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08.12.2016 - 02:51
Foto: Markus Tschepp

Damenwahl bei der Freiwilligen Feuerwehr

05.07.2014, 17:00
Die Freiwilligen Feuerwehren sind auf der dringenden Suche nach weiblicher Verstärkung. Wie frauenfreundlich ist der Alltag? "Krone"-Redakteurin Sabine Salzmann unternahm einen Selbstversuch.

Die Hose ist etwas zu lang, die schwere 40- Watt- Schutzjacke drückt: Das Material der Uniformen darf nicht flammbar sein. Ein viel zu heißer Tag für einen Feuerwehrtest, "Frau" sehnt sich schnell nach einem T- Shirt.

Foto: Markus Tschepp

Erste Hürde: Es gibt keine Damengrößen. "Ein Rock wäre nicht praktisch, obwohl meine Truppe ihre Freude damit hätte", scherzt Simon Leitner, der Kommandant in Henndorf bei Salzburg, und befördert mich zur "Frau Hauptbrandmeister". Ein Leihdienstgrad.

Mann und Frau helfen im Team

Fünf Kameradinnen gehören zur 75 Kräfte starken Freiwilligentruppe. Marianne, eine Bankerin, und die Studentin Stefanie waren die Ersten. "Wir kommen beide aus Feuerwehr- Familien", sind sie hochmotiviert. Wenn auch nicht überall eine Frau ganz vorne stehen kann: "Die meisten Mädeln haben weniger Kraft", wollen sie es mit der Emanzipation nicht übertreiben. Mann und Frau helfen im Team. Bei Extrem- Einsätzen wird jeder vom Netz der Gemeinschaft aufgefangen: "Wir wollen wie alle anderen behandelt werden." Einen eigenen Umkleideraum lehnten sie ab.

Damenwelt soll nicht länger nur auf Reservebank sitzen

Die Damenwelt soll bei der Feuerwehr aber nicht länger nur auf der Reservebank sitzen: Gerade am Land, wo viele Männer auspendeln und am Tag nicht verfügbar sind, können Einsätze untertags zum Problem werden.

354 Frauen zählt beispielsweise der Salzburger Landesverband. Das ist ein Anteil von 3,51 Prozent. Kommandant Leo Winter wünscht sich deutlich mehr. "Bei der Jugend liegen wir schon bei 15,49 Prozent", hofft er auf eine Trendwende. Der mangelnde Zulauf von Frauen hängt mit alten Vorurteilen zusammen und der Sorge, Einsätzen körperlich nicht gewachsen zu sein. Dem versuchen die Feuerwehren nun mit Aufklärung entgegenzuwirken. Bei der Polizei hat Ähnliches funktioniert: Hier liegt der bundesweite Frauenanteil bereits über 13 Prozent.

Übung ist ein wahrer Kraftakt - bei 600 Grad

Unser Übungsplan für diesen Tag: Simulationen im neuen Brandhaus beim Landesfeuerwehrverband in Salzburg. Wenn auf Knopfdruck das Fett in einer Fritteuse explodiert, kann der Angriff nur noch mit schwerem Atemschutz erfolgen. Die Temperaturen klettern auf bis zu 600 Grad. Eine schweißtreibende Kraft- und Nervenprobe. Die praktische Atemschutz- Ausbildung hat von den Henndorfer Feuerwehrfrauen nur Vroni. Ich schließe mich jenen an, die nicht ganz vorne stehen, und helfe beim Umziehen: Sie schultert 1.600 Liter Atemluft in einer Kohlenfaserstoffflasche. Auch Maske und Lungenautomat sitzen.

Bis zu 20 Kilo wiegt die Ausrüstung. Und: "Die Körpertemperatur steigt auf Fieber- Niveau", beschreibt es Karl Paul, der Atemschutz- Zuständige. Mit der Wärmebildkamera suchen wir zuerst den Brandherd. Ein Kamerad erklärt das Farbenspiel der sichersten Methode. Dann erfolgt der Angriff – blitzschnell, die Gefahr des "Flash- over", wo sich die Flammen unter Sauerstoff schlagartig ausbreiten, ist gebannt.

"Niemand muss ein Spitzensportler sein"

Landesfeuerwehrarzt Sebastian Huber beobachtet das Szenario. Als Betriebsarzt der Freiwilligen bittet er auch die Damen zum Check und traut ihnen genauso Höchstleistungen zu. Fitness und Belastbarkeit sind Voraussetzung, aber niemand muss bei den Freiwilligen Spitzensportler sein.

Beim Griff zur Bergeschere steigt schnell die Hochachtung vor den Einsatzkräften, die rund um die Uhr in ganz Österreich binnen Minuten zur Stelle sind. 26 Kilo wiegt das Gerät, das mit aller Kraft bewegt werden muss. Das können selbst gestandene Helfer nicht unbegrenzt lange stemmen.

Zusammenhalt im Ernstfall und beim Kirtag

Der Feuerwehr- Alltag kennt aber nicht nur Kraftakte: "Bei unserem Pfingst- Kirtag ist es gerade länger geworden", verraten Stefanie und Marianne. Zusammengeholfen wird also nicht nur im Ernstfall. Die Kameradschaft ist der Motor für viel Konsequenz beim wöchentlichen Üben und ein wesentlicher Faktor örtlicher Gemeinschaften. Auch deshalb sollen Frauen hier künftig noch stärker integriert und angesprochen werden. Nicht nur als weibliche Begleitung bei Feuerwehrfesten.

Plötzlich wird unsere Testphase von einem Alarm jäh unterbrochen: Ein Schwimmer wird am Wallersee vermisst. Ab in den Einsatzwagen, Adrenalin und Konzentration. Mit Blaulicht über die Autobahn. Jeder Ablauf sitzt. Die Frauen mittendrin. Und ich frage mich, warum diese hochprofessionelle Art zu helfen wirklich nur Männersache sein soll.

05.07.2014, 17:00
Sabine Salzmann, Kronen Zeitung
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