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11.12.2016 - 16:29
Foto: Martin A. Jöchl

Die Hintergründe einer unfassbaren Tat

12.07.2015, 08:15
Tamara K. wirkte oft traurig. Aber niemals aggressiv. Dann brachte die Frau ihren fünfjährigen Sohn um. Die Hintergründe einer unfassbaren Tat.

Ihr Gesicht ist blass, der Blick starr, ihre Hände zittern. Und immer wieder fängt sie zu weinen an. "Ich will zu meinem Kind, ich will zu meinem Kind", schluchzt Tamara K. dann. Weiß die Frau nicht, dass sie vor einer Woche ihren fünfjährigen Sohn getötet hat?  In Verhören redet die 25- Jährige wirr. In unzusammenhängenden Sätzen spricht sie von bösen Stimmen in ihrem Kopf, von peinigenden Angstgefühlen - und von ihrer Todessehnsucht.

Nachbar: "Wenige Stunden vor der Tat hörte ich aus der Wohnung der Frau einen lauten Streit."
Foto: Martin A. Jöchl

Tamara K. befindet sich mittlerweile in Untersuchungshaft. Wegen ihres schlechten psychischen Zustands wurde sie vorerst jedoch nicht in einem Gefängnis, sondern in der Psychiatrischen Abteilung des Wiener Kaiser- Franz- Josef- Spitals untergebracht. In einem Einzelzimmer. Zwei Justizbeamte bewachen die Frau nun rund um die Uhr. "Meine Mandantin", so ihr Anwalt Marcus Januschke, "ist derzeit kaum ansprechbar. Sie muss mit starken Medikamenten behandelt werden."

Wer ist Tamara K.?

Schon in der Kindheit wanderten ihre Eltern mit ihr von Bosnien nach Österreich aus. Sie wuchs hier in geordneten Verhältnissen auf. "Still, schüchtern, eher melancholisch" sei sie von Jugend an gewesen, berichten Freundinnen von früher. Mit 18 lernte sie Marinel S., einen gebürtigen Rumänen, kennen. Große Liebe. Schnell wurde geheiratet. Bald bekam die Frau einen Buben. Nach seiner Geburt zog die kleine Familie in eine 60- Quadratmeter- Wohnung in der Braunspergengasse in Wien- Favoriten.

Zwei Jahre schien das Paar glücklich. Nach Dienstschluss - die Frau arbeitete als Empfangsdame, der Mann bei einer Spedition - spielten sie mit ihrem Kind oder lasen ihm aus Märchenbüchern vor. Und an den Wochenenden fuhren sie mit ihm ins Grüne.

"Es machte sie sehr traurig"

Doch dann begann Marinel S. plötzlich aus der Idylle daheim zu flüchten. Er ging immer öfter abends alleine aus, flirtete mit anderen Frauen. "Tami", erzählt eine ehemalige Kollegin der Frau, "machte das sehr traurig." Sie begann, an Depressionen und Schlafstörungen zu leiden - bis zuletzt nahm sie Psychopharmaka ein.

2013 ließ sich das Ehepaar scheiden, es wurde ein gemeinsames Sorgerecht für das Kind vereinbart. Die damals 23- Jährige fand einige Monate später einen neuen Partner. 2014 die Hochzeit. Für das Jugendamt schien es, als würden sich Marinel S. und Tamara K. gut verstehen, häufig verbrachten sie sogar zusammen Zeit mit ihrem Sohn. Vor allem, wenn der neue Gatte der Frau auf Dienstreisen war.

Streit in der Wohnung

Nachbarn der Frau erzählen, dass sie seit Anfang 2015 aus ihrer Wohnung ständig Streit gehört hätten. Und dass sich die 25- Jährige zunehmend seltsamer verhalten habe: "Immer trug sie Sonnenbrillen, sie wirkte extrem in sich gekehrt und sie führte Selbstgespräche."

Am Abend des 4. Juli soll es bei ihr zu Hause abermals zu einer heftigen Auseinandersetzung gekommen sein. Mit wem? Ein Mann habe geschrien, die Frau geweint, Möbel seien umgefallen. Und dann sei in der Wohnung Todesstille gewesen...

Vermutlich am Vormittag des 5. Juli verabreichte Tamara K. ihrem Sohn Beruhigungspillen, die sie davor in Saft aufgelöst hatte. Als der Fünfjährige eingeschlafen war, drückte sie einen Polster gegen sein Gesicht. Anschließend versuchte sie, seine Pulsadern aufzuschneiden. "Ich ertrug den Anblick meines toten Buben nicht", sagt die Frau, "darum legte ich eine Decke über ihn." Und danach begann sie zu packen. "Irgendwann am Sonntag begegnete ich ihr am Gang. Sie schleppte einen Koffer. Ich grüßte, sie gab keine Antwort", erinnert sich Boban Stanojevic, ein Nachbar.

Wollte nicht mehr leben

Sie mietete sich in einer Pension im Westen Wiens ein: "Dort wollte ich mich umbringen." Mit Schlaftabletten: "Aber ich hatte nicht genug davon." Am 7. Juli fuhr sie mit einem Taxi zum Kahlenberg. Wo sie früher oft mit Marinel S. und ihrem Sohn spazieren gegangen war. Ziellos irrte sie durch Wälder und über die Höhenstraße. Als sie ein Polizeiauto auf sich zukommen sah, hielt sie es an. "Ich habe mein Kind getötet", erklärte sie den Beamten, "bitte nehmen Sie mich mit, ich bringe Sie zu ihm."

12.07.2015, 08:15
Martina Prewein, Kronen Zeitung
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