-jährigen gebürtige Bosnierin aus Oberösterreich vorgeworfen, sich als Ehefrauen für IS-Kämpfer angeboten und die Fahrt in das Krisengebiet nach Syrien angetreten zu haben.

Laut Anklage hatten sich die beiden Beschuldigten im Spätsommer 2014 über das Internet kennengelernt, als sie sich über den Islamischen Staat informierten. Beide hätten geplant, sich mit IS- Kämpfern zu vermählen, obwohl sie diese noch nicht gekannt hätten. Das Ja- Wort sollen die beiden über Skype erteilt haben.

Am 29. Dezember traten sie die Reise an, im Zug nach Budapest trafen sie erstmals persönlich aufeinander. Über Rumänien, Bulgarien und der Türkei wollten sie nach Syrien. Doch schon am 30. Dezember wurden die Mädchen von rumänischen Grenzbeamten kontrolliert und wieder zurück nach Österreich geschickt, wo sie am 10. Jänner festgenommen wurden.

Staatsanwalt Marcus Neher war überzeugt, dass sich die beiden Mädchen als Mitglieder an einer terroristischen Vereinigung in dem Wissen beteiligt hätten, dass sie dadurch die Vereinigung oder deren strafbare Handlungen fördern. "Um sich nicht als Muslima, vor allem nicht als IS- Sympathisantinnen erkennen zu geben, packten sie ihre Schleier ein, die sie zu Hause gelegentlich trugen. Dass sie gewusst haben, was im Islamischen Staat abläuft, davon können wir gesichert ausgehen", verwies Neher auf Einträge im Internet.

Verteidiger kalmierten

Doch die Verteidiger waren anderer Ansicht und forderten einen Freispruch: Die Teenager hätten nicht gewusst, dass es sich beim IS um einen Terrororganisation handelt. "Meine Mandantin hat nicht gewusst, dass der IS eine solche ist", sagte der Verteidiger der 16- Jährigen, Rechtsanwalt Karl Wampl. Sie sei "pubertär von zu Hause ausgerissen." Die Tschetschenin sei im Internet gemobbt und als Hure bezeichnet worden, deshalb habe sie einfach weg wollen, erklärte Wampl.

Ins selbe Horn stieß der Verteidiger der 18- Jährigen, Rechtsanwalt Kurt Jelinek. Er bezweifelte, dass es einen bedingten Vorsatz gegeben hat. "Eine Wissentlichkeit besteht schon gar nicht. Es mangelt an der subjektiven Tatseite. Sie hat sich mit dem IS gar nicht beschäftigt. Ich sehe das Ganze als einen Hilfeschrei eines Mädchens, das nicht mehr weiter kann." In ihrer Familie hätten Ansprechpersonen gefehlt, in der Schule und auch in der Lehre habe sie Niederlagen erlitten. Schließlich sei sie im Internet "den Falschen in die Finger gekommen", referierte Jelinek.

Freisprüche im Zweifel

Für den Schöffensenat sei es nicht mit der - für ein Strafverfahren - erforderlichen Sicherheit nachweisbar gewesen, dass die Mädchen gewusst haben, dass sie mit ihren Handlungen die Terrorvereinigung IS unterstützen, erläuterte die Sprecherin des Landesgerichtes Salzburg, Martina Pfarrkirchner, die Begründung der Freisprüche im Zweifel. Die zwei Teenager hatten ihre Unschuld beteuert. Staatsanwalt Neher meldete sogleich Nichtigkeitsbeschwerde an, weshalb die Freisprüche nicht rechtskräftig sind.

23.10.2015, 19:13
AG/red
Kommentare  
Kommentare sortieren nach:
km_num_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
Antworten sortieren nach:
km_antworten_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).
Werbung
Werbung
Meistgelesen
Meistkommentiert
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; Muthgasse 2, 1190 Wien
Krone Multimedia © 2017 krone.at | Impressum