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08.12.2016 - 18:31
Rakhat Aliyev war alleine in einem Drei-Mann-Raum untergebracht.
Foto: APA/HELMUT FOHRINGER, APA/HBF/DRAGAN TATIC

Aliyev war mit Medikamenten vollgepumpt

22.05.2015, 19:58
Nach dem Tod Rakhat Aliyevs im Gefängnis in Wien gibt es neue Zweifel. In der Leiche wurden fünf verschiedene Medikamente gefunden. Und in einem Prozess sagten zwei Männer aus, die zuletzt mit ihm gesprochen haben, Stunden vor dem angeblichen Selbstmord. Ihre Bilanz: Nichts deutete darauf hin.

Diese völlig neuen Aussagen gab es in einem Verfahren (vertagt) um eine angebliche Erpressung des früheren kasachischen Botschafters kurz nach dessen Inhaftierung wegen Verdachts des Doppelmordes im Juni 2014. Dabei sagte jener Justizbeamte aus, der auch kurz vor Aliyevs Tod am Morgen des 24. Februar 2015 Dienst hatte. Für ihn gab es noch bei einem Gespräch während einer Medikamentenausgabe am Abend davor nicht die geringsten Anzeichen für eine Depression.

"Wir sind noch zusammengesessen und haben gelacht"

Deutlicher wird ein Mithäftling: Der berichtet, dass Aliyev um seine Sicherheit in der Haft sehr besorgt war. "Er hat nur originalverpackte Ware angenommen." Dann berichtet der Zeuge: "Ich war der Letzte, der mit ihm Kontakt hatte. Er hat sich noch vier Dosen Cola Light ausgeborgt. Macht das jemand, der sich bald umbringen will?" Noch etwas verblüfft: Am nächsten Tag sollte Aliyev als Zeuge in dem Erpressungsprozess aussagen und dort seine Frau sehen. Der Mithäftling: "Die Aussage war ihm völlig egal. Aber er freute sich sehr auf das Treffen mit seiner Frau. Wir sind noch zusammengesessen und haben gelacht."

Spuren von Schlaf- und Beruhigungsmitteln

Stunden danach wurde Aliyev im Badezimmer tot aufgefunden - erhängt an Mullbinden. In der Justiz  heißt es, es gebe praktisch keinen Zweifel an einem Selbstmord. Doch auch ein von der Staatsanwaltschaft eingeholtes toxikologisches Gutachten lässt nun die Gerüchteküche erneut brodeln: Demnach war Aliyev zum Zeitpunkt seines Ablebens mit Medikamenten vollgepumpt. Der Direktor des gerichtsmedizinischen Instituts der Med- Uni Innsbruck, Richard Scheithauer, fand Spuren von Zolpidem und Bromazepan. Beide sind als Schlafmittel bekannt.

Bromazepan, das zur Gruppe der Benzodiazepine gehört, wird von der Medizin allerdings auch gegen akute Angstzustände und als Beruhigungsmittel eingesetzt. Weiters ließen sich der schmerzstillende und fiebersenkende Arzneistoff Paracetamol sowie zwei Medikamente nachweisen, die Aliyev gegen Diabetes sowie gegen Bluthochdruck verschrieben bekam.

Vollzugsdirektion: Alle Medikamente ärztlich verschrieben

Am Abend teilte die Vollzugsdirektion mit, dass alle fünf Medikamente ärztlicherseits verschrieben worden seien. Aliyev habe die medizinisch indizierten Mittel "über einen längeren Zeitraum" und auch am Tag vor seinem Ableben eingenommen, sagte die Chefärztin der Vollzugsdirektion, Margit Winterleitner. "Er war ein kranker Mann."

Demnach bekam Aliyev am 23. Februar wie üblich in der vorgesehenen Dosis das den Wirkstoff Paracetamol enthaltende Schmerzmittel Mexalen und am Abend zusätzlich die Schlafmittel Zolpidem und Bromazepan, weil er laut Winterleitner an Schlafstörungen litt. Die Ärztin schloss aus, dass Aliyev die ihm verschriebenen Arzneimittel - etwa in selbstmörderischer Absicht - gehortet haben oder Zugang zu weiteren Substanzen gehabt haben könnte. Die Medikamentenvergabe im Strafvollzug unterliege einer "doppelten Kontrolle" und sei bei Aliyev "selbstverständlich" eingehalten worden.

22.05.2015, 19:58
Kronen Zeitung/AG/kal
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