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08.12.2016 - 17:40
Foto: Martin A. Jöchl

Birgit Hundstorfer: "Durfte Rudi zu ihm sagen"

26.03.2016, 16:44

Rudolf Hundstorfer und seine Tochter Birgit sprechen über Ostersonntage mit Biskuit- Schoko- Lamperln und eine Oma, die die Kindestaufe durchsetzte.

Zum Generationen- Gespräch mit der "Krone" kommt Birgit Hundstorfer, Raumplanerin bei der Stadt Wien, in die Wahlkampfzentrale ihres Vaters in der Herrengasse. "Das war schon in meiner Kindheit so, dass ich ihn gerne im Büro besucht hab", lacht die 41- Jährige. Birgit ist die einzige biologische Tochter des SPÖ- Politikers- nach zwei Hochzeiten mit Birgits Mutter hat Hundstorfer ein drittes Mal geheiratet und zwei Patchwork- Kinder dazubekommen.

Foto: Martin A. Jöchl

Nach einer herzlichen Begrüßung nehmen Vater und Tochter vor dem 5 mal 2,5 Meter großen Plakat Platz, auf dem sich der Präsidentschaftskandidat als "einer von uns - einer für uns" präsentiert. Das Kindheitsfoto, das sie mitgebracht haben, zeigt einen jener Momente, in dem für den Politiker Rudolf Hundstorfer nur sein Kind zählt. Mit James Dean- Welle und schiefer Krawatte drückt er der kleinen Prinzessin, die an einem Blümchen- Schnuller saugt, einen Kuss auf die Stirn. Im Interview erzählen die beiden, was sie zusammengeschweißt hat - und bis heute verbindet.

Foto: Martin A. Jöchl

"Krone": Wie wurde im sozialdemokratischen Haus Hundstorfer Ostern gefeiert?
Er: Bei Birgits Großeltern in Götzendorf. Großmutter und Mutter haben Eier gefärbt, Großvater und ich haben sie versteckt.
Sie: Es gab auch immer selbst gebackene Biskuit- Lamperln mit Schokolade überzogen.

"Krone": Gehörte auch die Auferstehungsmesse dazu?
Er: Ich bin ungetauft. Nein, Ostern war bei uns nicht religiös motiviert.
Sie: Aber ich bin getauft. Meiner Oma war das ein ganz großes Anliegen.
Er: Von der mütterlichen Seite gab es den massiven Wunsch, dass das Kind getauft wird, das wurde dann auch toleriert. Ich war aber nicht dabei.
Sie: Das hatte einen familiären Hintergrund, der nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Bis ich sieben war, bin ich in Götzendorf auch immer in die Kirche gegangen, aber irgendwann hat sich das aufgehört. Ich bin mittlerweile aus der Kirche ausgetreten.

Foto: Martin A. Jöchl

"Krone": Politik statt Religion?
Sie: Ich bin mit der Sozialdemokratie aufgewachsen. Ich war auch bei den Roten Falken. Ich erinnere mich, dass in unserer Wohnung im 9. Bezirk viele Kreisky- Karikaturen gehängt sind. Er war Bundeskanzler, als ich auf die Welt kam.
Er: Ich war damals Kanzleibediensteter der Stadt Wien. Ich war nicht viel zu Hause.
Sie: Aber das hat er gut kompensiert. Er hat mich oft mitgenommen zu Veranstaltungen. Zum Maiaufmarsch zum Beispiel. Als ich 13 war, durfte ich mit nach Los Angeles und San Francisco zum Gewerkschaftstag fliegen. Weltoffenheit ist etwas, das ich von ihm mitbekommen habe.
Er: Später, beim Gewerkschaftsbund, hat sie uns oft in der Maria- Theresien- Straße besucht. Birgit hat dort gezeichnet, gespielt, Hausaufgaben gemacht.
Sie: Ein Highlight waren unsere Semesterferien in Dorfgastein. Dieser Urlaub hat immer uns beiden gehört. Seit meinem fünften Lebensjahr waren wir dort gemeinsam Ski fahren.

Foto: Martin A. Jöchl

"Krone": Wie ist Birgit erzogen worden?
Er: Entspannt, ganz entspannt.
Sie: Stimmt. Mein Vater hat mich immer mit Argumenten überzeugt. Und ich durfte Rudi zu ihm sagen. Ich könnte jetzt gar nicht sagen, was der Auslöser war und wann das war. Aber das war relativ bald.

"Krone": Die schwerste Krise?
Er: War sicher die Gymnasiumszeit.
Sie: Meine Rebellion fand in der Schule statt. Innerlich war es für meine Eltern wahrscheinlich ein furchtbares Problem, aber trotzdem hat es keine Sanktionen oder Strafen gegeben. Nur Überzeugungsarbeit.
Er: Mühsames Reden!
Sie: Sie haben mit allen Mitteln versucht, mich zum Lernen zu motivieren, im Endeffekt ist es ihnen ja auch gelungen.
Er: Sie hat HTL Hochbau gemacht, was damals für junge Frauen nicht alltäglich war. Heute schaut die Welt etwas anders aus.
Sie: Davor wollte ich Archäologin oder Tischlerin werden.

"Krone": Gab es einen Moment, in dem der Vater ganz präsent war?
Sie: Als ich einen Blinddarmdurchbruch hatte, war er da.
Er: Birgit war damals acht Jahre alt, sie lag zwei Wochen lang im Preyer'schen Kinderspital. Sie sollte wieder feste Nahrung zu sich nehmen. Da habe ich ihr jeden Tag ein Menage- Reindl mit Püree und anderer Schonkost ans Krankenbett gebracht. Das haben meine Kolleginnen im Büro für sie gekocht.

Hundstorfer startet mit Video in den Wahlkampf:

Video: YouTube.com

"Krone": Erinnert sich Birgit an die Scheidung der Eltern?
Sie: Beim ersten Mal war ich sieben Jahre alt. Da bin ich mit meiner Mutter in der Wohnung geblieben und er zog weg. Ich bin gependelt, habe mal da, mal da geschlafen.
Er: Und dann haben wir noch einmal geheiratet.
Sie: Ich habe weder die Hochzeit noch die endgültige Scheidung meiner Eltern mitbekommen. Damals war ich ihnen schon ein bisschen böse. Ich hätte das lieber miterlebt. Aber heute denke ich nicht mehr darüber nach. Das ist schon so lange her...

"Krone": Wie versteht sich Birgit mit den zwei Stiefgeschwistern?
Sie: Seine Stieftochter ist neun Jahre jünger als ich, und der Stiefsohn ist noch einmal neun Jahre jünger. Also uns trennt schon ein paar Jährchen.
Er: Gelegentlich treffen wir uns alle, aber das muss nicht ein traditioneller Tag wie Weihnachten oder Ostern sein.

"Krone": Und Birgits Sohn? Welche Beziehung hat er zum Opa?
Sie: Marc ist 14, die beiden verkehren auf SMS- Basis.
Er: Der junge Mann findet es immer lustig, wenn er mich im Fernsehen sieht. Seine Mutter hat übrigens auch still und heimlich geheiratet.

"Krone": Was war Rudolf Hundstorfer rückblickend für ein Vater?
Sie: Ich kenne ihn Zeit meines Lebens als Menschen, der sich für andere Menschen einsetzt. Mein Vater ist ein absoluter Workaholic. Er war trotzdem immer da.

26.03.2016, 16:44
Conny Bischofberger, Kronen Zeitung
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