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Foto: krone.at / Video: krone.tv

Betrugsverdacht: Wiener Asylheim vor Räumung

15.07.2017, 11:47

Im ehemaligen Hotel "Bianca" in Wien- Favoriten haben 90 Flüchtlinge, davon 45 unbegleitete Minderjährige, ein Zuhause gefunden. Jetzt droht die Zwangsräumung, weil der Betreiber des Heims seit sechs Monaten keine Miete mehr bezahlt hat. Der Fonds Soziales Wien fördert den betreffenden Verein aber weiterhin: mit 129.600 Euro monatlich. Der Verdacht: Sozialbetrug im großen Stil - und mangelnde Kontrolle.

Richard S., 57, ist Architekt und wollte eigentlich etwas Gutes tun. Deshalb vermietete er sein Hotel, nach Tochter Bianca benannt, im März letzten Jahres an einen Verein, der sich um Flüchtlinge kümmert. Im Web wirbt "Route 66" für den "Weg zur Integration".

Im April zogen in der Karmaschgasse 65 die ersten Flüchtlinge ein. Der Obmann des Vereins habe die Miete von 45.000 Euro für 40 Wohneinheiten mit 1800 Quadratmetern von Anfang an nur schleppend überwiesen. Laut krone.at- Informationen soll der 52- Jährige bereits im Jahr 2011 wegen Betrugs rund um ein Reinigungsunternehmen verurteilt worden sein.

Hausbesitzer Richard S. wollte etwas Gutes tun.
Foto: Alexander Bischofberger-Mahr

Keine Miete seit sechs Monaten

Seit sechs Monaten zahlt der Verein nun keine Miete mehr. Der Besitzer des Gebäudes hat Klage eingereicht, der Mietvertrag wurde gekündigt, es droht eine Zwangsräumung. Das Bemerkenswerte: Der Fonds Soziales Wien (FSW) zahlt trotzdem weiterhin Fördergelder an den Vereinsobmann. Monatlich 129.600 Euro lässt sich der FSW die Unterbringung und Verpflegung von 90 Flüchtlingen kosten.

Besitzer Richard S. (re.) und der Leiter des Flüchtlingsheims
Foto: Alexander Bischofberger-Mahr

"Keine weitergehende Intervention"

Richard S. hatte den Fonds Soziales Wien bereits im Mai dieses Jahres auf die Missstände aufmerksam gemacht. Der FSW überprüfte daraufhin die "zweckmäßige Verwendung von Fördermitteln". Weil es sich aber um "mietrechtliche Streitigkeiten" handle, könne keine weitergehende Intervention stattfinden. Der Hausbesitzer wittert Sozialbetrug. "Ich glaube, 'Route 66' missbraucht Fördergelder", so S. gegenüber krone.at. Und er erhebt auch den Vorwurf mangelnder Kontrolle.

krone.at stattete der Flüchtlingseinrichtung einen Besuch ab (Video oben). Der Heimleiter erkannte den Hausbesitzer nicht und komplimentierte ihn hinaus. Filmen sei nicht erlaubt. Der Heimleiter informierte den Vereinsobmann. Dieser gab krone.at ein Interview, wollte aber nicht gefilmt werden. Ein Schild oder Logo vom Verein sucht man an seiner Adresse vergeblich. Drei Unternehmen sind im "Vereinsbüro" angeführt, wovon zwei eine andere Anschrift haben.

Foto: Alexander Bischofberger-Mahr

Vereinsleiter: "Exorbitanter Quadratmeter- Mietpreis"

Für den Vereinsobmann ist der "exorbitante Quadratmeter- Mietpreis" schuld am Dilemma. Zu spät sei er draufgekommen: "Es ist nicht so, als ob wir die Miete jetzt eingestellt haben, weil sie zu hoch ist, weil dann hätte ich sowieso ein Jahr lang nicht zahlen dürfen. Sondern: Die Miete war extrem hoch. Dann haben wir gesagt, das bekämpfen wir. Wir haben ein Schreiben an die Schlichtungsstelle geschickt und dann wird einer gewinnen, entweder er (Richard S.) oder wir." Für den Vereinsobmann gehe es "ums Prinzip": "Hätte ich nicht gegengerechnet, würde ich nie und nimmer zu dem Geld kommen, das steht fest."

Allerdings: Die Miethöhe wurde im Vorfeld mit vereinbart - und von MA11 und FSW genehmigt. Richard S. bezeichnet der Obmann als "Geschäftemacher". Falls der Verein die Miete doch zahlen müsse, könne er das problemlos, versichert er uns.

Foto: Alexander Bischofberger-Mahr

Schon ungefähr zwei Millionen Euro erhalten

Wohl auch, weil man vom Fonds Soziales Wien genug Geld bekommt: Pro erwachsenen Flüchtling 19 Euro pro Tag, pro unbegleiteten Minderjährigen 77 Euro pro Tag. Macht bei insgesamt 90 Flüchtlingen eine monatliche Förderung in Höhe 129.600 Euro. Dafür muss der Verein Unterkunft, Verpflegung und Taschengeld bestreiten.

Bis dato hat "Route 66" laut Verträgen rund zwei Millionen Euro vom Fonds Soziales Wien bekommen. Auf Anfrage bestätigte FSW, dass die Förderungen an "Route 66" auch jetzt noch ausbezahlt werden. Im Nachhinein fügte man hinzu, dass man außer der krone.at- Info keine Heinweise auf eine etwaige Verurteilung des Obmanns habe. "Als Reaktion auf diese neue Information haben wir jedoch eine zusätzliche Überprüfung der Abrechnung der betreffenden Einrichtung in die Wege geleitet", heißt es in einem Statement.

Das Büro des Vereins "Route 66"
Foto: Alexander Bischofberger-Mahr

Am 11. September geht das Verfahren in die nächste Runde. "Wenn es bis September so weitergeht, sind es insgesamt 360.000 Euro, die mir der Verein schuldet. Das Liebste wäre mir, es würde keine Räumung geben und ein anderer - seriöser - Verein übernähme mein Hotel”, so Richard S. Bis 1. Oktober muss sich der Verein jedenfalls um ein neues Objekt umsehen, ansonsten landen 90 Flüchtlinge auf der Straße.

Redakteur
Alexander Bischofberger-Mahr
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