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21.08.2017 - 03:55
GPA-Chef Katzian
Foto: APA/ROLAND SCHLAGER

Aktionswoche für 1700 Euro Brutto- Mindestlohn

30.11.2015, 15:27
Die Gewerkschaft macht eine Aktionswoche für einen Mindestlohn von 1700 Euro brutto für einen Vollzeitjob. Das entspricht derzeit 1253 Euro netto, mit der Steuerreform sollten es ab 2016 1311 Euro netto sein, rechnet die Gewerkschaft vor. Am meisten davon profitieren würden Frauen, junge Menschen und Menschen mit geringer Ausbildung, die derzeit am häufigsten niedrigere Einkommen haben. Die Wirtschaftskammer hält wenig von der Forderung.

Das im Rahmen von Kollektivverträgen vereinbarte niedrigste Einkommen sei von 1000 Euro im Jahr 2008 auf 1300 Euro 2010 gestiegen, rechnete Wolgang Katzian, Chef der Gewerkschaft GPA- djp, am Montag in einem Pressegespräch in Wien vor. In einzelnen Bereichen wie dem Handel gelte seit 2014 ein Mindestlohn von 1500 Euro brutto (1161 Euro netto), die Metaller haben jetzt schon mindestens 1700 Euro brutto. Diesen Mindestlohn für alle will die Gewerkschaft nun in den nächsten fünf Jahren erreichen. Derzeit haben etwa 25 Prozent der Beschäftigten weniger, das sind fast 800.000 unselbstständig Beschäftigte. 270.000 Menschen (12 Prozent der Vollzeitbeschäftigten) verdienen derzeit sogar weniger als 1500 Euro brutto.

Gewerkschaft will keinen gesetzlichen Mindestlohn

Einen gesetzlichen Mindestlohn will die Gewerkschaft allerdings nicht. 98 Prozent der Arbeitsverhältnisse unterlägen einem Kollektivvertrag, der nur von den Sozialpartnern geändert werden könne. Ein gesetzlicher Mindestlohn könnte hingegen von der Regierung mit einfacher Mehrheit sogar abgesenkt werden, ohne dass die Gewerkschaft etwas dagegen tun könnte - und in Krisenländern sei dies zuletzt auch geschehen, so Katzian.

27 Prozent der Frauen verdienen weniger als 1250 Euro

Eine Sonderauswertung des Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigt, dass derzeit zehn Prozent der Männer, aber 27 Prozent der Frauen weniger als 1250 Euro netto verdienen. Nach Alter geordnet kommen 46 Prozent der Unter- 25- Jährigen auf weniger als 1250 Euro, aber nur rund zehn Prozent der Über- 35- Jährigen - bei mit dem Alter leicht steigender Tendenz.

Auch die Bildungsabhängigkeit ist eindeutig: 46 Prozent der Pflichtschulabgänger bekommen netto weniger als 1250 Euro, mit Lehre fällt dieser Anteil auf 17 Prozent, mit Universität oder Fachhochschule auf 4 Prozent, sagte IFES- Experte Georg Michenthaler.

Menschen mit Migrationshintergrund verdienen chlechter

Sehr deutlich ist aber auch der Zusammenhang mit dem Migrationshintergrund: 17 Prozent der Menschen ohne Migrationshintergrund verdienen weniger als 1250 Euro, aber 22 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund. In der zweiten Generation fallen sogar 24 Prozent in diese Kategorie. Überdurchschnittlich oft davon betroffen (38 Prozent) sind auch Alleinerzieherinnen.

"200 Euro mehr oder weniger machen viel aus"

Wenig überraschend sind Menschen mit einem Verdienst unter 1250 Euro weniger zufrieden und kommen weniger gut mit dem Geld aus, als Arbeitnehmer mit Einkommen zwischen 1250 und 1500 Euro. "Es macht bei diesen Einkommen sehr wohl etwas aus, ob man 200 Euro mehr oder weniger hat", so Michenthaler.

WK: "Überhöhte Lohnsprünge" gefährden Jobs

Die Wirtschaftskammer hält wenig von der Forderung nach 1700 Euro Mindestlohn für alle. Aus ihrer Sicht würden "überhöhte Lohnsprünge" Jobs gefährden. Diese Forderung "geht an der Realität des Arbeitsmarkts vorbei", so Martin Gleitsmann, Leiter der sozialpolitischen Abteilung.

Die Arbeitskosten seien in Österreich stärker gestiegen als in allen anderen westeuropäischen Ländern. "Das hat zum überproportionalen Anstieg der Arbeitslosigkeit in unserem Land massiv beigetragen", erklärte Gleitsmann. In manchen Branchen gebe es ohnehin einen sozialpartnerschaftlich vereinbarten kollektivvertraglichen Mindestlohn über 1700 Euro, in anderen wäre dies zu hoch und eine Belastung. Er erinnerte auch daran, dass in Deutschland derzeit angesichts des Flüchtlingszustroms sogar eine Aussetzung des Mindestlohns diskutiert werde.

30.11.2015, 15:27
AG/red
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